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29.06.2011

13:39 Uhr

Fankultur bei der Frauen-WM

Die traurige Seite der Euphorie

VonPatrick Kleinmann

Die Stadien sind überraschend gut gefüllt, die Stimmung wird von Spielerinnen und Funktionären gelobt – und doch fühlt sich diese Frauenfußball-WM nicht so an, wie sich eine Fußball-WM anfühlen sollte.

Die Spielerinnen der US-Nationalmannschaft jubeln nach dem Spiel vor der Fankurve - wo mehr deutsche denn amerikanische Fahnen und Fan-Devotionalien zu sehen sind. Quelle: dapd

Die Spielerinnen der US-Nationalmannschaft jubeln nach dem Spiel vor der Fankurve - wo mehr deutsche denn amerikanische Fahnen und Fan-Devotionalien zu sehen sind.

Es war bezeichnend für die Erwartungshaltung des Dresdner Publikums: Vor Anpfiff der hochbrisanten Partie zwischen den USA und Nordkorea erhielten bei der Präsentation des Stadionsprechers nicht etwa die beiden Mannschaften den größten Applaus, sondern die Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus und ihre Assistentinnen aus Deutschland.

Ein für die Atmosphäre der ersten Tage dieser Weltmeisterschaft sinnbildliches Phänomen: Die Endrunde ist für viele Fans offenbar kein sportliches Großereignis, sondern eine Veranstaltung, für die am besten das in den letzten Jahren so gerne benutzte Wort Event passt. Beim Stadionbesuch geht es darum, möglichst gut unterhalten zu werden, größtenteils unabhängig davon, was auf dem Platz passiert oder wer gerade spielt.

Wenn die USA auf Nordkorea treffen, sollte es eigentlich leicht fallen zwischen zwei so gegensätzlichen Teams und Philosophien seinen Favoriten zu wählen - wenn man denn möchte. Tatsächlich ist das im Stadion am häufigsten getragene Trikot das der deutschen Männer-Nationalmannschaft, die Besucher, die Farbe bekennen, tragen schwarz-rot-goldene Schminke, die deutsche Unparteiische Bibiana Steinhaus bekommt bei einem Pfiff Szenenapplaus.

Unabhängig vom Spielstand werden plötzlich stakkatoartige Klatschrhythmen gestartet, die das ganze Stadion erfassen und wieder abebben, ohne dass ein Anfeuerungsruf oder sonst eine Aktion folgt. Gelungene Einwürfe werden eifrig beklatscht, dann herrscht wieder Stille wie bei einem Tennis-Ballwechsel.

Kommentare (1)

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29.06.2011, 15:29 Uhr

Das war doch von vorneherein schon klar und ist auch logisch! Ich kann mich da nur wiederholen: Zu viel Aufsehens von medialer Seite. "Man(n)" möchte die Öffentlichkeit Glaubens machen, dass die Euphorie die selbige sei, wie bei einer Männer-WM. Meine Kids wollen weder Panini-Bilder, noch Trikots von den Mädels. Autokorsos wird es wohl auch kaum geben. Alles scheint verzwungen und aufgesetzt. Tradition und Heldenmythos anno Bern 54 gibt es aber nunmal nur bei den Herren der Schöpfung! Auch wenn das in Deutschland zwanghaft forcierte, schon abstruse Gendering es gerne anderst darstellen möchte!

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