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25.06.2011

11:37 Uhr

Fußball-Managerin Katja Kraus

„WM ist ein Schritt hin zu größerer Selbstverständlichkeit“

VonAlexander Möthe

ExklusivDie frühere Nationalspielerin Katja Kraus freut sich auf die Frauen-WM in Deutschland. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen im männerdominierten Fußball-Business und verrät, was eine Frauenquote ändern könnte.

Ex-Nationaltorhüterin Katja Kraus: Als Aktive gewann sie mit dem FSV Frankfurt mehrfach die Deutsche Meisterschaft sowie den DFB Pokal. Mit der Nationalmannschaft wurde Kraus Europa- und Vize-Weltmeisterin. Nach ihrer aktiven Laufbahn arbeitete sie zunächst für Adidas, wurde anschließend Pressesprecherin bei Eintracht Frankfurt. Von 2003 an war Kraus beim Hamburger SV für die Bereiche Kommunikation und Marketing zuständig. 2010 rückte sie in den Vorstand - als erste Frau bei einem Bundesligisten überhaupt. Quelle: Sandra GätkePR

Ex-Nationaltorhüterin Katja Kraus: Als Aktive gewann sie mit dem FSV Frankfurt mehrfach die Deutsche Meisterschaft sowie den DFB Pokal. Mit der Nationalmannschaft wurde Kraus Europa- und Vize-Weltmeisterin. Nach ihrer aktiven Laufbahn arbeitete sie zunächst für Adidas, wurde anschließend Pressesprecherin bei Eintracht Frankfurt. Von 2003 an war Kraus beim Hamburger SV für die Bereiche Kommunikation und Marketing zuständig. 2010 rückte sie in den Vorstand - als erste Frau bei einem Bundesligisten überhaupt.

Frau Kraus, Sie waren als erste Frau Vorstandsmitglied bei einem Bundesligisten, sind darüber hinaus sehr erfolgreich im Sport-Marketing tätig. Haben Sie alles erreicht oder suchen Sie neue Herausforderungen?

Ich bin zufrieden mit meinem beruflichen Weg. Im Moment genieße ich es, einen neuen Schwerpunkt zu setzen, der mich ausfüllt und mir viel Raum für Kreativität und Experimentierfreude gibt. Bei aller Begeisterung, die ich für meine Aufgabe hatte, geht das durch die rasante Geschwindigkeit und die Flüchtigkeit des Bundesligageschäftes oft verloren. Das gilt wohl für alle Bereiche mit einer so enormen Öffentlichkeitswirksamkeit. Aus der relativen Distanz, mit der ich gerade darauf blicke, entstehen ganz neue Gedanken, und irgendwann vielleicht auch der Wunsch, wieder in der Branche zu gestalten.

Mit welchen Widerständen hatten Sie auf dem Weg in ihr Amt zu kämpfen?

In einer Branche, mit einer solchen Aufmerksamkeit und entsprechender Meinungsvielfalt, Entscheidungen zu treffen, heißt mit Widerständen umgehen zu müssen. In meiner Zeit als Vorstand habe ich allerdings keine solchen gespürt, die in meinem Frausein begründen waren. Zumindest wurde ich nicht direkt damit konfrontiert. Das war anfangs anders. Als ich 1996 Pressesprecherin bei Eintracht Frankfurt wurde, war die Skepsis der Männer groß, und sie haben ihr Spielfeld nach Kräften verteidigt. Durchaus auch mal mithilfe eines Fouls. Auch heute spielen Männlichkeitsrituale in der Fußballbranche noch eine große Rolle. Aber das weicht gerade etwas auf, da zunehmend Männer, die eine andere Vorstellung von Führung, Teamstruktur und Kommunikation haben, in verantwortlichen Positionen sind.

Fakten zur WM: die Ersten & Besten

Eingenetzt

Mit 14 Toren bei vier Turnieren ist die Deutsche Birgit Prinz die erfolgreichste WM-Torschützin. Mit fünf Toren 1991 gegen Chinese Taipei hat die US-Amerikanerin Michelle Akers die meisten Tore in einem WM-Spiel erzielt.

Quelle: Fifa

Zwei Titel, drei Finals

Ein eher exklusiver Kreis von 19 Spielerinnen (7 amerikanische und 12 deutsche) hat bereits zwei WM-Titel auf dem Konto. Als Einzige stand Birgit Prinz schon dreimal im WM-Finale: 2003 und 2007 bei den beiden WM-Siegen Deutschlands sowie 1995 in der ersten Hälfte bei der Niederlage gegen Norwegen.

