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15.06.2016

20:15 Uhr

Olympia in Rio

Berliner Sportbund-Präsident fordert Ausschluss Russlands

Nach den Krawallen bei der EM wird darüber diskutiert, ob Russland ein geeigneter WM-Gastgeber ist. Der Präsident des Landessportbundes Berlin ist gegen den Entzug des Zuschlags. Er fordert ganz andere Konsequenzen.

Russen-Funktionär über Euro 2016

„Ich kann nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden“

Russen-Funktionär über Euro 2016: „Ich kann nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden“

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BerlinDer Präsident des Landessportbundes Berlin, Klaus Böger, lehnt es ab, angesichts der Gewaltexzesse russischer Hooligans während der Fußball-EM, Russland notfalls den Zuschlag für die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2018 zu entziehen. „Im Gegensatz dazu bin ich ganz klar dafür, dass Russland wegen systematischen Dopings von der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ausgeschlossen wird“, sagte Böger dem Handelsblatt.

Die Ausschreitungen vor dem EM-Spiel England gegen Russland bezeichnete Böger gleichwohl als schlimm. Die Entscheidung der Uefa, im Wiederholungsfall die russische Mannschaft sofort aus dem Turnier auszuschließen, sei richtig. „Aber ich halte es für unangemessen, Russland die Ausrichtung der WM 2018 zu entziehen“, betonte der Sportbund-Präsident. „Ich habe im Fernsehen auch Neonazis und Hooligans aus anderen Ländern gesehen, das ist ein Problem des gesamten Fußballs“, sagte Böger.

Fragen und Antworten zu den Ausschreitungen bei der EM

Wie konnte es zu der Eskalation der Fan-Gewalt kommen?

Mögliche Ausschreitungen von Fans standen für die französische Polizei immer auf der Agenda, wie auch die Terrorabwehr. Den Vorwurf, nicht auf die Gewalt vorbereitet gewesen zu sein, weisen die Gastgeber daher zurück. Auffällig ist das strikte Vorgehen der Sicherheitskräfte mit schnellem Einsatz von Tränengas und massivem Schlagstockeinsatz. Eine Politik der Deeskalation hat es offenbar nicht gegeben.

Quelle: dpa

Was lief falsch im Stadion?

Praktisch ungehindert konnten russische Hooligans über eine Absperrung in einen Block mit englischen Fans gelangen. Hier haben die Sicherheitsvorkehrungen der Uefa nicht funktioniert. Private Wachmänner sollten ein Aufeinandertreffen der Fangruppen eigentlich verhindern. Auch konnten russische Fans Feuerwerkskörper ins Stadion schmuggeln.

Wie reagiert die Uefa?

Die Krawalle im Stadtzentrum von Marseille ließ die UEFA noch unkommentiert. Nach dem Vorfall im Stadion wurde aber umgehend gehandelt – und zwar mit großer Schärfe. Das Exekutivkomitee traf sich am Sonntag und verwarnte hinterher die Teams aus England und Russland. Die Androhung: Wiederholen sich die Vorfälle, geht es für die Teams in der Gruppe B nach Hause. Auch die Disziplinarkommission kam gleich zusammen und eröffnete ein Verfahren gegen den russischen Verband. Mit dem Ergebnis: Russland spielt die restlichen Spiele nur auf Bewährung mit.

Wurden konkrete Maßnahmen für die folgenden Spiele getroffen?

Die Aufstockung der Stewards zur Separierung der Fans wurde für alle Partien sofort beschlossen. Somit soll es nicht mehr möglich sein, dass Fans in einen Block der anderen Anhänger eindringen können.

Welche Strafen drohen vor einem Ausschluss?

Für das Verhalten der Fans im Stadion droht Russland eine Sanktion nach Artikel 16 der UEFA-Gesetze. Das kann eine Verwarnung sein, eine Geldstrafe, ein Punktabzug für die EM oder einen anderen Wettbewerb aber auch der Turnierausschluss. Da Russland bereits 2012 negativ auffiel, dürfte das Urteil nicht zu milde ausfallen – auch als Abschreckung.

Hat das Geschehen Auswirkung auf die WM 2018 in Russland?

Russlands Funktionäre leugnen traditionell jedes Problem mit rassistischen oder gewalttäigen Fans. Noch in Marseille stellte Sportminister Witali Mutko die Frage, was die Ereignisse mit der WM 2018 zu tun hätten. Aus seiner Sicht: Nichts. Doch die FIFA wird langsam hellhörig. In einem Statement wurde am Sonntag versichert, dass der kommende WM-Gastgeber die Erfahrungen der EM in sein Sicherheitskonzept aufnehmen werde.

Und was ist mit den Engländern?

Im Stadion gab es offenbar im Gegensatz zum Stadtzentrum von Marseille keine Vergehen englischer Fans. Deswegen greifen auch die Disziplinarregeln nicht. Aber die Uefa nutzte eben die Hintertür. Paragraf 65 der Statuten erlaubt dem Exekutivkomitee nach „Recht und Billigkeit“ bei unvorhergesehen Fällen Strafen auszusprechen. Das tat das Gremium schon 2000, als englische Fans im belgischen Charleroi randalierten und dem Team für Wiederholungsfälle der Turnierausschluss angedroht wurde.

Partycrasher des Turniers?

Für die EM kann die Hooligangewalt zu einem Partykiller werden. Bekommen die Sicherheitskräfte das Problem nicht in den Griff, drohen schon bald neue Aussschreitungen. An Konfliktpotenzial mangelt es nicht. Am Mittwoch spielt Russland in Lille gegen die Slowakei. England einen Tag später im benachbarten Lens gegen Wales - und die deutschen Fans sind auf der Anreise zur Partie in Saint-Denis gegen Polen, die auch zu den insgesamt fünf EM-Begegnungen gehört, die der höchsten Risikostufe zugeordnet werden.

Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, hatte zuletzt darauf hingewiesen, dass die Entscheidung über ein Startrecht russischer Leichtathleten bei den Rio-Spielen in der Hand des Weltverbandes IAAF liege. Das Council des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF wird am 17. Juni über einen Ausschluss der Leichtathleten Russlands von den Olympischen Spielen entscheiden.

Von

dne

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