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22.06.2011

09:56 Uhr

Frauenabteilungen der Bundesliga

Wenn die Herrenmannschaft zum Sponsor wird

VonPatrick Kleinmann

Immer häufiger setzen Vereine aus der Herren-Bundesliga auf ihre Frauenabteilungen, sportliche Erfolge sind aber noch die Seltenheit. Beim VfL Wolfsburg soll sich das nun ändern - natürlich mit Unterstützung von VW.

Jubel in der Nationalmannschaft, Wechsel in der Liga: Kim Kulig. Quelle: dapd

Jubel in der Nationalmannschaft, Wechsel in der Liga: Kim Kulig.

DüsseldorfDer Schock kam kurz nach der Meisterfeier: Kurz aber schmerzhaft verkündete der Hamburger SV den Spielerinnen seiner zweiten Frauenmannschaft, dass sie in der kommenden Saison ihren Titel nicht werden verteidigen können – der HSV zog seine erfolgreiche Reserve zurück. Wenige Tage hatte sich das Team durch einen abschließenden 5:2-Sieg beim direkten Konkurrenten Lok Leipzig den ersten Platz der 2. Bundesliga Nord gesichert – ohne eine einzige Niederlage in 22 Spielen.

Gleichzeitig wurde in Hamburg der ersten Mannschaft in der Frauen-Bundesliga ein knappes Drittel ihres Etats gekürzt –Leistungsträgerin und Nationalspielerin Kim Kulig war endgültig nicht mehr zu halten. Grund für die Einsparungen: Die Herrenmannschaft des HSV hatte zum zweiten Mal in Folge einen internationalen Wettbewerb verpasst, wodurch wichtige Einnahmen verloren gingen.

Durch die Etat-Kürzungen im Frauen-Bereich konnten so nach Angaben der Hamburger Morgenpost 50.000 Euro gespart werden. Zum Vergleich: Vergangene Saison betrug der Mannschaftsetat der HSV-Herren um die 47 Millionen Euro, kommende Spielzeit sollen es immer noch knapp 37 Millionen sein. Im Jahr der Weltmeisterschaft im eigenen Land mehr als nur ein Schlag ins Gesicht des Frauenfußballs. Fast schon verständlich, dass sich die inzwischen nach Leipzig gewechselte Trainerin Claudia von Lanken dazu nicht äußern wollte: „Die Stimmung ist sehr schlecht.“

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Insgesamt stellten acht der 18 Herren-Bundesligisten der vergangenen Saison ein Frauenteam in den beiden höchsten deutschen Spielklassen – die Ausgangslagen divergieren aber stark. Die Spitzengruppe der ersten Bundesliga ist ohnehin eine Art Sperrzone. Seit vielen Jahren dominieren national wie international die Teams des FFC Frankfurt, des FCR Duisburg und von Turbine Potsdam.

In den letzten sechs Jahren gelang es nur einem einzigen Team, in diese Phalanx zu einzudringen: 2009 wurde die Frauen-Abteilung des FC Bayern München Zweiter, musste sich am letzten Spieltag nur aufgrund des um zwei Tore schlechteren Torverhältnisses gegenüber Potsdam geschlagen geben.

Obwohl es für den wohl solventesten Fußballverein weltweit mit Sicherheit kein Problem wäre, sein Frauen-Team mit ausreichend Quersubventionierungen zu Titeln zu verhelfen, rücken die Bayern auch in Zukunft nicht von ihrer Philosophie ab. „Wir wollen junge Talente ausbilden und an die nationale Spitze führen“, formuliert es Managerin Karin Danner.

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