Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.05.2012

17:38 Uhr

Exklusiv-Umfrage

Niemand traut den Fußballverbänden

VonStefan Merx, Frederic Spohr

ExklusivUnsaubere Machenschaften und Korruptionsmief schaden dem Bild der Sportverbände in der Öffentlichkeit. Das zeigt eine repräsentative Umfrage für das Handelsblatt. Stark lädiert ist das Image der Fifa.

FIFA-Präsident Joseph Blatter (m) im Gespräch mit seinen Kollegen vom afrikanischen Fußballverband, Issa Hayatou (l) und UEFA-Präsident Michel Platini beim jüngsten Fifa-Kongress in Budapest. dapd

FIFA-Präsident Joseph Blatter (m) im Gespräch mit seinen Kollegen vom afrikanischen Fußballverband, Issa Hayatou (l) und UEFA-Präsident Michel Platini beim jüngsten Fifa-Kongress in Budapest.

KölnJoseph Blatter verbreitete Aufbruchstimmung: „Es geht darum, dass wir unsere Probleme lösen. Das schaffen wir nur zusammen. Blicken wir nach vorn in eine schöne und bessere Zukunft“, sagte er vergangene Woche beim Kongress des Weltfußballverbands Fifa in Budapest. Schmiergeldaffären innerhalb seiner Organisation hatten den Präsidenten 2011 in Erklärungsnot gebracht. Blatter gelobte Besserung. In Budapest stimmten die Fifa-Delegierten mit 192 Ja- und nur sieben Nein-Stimmen seinen Reformen zur Selbstreinigung zu.

Ob die Beschlüsse Früchte tragen, bleibt abzuwarten. Fest steht: Das Image der Fifa hat deutliche Kratzer bekommen. Nur sieben Prozent der Deutschen halten die Funktionäre des Verbandes für unbestechlich, mehr als jeder Zweite vermutet in der Fifa unsaubere Machenschaften. Das ergab eine aktuelle Repräsentativerhebung des Meinungsforschungsinstituts Yougov für das „Handelsblatt“.

Investitionsübersicht: Was die EM die Ausrichter kostet.

Investitionsübersicht: Was die EM die Ausrichter kostet.

Allerdings: Der europäische Fußballverband Uefa und das Internationale Olympische Komitee (IOC) schneiden in der Studie kaum besser ab. Nur neun Prozent der Befragten glauben, dass sich Uefa-Funktionäre nicht kaufen lassen, gerade mal zehn Prozent vertrauen in dieser Hinsicht dem IOC.

Nationale Sportverbände haben einen etwas besseren Ruf: Immerhin 19 Prozent der Deutschen vermuten, dass die Offiziellen im Deutschen Fußball-Bund (DFB) und im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) unbestechlich sind.

EM-Gastgeber & Bilanzen

1960

Gastgeber war Frankreich. Vier Teams spielten in nur vier Partien die Endrunde aus, die damals ab dem Halbfinale im K.O.-Modus gespielt wurden. Die Runden davor waren Hin- und Rückspiel wie heutzutage in der Qualifikation. Es fielen 17 Tore, was einem Schnitt von 4,25 pro Spiel entspricht. Gesehen wurden die Partien von insgesamt 78.958 Zuschauern (19.740 pro Spiel).

1964

Gastgeberland war Spanien, wieder trafen vier Teams in insgesamt vier Spielen bei der Endrunde aufeinander. Es fielen 13 Tore (3,25 im Schnitt). Der Zuschauerzuspruch lag bei insgesamt 156.253 (39.063 Im Durchschnitt).

1968

Bei der Europameisterschaft 1968 in Italien waren erneut vier Mannschaften in der Endrunde, diesmal wurden allerdings fünf Spiele benötigt: Das Finale musste wiederholt werden, nachdem die Verlängerung keine Entscheidung gebracht hatte. Elfmeterschießen gab es damals noch nicht. Es fielen nur sieben Treffer, was einem Schnitt von 1,40 entspricht. 192.119 Zuschauer fanden sich insgesamt ein (38.424 pro Partie).

1972

In Belgien trafen wiederum vier Teams in vier Spielen aufeinander. Zehn Tore wurden erzielt (2,50 im Durchschnitt). Der Zuschauerzuspruch blieb mit insgesamt 106.510 (26.628 im Schnitt) deutlich hinter denen der vorigen Turniere zurück.

1976

In Jugoslawien trafen letztmalig nur vier Mannschaften in vier Spielen aufeinander (Halbfinale, Finale, Spiel um Platz drei). Es fielen 19 Tore, was einem Schnitt von 4,75 pro Partie entspricht - bis heute Rekordwert. Mit 106.087 Zuschauern insgesamt (durchschnittlich 26.522) wurde die Bilanz des vorigen Turniers noch einmal unterboten.

1980

Erstmals nahmen 1980 in Italien acht Mannschaften an der Endrunde teil. Die Gruppensieger zogen direkt ins Finale, die Zweitplatzierten spielten Rang drei aus - so kam das Turnier auf 14 Partien. 27 Tore wurden geschossen, 193 im Schnitt. Der Zuschauerzuspruch sank im Schnitt auf 25.047, insgesamt guckten 350.655 Menschen in den Stadien zu.

1984

Das Turnier fand in Frankreich statt. Acht Mannschaften trugen 15 Spiele aus, die Gruppenersten und -zweiten kamen ins Halbfinale, die Sieger trugen wiederum das Finale aus. 41 Tore fielen, 2,73 pro Spiel. Zuschauermenge und -durchschnitt stiegen auf 599.655 bzw. 39.977.

1988

1988 war Deutschland Gastgeber. Wieder waren es acht Teilnehmer und 15 Spiele. 34 Tore wurden gemacht (2,27 im Durchschnitt). Die Gesamtzuschauerzahl stieg auf 935.681, der Schnitt von 62.379 Besuchern pro Spiel ist bis heute eine unerreichte Bestmarke.

Ein Ruhmesblatt ist das dennoch nicht: „Keiner der Verbände hat ein sehr gutes Image“, sagt Yougov-Vorstand Holger Geißler. „Wenn es zu Unregelmäßigkeiten kommt, bleibt das lange in den Köpfen hängen.“ So habe die Negativberichterstattung nach der umstrittenen Doppelvergabe der Fußballweltmeisterschaften nach Russland (2018) und Katar (2022) den Ruf der Verbände nachhaltig beschädigt. Auch wenn hier die Fifa verantwortlich war: Die anderen Topverbände litten ebenfalls. „Eine schlechte Reputation eines internationalen Sportverbandes strahlt negativ auf die anderen ab“, sagt Geißler.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×