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18.06.2016

10:37 Uhr

Polnische Fans in Paris

„We are here to make love!“

VonAlexander Möthe

Die Polizei ist beim Hochrisikospiel Deutschland-Polen schwer gerüstet. Die meisten Fans stört es nicht. Sie feiern den Punkt gegen die DFB-Elf wie einen Sieg. Die Nacht in Paris fängt für sie gerade erst an.

Vor dem Stade de France baut sich langsam Stimmung auf. Alexander Möthe

Alexander Möthe in Paris

Vor dem Stade de France baut sich langsam Stimmung auf.

ParisMan kann den Parisern ja viel vorwerfen. Dass sie den Straßenverkehr zu einem anarchistischen Spiel ohne jede Regel gestalten, etwa. Oder das sie in vollem Galopp mit der Schulter voran eine Menschengruppe zersprengen, um sich mit einem alles entschuldigenden „pardon“ aus dem Staub zu machen. Und dass sie mitunter so tun, als sprächen sie keinen Brocken Englisch. Eins, ja eins kann man ihnen nicht vorwerfen: Sie würden nicht zuhören.

Die Partie Deutschland gegen Polen im französischen Nationalstadium Stade de France bot am Donnerstagabend zwar Defensivreihen auf höchstem Niveau an, ansonsten beschreibt der Euphemismus „höhepunktarm“ das Spiel wohl am treffendsten. Die EM hat endlich ein 0:0. Deutschland muss gegen Nordirland gewinnen. Joachim Löw hatte, wie auf der Pressekonferenz tags zuvor angekündigt, etwas Dunkles gegen Schweißflecken an und griff sich, ebenfalls wie angekündigt, nicht in den Schritt.

Das schönste Resümee des Spieltags ist, neben der Feststellung „noch hat Polen nicht verloren“, allerdings, dass die Risikopartie der höchsten Kategorie (3) fast absolut friedlich verlaufen ist. Ja, die Polen zündeten einen Feuerwerkskörper, und ja, ein Kanonenschlag aus der gleichen Ecke hat den Autor fast sieben Monate nach den Terrorangriffen von Paris unwillkürlich zucken lassen.

Reaktionen zum Spiel

Joachim Löw

„Insgesamt ist das Unentschieden vollkommen gerecht. In der Defensive haben wir gut gespielt, kaum Chancen zugelassen. Im Spiel nach vorn haben wir nur wenige Lösungen gefunden. Wir müssen jetzt mal mit dem einen Punkt leben. Die Einstellung hat schon gestimmt. Aber wir haben zu wenig Lösungen gehabt, uns durchzukombinieren. Polen hat das gut gemacht, unsere Spieler gut zugestellt, wir hatten wenig Raum. Wir werden uns qualifizieren und das erreichen, was wir wollen. In der Gruppenphase ist es ein Abnutzungskampf. In der K.o.-Phase wird es wahrscheinlich auch ein bisschen offener.“

Quelle: dpa

Jérôme Boateng

„Wir können froh sein, dass wir 0:0 gespielt haben. Wir haben kein Eins-zu-Eins-Duell in der Offensive gewonnen. Wir haben uns als Mannschaft gut defensiv verhalten, besser als gegen die Ukraine. Aber offensiv hat viel gefehlt.“

Toni Kroos

„Es hat einfach ein bisschen was gefehlt, die Bälle waren zu einfach weg. Wir haben defensiv ordentlich gespielt, die Polen hatten vielleicht eine große Chance. Aber vorn fehlte einfach was. Wir müssen jetzt das letzte Gruppenspiel gewinnen und als Erster durchkommen. Dann sehen wir weiter.“

Mats Hummels

„Wir haben es nicht geschafft, das Spiel zu kontrollieren, was eigentlich unsere Stärke ist. Die Polen haben uns öfter in schwierige Situationen gebracht. In der zweiten Halbzeit hatten wir schon einen Haufen Glück. In einigen Momenten hat nach vorn ein bisschen die Präzision gefehlt. Wenn es ein Risiko bei mir gegeben hätte, dann hätte ich nicht gespielt. Ich habe jetzt nicht so viel trainiert. Ich bin sehr froh, dass ich spielen durfte. In den letzten Minuten hat ein bisschen die Kraft gefehlt, auch ein bisschen der Rhythmus.“

Robert Lewandowski

„Deutschland hat super gespielt, aber wir hatten auch klare Torchancen. In der Gruppenphase ist wichtig, dass wir beide weiterkommen. Wir schauen, was danach passiert.“

Jakub „Kuba“ Blaszczykowski

„Wir haben gut gespielt. Deutschland hat das Spiel kontrolliert, aber wir hatten die klareren Möglichkeiten. Wir haben aber noch nichts erreicht.“

Reinhard Grindel

„Defensiv haben wir sehr gut gestanden und bis auf eine Szene nichts zu gelassen. Vorne haben wir die Konsequenz vermissen lassen.“

Und ja, am Pariser Nordbahnhof ließen sich die, nach der Kluft zu urteilen, selben Krawallidioten nieder, die am Sonntag schon „Fang den Ukrainer“ gespielt hatten. Das Wichtigste jedoch: Bis zum frühen Freitagmorgen war von Hooligan-Kämpfen weit und breit nichts zu sehen.

Das, und hier kommen wir zum eingänglichen Zuhören zurück, ist der Vorgehensweise der französischen Behörden zu verdanken. Denn Paris ist für die Polizei quasi ein Heimspiel, egal ob Demonstranten, Aufrührer oder randalierende Fans – die gut gerüstete Eingreiftruppe der Polizei zeigt wahrscheinlich jedem Angreifer die Grenzen auf.

Die Grenzen waren für einige deutsche Mitreisende relativ schnell erreicht, nämlich am Gare du Nord. Während draußen ein Platzregen die Menschen, die die Polizei nicht zurück in die Bars getrieben hatte, zur Einkehr zwingt, wird der Vorplatz ein wenig gefegt. Ob hier nur maßlos gesoffen wurde oder wieder Dosen geflogen sind, lässt sich da nicht mehr beurteilen.

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