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23.02.2014

16:51 Uhr

Ende eines Olympia-Märchens

Deutscher Sport steht vor einem Berg von Problemen

Trotz aller Kritik feiert Russland Olympia in Sotschi als Erfolg. Diesen Luxus kann sich das deutsche Olympia-Team nicht erlauben: Das Medaillen-Debakel hat eine Debatte um die Sportförderung entfacht.

Die Mitglieder von Pussy Riot in Sotschi: Proteste und Kritik aus Russland gab es – doch der Kreml ignorierte dies oder ging dagegen vor. ap

Die Mitglieder von Pussy Riot in Sotschi: Proteste und Kritik aus Russland gab es – doch der Kreml ignorierte dies oder ging dagegen vor.

Sotschi/Düsseldorf„Russland - groß, neu, offen“ prangt in Sotschi als Slogan in riesigen Lettern im Olympia-Park. Bei der Wintershow unter Palmen präsentierte Präsident Wladimir Putin sein immer wieder kritisiertes Land als moderne Großmacht. Doch in dem Kurort am Schwarzen Meer fehlte echter Glanz: Demonstrativ verweigerten Staatenlenker wie US-Präsident Barack Obama oder Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Reise zu „Putins Spielen“. Das gastgebende Land steht wegen Menschenrechtsverletzungen in der Kritik – auch während des Ringe-Spektakels. Kreml- und Olympia-Gegner wurden festgenommen. Nichts sollte „Putins Spiele“ beschmutzen.

Der Kremlchef wird sogar bald Merkel und Obama Russlands neue Modellstadt in den Subtropen vorführen können. Im Juni stehen Gipfel der EU und der G8-Staaten in Sotschi an. „Dann wird es die Bilder geben, die Putin zu gerne schon jetzt gesehen hätte: Die Mächtigen der Welt kommen nach Russland - und der Präsident begrüßt sie als gleichberechtigter Gastgeber“, meint der Politologe Nikolai Petrow vom Moskauer Carnegie-Zentrum. Das Familienfoto mit den Chefs der freien Welt sei für Putin eine „lukrative Dividende“ der Rekordausgaben von 37,5 Milliarden Euro, sagt Petrow dem Radiosender Echo Moskwy.

Putin selbst machte sich in der zweiten und für die Russen weniger erfolgreichen Medaillen-Woche rarer als an den ersten Tagen der Winterspiele. Noch am Anfang lag er in Eispalästen als „Edel-Fan“ und Dauergast in den Armen von Eiskunstlauf-Goldgewinner Jewgeni Pluschenko, bei den Eishockeyprofis um NHL-Star Alexander Owetschkin, an der Loipe bei den russischen Biathlon-Hoffnungen.

Das deutsche Team in Daten

7. Februar 2014

Eröffnungsfeier in Sotschi - und gleichzeitig der Geburtstag des Ski-Freestylers Thomas Fischer.

152

Zahl der deutschen Starter, davon 77 Frauen und 75 Männer.

31. Dezember 1998

Geburtstag der jüngsten deutschen Olympia-Teilnehmerin Gianina Ernst (Skispringen).

10. April 1964

Geburtstag des ältesten deutschen Olympioniken John „Johnny“ Jahr (Curling) - mit 48 Jahren ist er Olympia-Debütant.

1,52 Meter

Körpergröße von Eiskunstlauf-Hoffnung Aljona Savchenko. Sie ist damit die kleinste deutsche Olympionikin.

1,98 Meter

Körpergröße der Bob-Anschieber Marko Hübenbecker und Jannis Bäcker.

43 Kilogramm

Gewicht der leichtesten deutschen Athletin, Shorttrack-Starterin Anna Seidel.

116 Kilogramm

Bob-Anschieber Hübenbecker ist nicht nur der größte, sondern auch der schwerste deutsche Olympia-Starter.

Der ehemalige Geheimdienstchef gab sich locker wie selten. Mit Österreichern sang er Lieder, mit Schweizern stieß er mit Rotwein an, mit Amerikanern frotzelte er über den Medaillenspiegel. Doch die hartnäckigen Berichte über Korruption, sklavenähnliche Ausbeutung von Gastarbeitern, Terrorgefahr und zerstörte Natur bei Olympia, die auch viele Russen erzürnen, konnte Putin nicht weglächeln. Mit dem Präsidenten an vorderster Stelle waren die Spiele hochpolitisch.

