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10.06.2016

05:00 Uhr

Saar-Innenminister Bouillon

Sicherheitsschleusen gegen Angst vor EM-Anschlägen

VonDietmar Neuerer

Die EM-Fans könnten auch beim Public Viewing darauf vertrauen, dass ihnen ein Höchstmaß an Sicherheit geboten werde, verspricht der Bundesinnenminister. Sein Ressort-Kollege aus dem Saarland weiß, wie das gelingen kann.

Fußballfans bejubeln die deutsche Nationalmannschaft auf dem Fanfest in der Innenstadt von Frankfurt am Main (Archivbild: 07.07.2010). Public Viewing - Terrorgefahr vorhanden, aber keine konkreten Hinweise. dpa

Fans in Frankfurt.

Fußballfans bejubeln die deutsche Nationalmannschaft auf dem Fanfest in der Innenstadt von Frankfurt am Main (Archivbild: 07.07.2010). Public Viewing - Terrorgefahr vorhanden, aber keine konkreten Hinweise.

BerlinDer Vorsitzende der Innenministerkonferenz der Länder, Klaus Bouillon, hat sich für den Einsatz von Sicherheitsschleusen bei Public-Viewing-Veranstaltungen während der Fußball-Europameisterschaft ausgesprochen. Der CDU-Politiker begründete dies mit der „anhaltend latent hohen Gefahr eines terroristischen Anschlags in Europa und somit auch in Deutschland“.

Seitens der Polizei werde es daher „als erforderlich angesehen, sowohl die Veranstalter als auch die Mitarbeiter der Sicherheits- und Ordnungsdienste der Public-Viewing-Veranstaltungen im Rahmen von gemeinsamen Sicherheitsbesprechungen zu sensibilisieren und anzuhalten, diese Kontrollen besonders gründlich durchzuführen“, sagte Bouillon dem Handelsblatt.

Der Innenminister wies auf die guten Erfahrungen mit dieser Sicherheitsmaßnahme hin. „Seit dem Beginn von öffentlichen Liveübertragungen von Sportereignissen auf Videowänden anlässlich der Fußballweltmeisterschaft 2006 hat sich die Einrichtung sogenannter Sicherheitsschleusen an Eingängen zu Public-Viewing-Veranstaltungen bewährt“, sagte er. „Aufgrund sorgfältig durchgeführter Personenkontrollen sollten somit so gut wie keine gefährlichen Gegenstände auf das Veranstaltungsgelände gelangen, was meist entscheidend zu einem friedlichen Verlauf der Veranstaltung beiträgt.“

Islamistischer Terror in Europa

Seit dem 11. September 2001

Seit den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 gab es auch in Europa eine Reihe islamistischer Attentate. Manche Pläne konnten gerade noch vereitelt werden. Beispiele:

März 2004

Bei Sprengstoffanschlägen auf Pendlerzüge in Madrid sterben 191 Menschen, etwa 1500 werden verletzt.

2. November 2004

Der Filmregisseur, Publizist und Satiriker Theo van Gogh wird in Amsterdam auf offener Straße ermordet.

Juli 2005

Vier Muslime mit britischem Pass zünden in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

Juli 2006

Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Zügen Bomben gefunden, die wegen eines technischen Fehlers nicht explodierten. Der „Kofferbomber von Köln“ wird zu lebenslanger Haft erurteilt.

Januar 2010

Gut vier Jahre nach der Veröffentlichung seiner Mohammed-Karikaturen in der Zeitung „Jyllands-Posten“ entkommt der dänische Zeichner Kurt Westergaard nur knapp einem Attentat.

9. März 2010

Selbstmordanschläge auf die Moskauer Metro mit 40 Toten und 84 Verletzten. Der tschetschenische Terrorist Doku Umarow bekennt sich.

Dezember 2010

Bei einem Sprengstoffanschlag in der Stockholmer Fußgängerzone stirbt der Attentäter. Hintergrund war vermutlich der Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan.

März 2011

Ein Kosovo-Albaner erschießt am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer.

Januar 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem internationalen Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Die Ermittler machen Islamisten aus dem Nordkaukasus verantwortlich.

Dezember 2013

Bei Selbstmordanschlägen in der russischen Stadt Wolgograd sterben 34 Menschen im Bahnhof und in einem Bus. Islamisten aus dem Nordkaukasus bekennen sich zu den Attentaten.

Mai 2014

Im Jüdischen Museum in Brüssel erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird der Mann festgenommen.

7. Januar 2015

Mordanschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris. Zwölf Menschen fallen dem Anschlag zum Opfer.

13. November 2015

Bei mehreren Sprengstoffexplosionen im Pariser Stadtgebiet sterben 130 Menschen. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat bekennt sich zu dem Anschlag.

Im Saarland befinden sich nach Angaben von Bouillon an den Eingängen zu Public-Viewing-Veranstaltungen „je nach Zuschaueraufkommen entsprechende Vereinzelungsanlagen, um die Besucher zu kanalisieren und so eine Personenkontrolle jedes einzelnen zu gewährleisten“. Der Sicherheits- und Ordnungsdienst führe die Zugangskontrollen durch und versuche sicherzustellen, dass Besucher keine gefährlichen Gegenstände wie zum Beispiel Waffen, Gassprühdosen, Flaschen, pyrotechnische Gegenstände mit sich führen, erläuterte der Minister.

Das Turnier geht am heutigen Freitag in Frankreich an den Start. Bis 10. Juli werden in zehn Stadien 51 Partien gespielt. Die Angst vor Terrorattacken wirkt sich indessen auch auf die Partykultur der Fußball-Fans in Deutschland zur EM aus. Knapp ein Drittel (30 Prozent) der an Fußball interessierten Erwachsenen wird aus Furcht vor Anschlägen öffentliche Plätze meiden und die Spiele nicht auf Großleinwänden verfolgen.

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