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08.07.2011

09:16 Uhr

Frauen-WM

Deutschland schaut zu, die Welt schaut weg

Ausverkaufte Stadien, sensationelle Einschaltquoten: Die Frauen-WM kommt in Deutschland trotz aller Bedenken und Diskussionen an. Außerhalb des Gastgeberlandes ist die Resonanz geringer - wegen Robinho und den Yankees.

Seltenes Bild: Eine leere Tribüne bei der Frauen-WM Quelle: dpa

Seltenes Bild: Eine leere Tribüne bei der Frauen-WM

FrankfurtDeutschland feiert die Weltmeisterschaft - aber der Rest der Sportwelt bekommt von der Party wenig mit. Selbst im Land des Olympiasiegers findet das Endrundenturnier kaum Anklang: Zwar räumen Fernsehsender und Zeitungen in den USA dem amerikanischen Team Platz ein und der Sportkanal ESPN zeigt sogar alle Spiele live. Doch von großem Interesse oder gar Begeisterung kann keine Rede sein.  

Die laufende Baseball-Saison interessiert natürlich mehr. Außerdem zeigen sich die Amerikaner gegenüber Frauensportarten generell sehr zurückhaltend. Experten erwarten auch nicht, dass die US-Girls bei einem erfolgreichen Turnierverlauf jemals an die Begeisterung der Heim-WM von 1999 anknüpfen können: damals sahen über 90.000 Zuschauer in Pasadena den 5:4-Triumph im Elfmeterschießen gegen China - Weltrekord. Und rund 40 Millionen saßen vor den Fernsehern - mehr als beim Basketball oder Eishockey in manchen Jahren. Dabei gibt es nach Angaben des Dachverbandes USFF rund fünf Millionen Fußballerinnen in den USA. Doch auf das Publikum springt der Funke nicht über.  

Fakten zur WM: Wissenswert

Erst die sechste WM

2011 erlebt die Fifa Frauen-Weltmeisterschaft ihre sechste Auflage. Mit Deutschland wird die Weltmeisterschaft nach 1995 in Schweden erst zum zweiten Mal in Europa ausgetragen. Die USA und die VR China sind die beiden anderen Gastgeber, die das Turnier je zweimal ausgerichtet haben.

Quelle: Fifa

Exklusiver Weltmeister-Kreis

Bei der WM 2011 wird es wahrscheinlich zu einem weiteren Gigantentreffen kommen: Nachdem die USA 1991 und 1999 (als bislang einzige vor heimischem Publikum) gewonnen haben, war zuletzt zweimal Deutschland siegreich. Norwegen vermochte 1995 als einziges Team in die Phalanx der beiden einzudringen.

Acht sind immer dabei

Acht Teams waren bei allen WM-Endrunden dabei: Brasilien, die VR China, Deutschland, Japan, Nigeria, Norwegen, Schweden und die USA. Von diesen Teams ist 2011 in Deutschland einzig die VR China nicht dabei. Brasilien, die China und Schweden sind die einzigen Verbände, die neben den drei Weltmeistern Deutschland, USA und Norwegen das Finale erreicht haben.

Immer mehr Stadien

2011 wird in Deutschland in neun und damit in so vielen Stadien wie nie zuvor bei einer Fifa Frauen-Weltmeisterschaft gespielt. 1999 in den USA waren es acht Stadien gewesen.

Ein Fußballspiel dauert 80 Minuten?

1991 dauerte ein Spiel 80 Minuten (zweimal 40 Minuten). Die Frauen bewiesen in der Folge jedoch, dass sie konditionell mit den Männern mithalten konnten, weshalb 1995 90 Minuten (zweimal 45 Minuten) gespielt wurde.

Mögliche Premiere

Obwohl die beiden vier von fünf Weltmeisterschaften gewonnen haben, sind Deutschland und die USA noch nie in einem WM-Finale aufeinandergetroffen.

Zuschauermagnet

Zum Finale der Fifa Frauen-Weltmeisterschaft 1999 strömten 90 185 Zuschauer – so viele wie bei keinem anderen Spiel der Frauen – und wurden in der Rose Bowl in Los Angeles Zeuge eines Heimsiegs der USA gegen die VR China.

Immer 2:0

2:0 ist das häufigste Ergebnis (14,2 % der Spiele) bei der Fifa Frauen-Weltmeisterschaft, dicht gefolgt von 3:0 und 1:0 (jeweils 11,5 %). Bei der Weltmeisterschaft der Männer enden die meisten Spiele 1:0 (18,8 %), gefolgt von 2:1 (14,5 %) und 2:0 (11 %).

Besser durch weniger Tore

Nach 3,8 Treffern pro Spiel bei den ersten drei Ausgaben der Fifa Frauen-Weltmeisterschaft waren es bei den letzten beiden Turnieren nur noch 3,4, was für die kontinuierliche Entwicklung des Frauenfußballs spricht.

Computer kennen keine Heirat

Der Frauenfußball hat seine ganz besonderen administrativen Tücken. 2007 war es der Fifa etwa entgangen, dass die amerikanische Verteidigerin Cat Reddick geheiratet hatte und neu Whitehill hieß. Cat wurde daher doppelt in der FIFA-Datenbank geführt, was hinter den Kulissen für einige Verwirrung sorgte.

Wenig Gelb, kaum Rot

Bei den Frauen gibt es weniger Karten als bei den Männern. 2007 gab es pro Spiel im Schnitt 2,41Verwarnungen und 0,06 Feldverweise, im Vergleich mit 3,83 und 0,27 bei der Männer-WM 2010.

Frauen haben mehr Köpfchen

Bei den letzten beiden Weltmeisterschaften haben die Frauen mehr Kopfballtore erzielt als die Männer. 2007 erzielten die Frauen 18 Prozent der Tore mit dem Kopf. Bei der Männer-WM 2010 waren 17,9 Prozent der Treffer Kopfballtore. 2003 schossen die Frauen 23,3 Prozent der Tore mit dem Kopf. Den Männern waren bei der WM 2006 nur 18,3 Prozent Kopfballtore gelungen.

In Brasilien werden zwar viele WM-Spiele übertragen, aber wegen der Zeitverschiebung von minus fünf Stunden laufen die Partien zur ungünstigen Mittags- und Nachmittagszeit. Die Spiele der „Seleção Feminina“ und die Tore der fünffachen Weltfußballerin Marta werden aber ausführlich in den Printmedien analysiert.  Doch der Vize-Weltmeister muss um die Gunst der Zuschauer buhlen, denn in Argentinien läuft noch bis 24. Juli die renommierte Copa América. Und dort kämpft auch Brasiliens Männer-„Seleção“ mit Topstars wie Robinho und Neymar um die Südamerika-Krone.  

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