Viele Russen hatten kurz vor dem Schlussakt die wochenlange Sotschi-Berieselung durch die Staatsmedien satt. So antworten in einer Umfrage der Agentur Ria Nowosti auf die Frage „Was erwarten Sie von den Olympischen Spielen?“ 32 Prozent: „Ein würdiges Auftreten der russischen Mannschaft.“ Gleich danach kommt mit 23 Prozent die Antwort: „Dass sie bald zu Ende gehen.“

„Olympia ist Putins Lieblingsmärchen fürs Volk“, schreibt die kremlkritische Zeitung „Nowaja Gaseta“. Eigentlich sollte der Präsident jeden Satz über die Winterspiele mit der Floskel „Es war einmal in Sotschi“ beginnen, schlägt das Blatt vor.

51 Milliarden Dollar für den olympischen Vergnügungspark und spektakuläre Bilder, die weltweite Rekordquoten im TV und in der digitalen Welt einbrachten: Viele Russen sind der Überzeugung, der eigentliche Zweck der Spiele sei gewesen, die Reichen noch reicher zu machen. Die russischen Bürger müssen dagegen mit Kürzungen der ohnehin geringen Sozialleistungen rechnen. Auch das ist Nachhaltigkeit genauso wie die Weiternutzung des Olympia-Parks, in dem bis 2020 die Formel 1 und 2018 die Fußball-WM gastieren.

Kommentare (10)

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Notar

24.02.2014, 10:49 Uhr

Zitat : Deutscher Sport steht vor einem Berg von Problemen

[...]

Vor einem Berg von Problemen steht der Mainstream und die Deutsche Politik ! Diese Institutionen haben die ganze Zeit ihr Augenmerk auf Diskreditierung der Olympischen Spiele gelegt, anstatt sich mit dem "Sportlichen" auseinanderzusetzen !

Jetzt können sie anfangen, die Wunden zu lecken !

Armselige Vorstellung rundum !

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

24.02.2014, 10:49 Uhr

Das Ergebnis für europäische Patrioten. Jeweils (Gold / Silber / Bronze = Gesamt):

1. EU 28 (37 / 48 / 50 = 135)

2. Russland (13 / 11 / 9 = 33)

3. Norwegen (11 / 5 / 10 = 33)

4. Kanada (10 / 10 / 5 = 25)

5. USA (9 / 7 / 12 = 28)

6. Schweiz ( 6 / 3 / 2 = 11)

7. Weißrussland (5 / 0 / 1 = 6)

8. China (3 / 4 / 2 = 9)

9. Südkorea (3 / 3 / 2 = 8)

10. Japan (1/ 4 / 3 = 8)

11. Ukraine (1 / 0 / 1 = 2)

12. Australien (0 / 2 / 1 = 3)

13. Kasachstan (0 / 0 / 1 = 1)


Von den 295 Medaillen gehen 135 Medaillen also fast die 1/2 an die EU. Schade, dass wir so wenig stolz sind auf dieses exzellente gesamteuropäische Ergebnis, sondern nur in den nationalen Ergebnissen rummeiern.

Egal wo in Europa - National Europäer kommt endlich aus euren Löchern heraus. Die Vereinigten Staaten von Europa. Ein globales Powerhouse, dass die Welt dominieren wird. So einfach ist das. Over and out !

Hoch lebe das vereinigte Europa. Viva Europa !

Account gelöscht!

24.02.2014, 10:52 Uhr

Die Kritik an Rußland kam allenfalls von Deutschland. Ansonsten war alles was Rang und Namen hat in Sotchi vertreten.
Lediglich unser Präsident hat sich aufgrund seiner Affenliebe zu seinen Spionage-USA nicht auf dem Weg nach Rußland gemacht. Aber wen wundert das, bei einem Pfarrer, der für mehr Kriegseinsätze Deutschlands wirbt?

Deutschland hat sich aus lauter Dummheit in Rußland völlig isoliert und setzt stattdessen auf seinen Ausspionierfreund USA.

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