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10.06.2016

09:07 Uhr

Teamcheck – Gruppe F

Portugal zwischen k.u.k. und Walfangnation 

VonAlexander Möthe

Dass die EM-Gruppe F ausgerechnet mit Österreich und Ungarn beginnt, darf man augenzwinkernd sehen. Faktisch gilt die Alpenrepublik als heißester Anwärter auf Platz zwei hinter Portugal. Doch man hüte sich vor Island.

Auch beim Training im Vorfeld wurde kein Meter verschenkt – hier ringen Marko Arnautovic (l.) und Bayern-Profi David Alaba um den Ball. dpa

Arnautovic und Alaba

Auch beim Training im Vorfeld wurde kein Meter verschenkt – hier ringen Marko Arnautovic (l.) und Bayern-Profi David Alaba um den Ball.

Paris„Bei der Fußball-WM habe ich mir Österreich gegen Kamerun angeschaut. Auf der einen Seite Exoten, fremde Kultur, wilde Riten - und auf der anderen Seite Kamerun.“ Dieses Zitat von Dieter Nuhr gibt ganz gut das gängige Bild vom österreichischen Fußball wider. Die einstmalige kaiserliche Monarchie hat den Weg in den Mannschaftssport nie so wirklich gefunden. Tatsächlich war Österreich über Jahrzehnte ein Synonym für: Punktelieferant.

1954, ja, da war man WM-Dritter in der Schweiz. Dann gab es 1978 die „Schmach von Cordoba“, in Österreich folgerichtig das „Wunder von Cordoba“ genannt. Hans Krankl schoss dabei immerhin das DFB-Team aus dem Turnier, was die Österreicher aber auch nicht weiterbrachte. Es folgten fußballerische Leuchttürme wie Toni Polster und Andi Herzog, die allein das rot-weiß-rote Banner hochhalten mussten, aber auch nicht ausreichten, um ein schlagkräftiges Team zu formen.

Bei der Heim-EM 2008 scheiterte das hochgelobte ÖFB-Team an sich selbst, in der Folge drohte der Sturz zurück in die Belanglosigkeit. Dreimal hintereinander wurde die WM-Qualifikation verpasst.

Ausgerechnet ein Schweizer sorgt aber seit 2011 dafür, dass es für die Mannschaft Stück für Stück nach vorne geht. Marcel Koller leistet akribische Aufbau- und Entwicklungsarbeit. Und das bei einer Liga, die international nicht im Ansatz konkurrenzfähig ist.

Gruppe F: Österreich

Gesamtkaderwert

128,35 Millionen Euro.

Quelle: transfermarkt.de

Die wertvollsten Spieler

David Alaba (45, Verteidigung, FC Bayern München): 45 Millionen Euro.

Aleksandar Dragovic (25, Verteidigung, Dynamo Kiew): 13 Millionen Euro.

Martin Hinteregger (23, Verteidiger, Borussia Mönchengladbach): 9 Millionen Euro.

FIFA-Weltrangliste

34. Platz

Größte Erfolge

WM-Dritter 1954

Bilanz gegen Deutschland

39 Spiele – 8 Siege, 6 Remis, 25 Niederlagen, 55:89 Tore.

Das liegt auch daran, dass österreichische Fußballer inzwischen ein Exportschlager sind, gerade in Deutschland stehen sie hoch im Kurs. 16 der 23 Spieler bei der EM spielen in der 1. und 2.  Bundesliga, darunter Martin Harnik, Zlatko Junuzović, Julian Baumgartlinger und natürlich David Alaba. Auch Torwart Robert Almer, der als einziger Spieler in der Heimat bei Austria Wien verdient, war mal in Deutschland.

Hinzu kommen einige illustre Namen aus der Premier League: Kapitän Christian Fuchs ist soeben mit Leicester City sensationell Meister geworden. Kevin Wimmer spielt kommende Saison mit Tottenham Champions League. Und Skandalnudel Marko Arnautović hat sich bei Stoke City zum gestandenen Spieler gemausert, ist Dreh- und Angelpunkt des österreichischen Offensivspiels. Koller konnte es sich sogar leisten, den zuletzt formstarken Michael Gegoritsch vom Hamburger SV zuhause zu lassen.

Dem hochtalentierten Team gelang die erste sportliche Qualifikation zu einer  EM-Endrunde überhaupt. Neun Spiele von zehn Partien wurden gewonnen, nur das Auftaktmatch gegen Schweden wurde ein Unentschieden. Russland wurde in der Gruppe mit acht Punkten Rückstand zweiter. Zwischenzeitlich wurde Österreich in der Weltrangliste auf Platz zehn geführt.

Klar ist: Die Alpenrepublik kann nur liefern, wenn ihre erste Elf fit ist. Weltstar Alaba überstrahlt mit seinem Ausnahmekönnen die sehr soliden Arbeiter in der Abwehr. Die Offensive um Arnautović weiß zu wirbeln. Fällt aber auch nur ein Schlüsselspieler aus, hat der Kader nicht die Tiefe, dies gleichwertig zu ersetzen.

Fazit: Bleiben alle fit, ist mit den von Marcel Koller gut eingestellten Österreichern sehr zu rechnen. Nur müssen sie erstmals beweisen, dass sie auch mit dem Druck in einem Turnier richtig umgehen können. Da fehlt schlicht die Erfahrung. Und die Gegner in der Gruppe sind, und das ist ernst gemeint, nicht von Pappe.

Prognose: Bleiben alle fit, geht das Team so schwungvoll ins Turnier, dass auch die im Turnier stets schwerfälligen Portugiesen kein Land sehen. Gruppensieg, Viertelfinale, Feierabend.

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