Dauerbrenner

Kristine Lilly (USA) ist die einzige Spielerin, die bei allen fünf WM-Turnieren mit von der Partie war. Ebenfalls einmalig sind die 30 WM-Spiele, in denen sie zum Einsatz gekommen ist.

Blitzschnell

Drei Tore wurden bei der Fifa Frauen-Weltmeisterschaft in der ersten Spielminute erzielt. Den schnellsten Treffer erzielte 1991 die Schwedin Lena Videkull im Spiel gegen Japan. Schon nach 30 Sekunden traf sie zum 1:0. Zweitschnellste war die Kanadierin Melissa Tancredi, die 2007 gegen Australien nach 37 Sekunden die Führung erzielte. Auf Rang drei folgt die US-Amerikanerin Lori Chalupny, die 2007 gegen Nigeria den Ball nach 54 Sekunden im Tor versenkte.

Alt und Jung

Ifeanyi Chiejine aus Nigeria ist die jüngste Spielerin, die bei einer WM zum Einsatz gekommen ist. Sie lief 1999 im Alter von 16 Jahren und einem Monat gegen Dänemark auf. Mit 39 Jahren und fünf Monaten ist Meg aus Brasilien die älteste Spielerin. Sie spielte 1991 gegen Schweden.

Titel-Hamster

Nadine Angerer ist die erfolgreichste Torhüterin der Fifa Frauen-Weltmeisterschaft. In ihrer beispiellosen Karriere hat die 31-Jährige bereits 14 Titel gewonnen, darunter zwei Weltmeister- und vier Europameistertitel.

Erste Pfeife

1991 stand mit der Brasilianerin Claudia Vasconcelos erstmals eine Schiedsrichterin bei einem Fifa Wettbewerb im Einsatz. Sie leitete das Spiel um Platz drei zwischen Schweden und Deutschland (4:0).

Männer müssen zuhören

Caroline Morace war die erste Frau, die 1999 mit Viterbese in der dritten italienischen Division ein Profiteam der Männer trainierte. Heute ist sie Trainerin der kanadischen Frauenauswahl.

Erste Treffer - vorn wie hinten

Am 16. November 1991 erzielte die Chinesin Ma Li im Eröffnungsspiel gegen Norwegen in der 22. Minute den ersten Treffer bei einer Fifa Frauen-Weltmeisterschaft. Der Neuseeländerin Terry McCahill kommt die zweifelhafte Ehre zu, bei einer WM das erste Eigentor erzielt zu haben. Gegner? Norwegen, nur drei Tage später. Bei der 0:4-Niederlage am 19. November netzte sie zum 0:1 ins eigene Tor ein.

Drei Mal ins Glück

Der erste WM-Hattrick geht auf das Konto der Italienerin Carolina Morace. Beim 5:0-Sieg Italiens am 17. November 1991 gegen Chinese Taipei schoss sie drei Tore. Morace ist heute Nationaltrainerin Kanadas und Fifa-Botschafterin für Frauenfußball.

Strafstoß muss sein

Den ersten Elfmeter versenkte am 19. November 1991 die Deutsche Bettina Wiegmann im Spiel gegen Chinese Taipei. Drei Tage zuvor war die Norwegerin Tone Haugen beim ersten Strafstoss in der WM-Geschichte an der Chinesin Zhon Honglian gescheitert.

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum im Fußball kaum Frauen in Führungspositionen vertreten sind?

Ich würde mir wünschen, dass es mehr Frauen in Führungspositionen gibt, weil es eine zusätzliche Managementkompetenz einbringt und die Ausrichtung und die Atmosphäre verändert. Allerdings ist die Veränderungsgeschwindigkeit in der Bundesliga langsamer als in anderen Branchen und die Offenheit für Einflüsse von außen begrenzt. Das gilt nicht nur für die Akzeptanz der Bereicherung durch kompetente Frauen.

War der Einbruch in die Männerdomäne für Sie besonderer Ansporn?

Nein. ich habe immer Fußball gespielt und in meiner Welt gab es die Frage nicht, wem dieses Spiel eigentlich gehört. Als sich die Chance ergab, darauf meine berufliche Karriere aufzubauen, habe ich mir auch  keine Gedanken gemacht, dass damit Widerstände verbunden sein könnten. An den bedeutenden Weichenstellungen meines Lebens habe ich keine bewussten Entscheidungen getroffen, sondern lagen Wege wie selbstverständlich vor mit. In jedem Fall brauchte ich keinen zusätzlichen Ansporn neben der Begeisterung für die Aufgabe.

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