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12.06.2016

15:21 Uhr

Grüne gegen Deutschlandfahne

Kanzleramtschef schaltet sich in Fahnenstreit ein

VonDietmar Neuerer

Deutschlandfahnen zur Fußball-EM? Dem Grünen-Nachwuchs wird bei einem solchem „Party-Patriotismus“ richtig mulmig – und erntet dafür harsche Kritik. Selbst Kanzleramtsminister Altmaier schaltet sich in die Debatte ein.

Tausende Fans feiern im Juni 2010 in Berlin auf der Fanmeile zur Fußball-Weltmeisterschaft (Archivbild). dpa

Public Viewing.

Tausende Fans feiern im Juni 2010 in Berlin auf der Fanmeile zur Fußball-Weltmeisterschaft (Archivbild).

BerlinDie Kampagne der Grünen Jugend gegen das Tragen von Deutschlandfahnen zur Fußball-Europameisterschaft ist auf heftige Kritik gestoßen. „#GrüneJugend kapiert's nicht: Fahnen der Fans sind das Gegenteil der Fahnen von einst: Symbol für weltoffenes, sympathisches Deutschland“, kanzelte der Chef des Bundeskanzleramts, Peter Altmaier (CDU), den Nachwuchs der Öko-Partei ab.

In deutlich schärferem Ton reagierte die Landes- und Fraktionsvorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz und stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende, Julia Klöckner. "Mit solch einem Quatsch liefern die Grünen Futter für die AfD - Glückwunsch", schrieb Klöckner auf Twitter.

Harsche Kritik auch vom CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer. „Die Unterstützung unserer Jungs mit den Nationalfarben gehört zum Sommermärchen und ist gesunder Patriotismus. An die grünen Kritiker sage ich ganz klar: Besser ein Patriot als ein Idiot“, sagte Scheuer der „Bild am Sonntag.“

Auch in der Unions-Bundestagsfraktion wurde Kritik laut. „Die Forderung nach einem Fahnenverzicht während der Fußball-EM zeigt, dass diese Jungpolitiker reichlich abgehoben und in ihrer linken Denkwelt weit weg von den Empfindungen der Menschen sind“, sagte der Vorsitzende der Jungen Gruppe der Unions-Fraktion, Steffen Bilger, dem Handelsblatt. „Ich gehe davon aus, dass viele Fußballfans jetzt erst recht zum ersten Spiel der deutschen Mannschaft ihre Fahnen rausholen.“

Am Abend trifft die deutsche Nationalmannschaft in Lille auf die Ukraine (21 Uhr/ARD).

Ausgelöst hat die Debatte ein Facebook-Eintrag der Grünen Jugend Rheinland-Pfalz. Am Freitag forderten die Nachwuchspolitiker die Fans auf, beim Fußballgucken auf Deutschlandfahnen zu verzichten. Der Eintrag wurde weit über 6.000 Mal geteilt und mehr als 17.000 Mal kommentiert. Überwiegender Tenor der Kommentare: Die meisten User fanden den Vorschlag völlig absurd.

In dem Facebook-Posting heißt es: „Nationalismus ist eine Form von Patriotismus. Wer sich als patriotisch definiert, grenzt Andere aus. Die Wirkung von Patriotismus hat immerzu Konsequenzen und wird besonders dort deutlich, wo er sich als aggressive Form darstellt und das Andere als Feind stigmatisiert. Zur Fußballeuropameisterschaft fordern wir alle Fans dazu auf, nationalistischem Gedankengut keinen Raum zu lassen! Fußballfans Fahnen runter!“

Andere grüne Jugendverbände unterstützten die Aktion aus Rheinland-Pfalz. Emma Sammet, Sprecherin der Grünen Jugend Berlin, erklärte in einer Pressmitteilung, dass ihr „richtig mulmig zumute“ sei, dass in Berlin Patriotismus und Nationalismus mit der Fanmeile und vielen Public Viewings „besonders viel öffentlicher Raum“ geboten werde und die Supermärkte „voll mit Deutschland-Merchandise und die Straßen, Autos und Balkone voller Nationalfahnen“ seien. Dabei könne es „kein Sommermärchen geben, wenn brennende Geflüchtetenunterkünfte die abscheuliche deutsche Realität darstellen“.

EM in Zahlen Teil 1

0

Island, Nordirland und Irland haben keinen einzigen Spieler nominiert, der in der heimischen Liga kickt.

1

Nur das englische Nationalteam besteht aus Spielern aus einer einzigen Liga: Alle 23 Profis stehen in der Premier League unter Vertrag.

2

„God save the Queen“ wird bei der EM sowohl für England als auch für Neuling Wales gespielt.

3

Frankreich ist nach 1960 und 1984 zum dritten Mal EM-Gastgeber.

4

England, Irland, Nordirland und Wales sind dabei – von den fünf Nationen der britischen Inseln schauen nur die traurigen Schotten zu.

5

Fünf Mannschaften nehmen zum ersten Mal teil: Die Slowakei, Albanien, Island, Wales und Nordirland.

6

Der höchste EM-Sieg datiert aus dem Jahr 2000, als die Niederlande ihr Viertelfinale gegen Jugoslawien 6:1 gewannen.

7

Die Dauerbrenner Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski bestreiten ihr siebtes großes Turnier.

8

Acht Ligen sind mit nur einem Profi vertreten – darunter China (Burak Yilmaz/Türkei von Beijing Guoan) und Saudi-Arabien (Lucian Sanmartean/Rumänien von Al-Ittihad).

9

Der Franzose Michel Platini ist mit neun Toren Rekordschütze – alle erzielt bei der Endrunde 1984. Der Engländer Alan Shearer folgt mit sieben Treffern.

10

Gespielt wird in zehn Stadien. Das größte ist das Stade de France in St. Denis (80.000 Plätze), das kleinste steht in Toulouse (33.000).

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