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19.06.2016

16:13 Uhr

Netz-Pöbeleien

ZDF reagiert auf „asoziale Kritik“ an EM-Kommentatorin

Fußballkommentatorin Claudia Neumann reagiert auf die sexistischen Anfeindungen via Facebook gelassen: „Ich hatte das ja erwartet“. Nun schaltet sich auch der ZDF-Sportchef ein und meint: „Diese Frau steht ihren Mann.“

„Mich hatte das nicht überrascht.“ dpa

Claudia Neumann

„Mich hatte das nicht überrascht.“

ParisVerärgert hat das ZDF auf den teils sexistischen Shitstorm gegen die Fußball-Kommentatorin Claudia Neumann reagiert. „Asoziale Kritik in den sozialen Netzwerken ist für uns kein Maßstab für eine objektive Bewertung“, sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz und erklärte: „Diese Frau steht ihren Mann.“ Die Pöbeleien im Netz seien ungewohnt unflätig gewesen.

Neumann selbst konterte die Beschimpfungen gelassen. „Sonst kriegen meine männlichen Kollegen das alles ab“, sagte sie am Sonntag in Paris und fügte augenzwinkernd hinzu: „Ich habe sie dieses Mal ein bisschen entlastet.“

Die Journalistin war die erste Frau, die am 11. Juni im deutschen Fernsehen mit Wales gegen Slowakei ein Spiel einer Männer-EM kommentiert hat. Die Partie Italien gegen Schweden am Freitag in Toulouse war ihr zweiter Einsatz in Frankreich. Neumann hatte bereits vor dem Turnier gesagt: „Wenn jemand per se die Frauenstimme bei Fußball-Kommentaren ablehnt, ist eine neutrale Beurteilung kaum möglich.“

„Mich hat das nicht überrascht, ich hatte das ja erwartet“, erklärte Neumann am Sonntag und machte dabei einen äußerst entspannten Eindruck. Inhaltlich auseinandersetzen müsse sie sich mit dem Shitstorm nicht: „Ich sehe das nicht als Kritik, ich sehe ich das nur als Beschimpfungen.“ Neumann hat ihre eigene Art, mit den teils unflätigen Ausdrücken umzugehen. „Ich lese das selber gar nicht und kriege es daher nicht direkt, sondern nur indirekt mit“, berichtete die Journalistin. „Ich habe nur davon gehört.“

„Claudia Neumann hat das Spiel kompetent kommentiert“, sagte Gruschwitz. „Wir waren sehr zufrieden!“ Kritik an seinen kommentierenden Kollegen ist Gruschwitz gewohnt. Das gehöre zum Fußball wie Trainer als Sündenböcke und Beschimpfungen von Schiedsrichtern. Die Schmähungen und Pöbeleien gegen die Fußball-Expertin des Zweiten hätten allerdings eine besonders unangenehme Qualität.

Spiegel Online zitiert die 52-jährige Neumann mit den Worten: „Hey, Leute, es geht nur um Fußball! Was für ein Witz! Die meisten, die da schreiben, waren noch gar nicht geboren, als ich schon irgendwelche Fallrückzieher versenkt habe.“

Auf der Facebook-Seite des Senders hatte es teilweise frauenfeindliche Aussagen gegeben. Neumann wurde unter anderem als „Schlampe“ und „Kampflesbe“ bezeichnet. „Es wurden zahlreiche beleidigende Kommentare entfernt. Wenn Sie nicht sachlich an der Diskussion teilnehmen, werden wir Sie sperren“, schrieb die ZDF-Redaktion dazu: „Beleidigungen sind keine Meinung und werden entsprechend unserer Netiquette nicht geduldet!“

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