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02.07.2014

21:21 Uhr

Fußball-Mord in Kolumbien

Der lange Schatten von Andrés Escobar

Auf den Tag genau vor 20 Jahren erschütterte ein Mord die Sportwelt: Nach einem Eigentor bei der WM wird Kolumbiens Kapitän Andrés Escobar exekutiert. Die Erinnerung spielt bis heute bei den Kolumbianern mit.

Fand den Tod mit 27 Jahren: Kolumbiens Kapitän Andrés Escobar starb 1994 an mehreren Schüssen. ap

Fand den Tod mit 27 Jahren: Kolumbiens Kapitän Andrés Escobar starb 1994 an mehreren Schüssen.

MedellínDie fatalen Schüsse vom 2. Juli 1994 verfolgen Kolumbiens Seele noch heute. Nur zwei Tage vor dem historischen Viertelfinale gegen WM-Gastgeber Brasilien jährt sich das brutale Attentat auf Andrés Escobar. Die Erinnerung an den höchstbeliebten Anführer, der nach seinem verhängnisvollen Eigentor beim Weltturnier in den USA ermordet wurde, erklärt den langjährigen Niedergang des Fußballs in dem südamerikanischen Land.

„Wir werden niemals aufhören, an ihn zu denken oder zu fühlen, dass er einer von uns war“, betonte der frühere Nationalspieler Jorge Bermúdez im dpa-Gespräch. „Jeder kolumbianische Sieg wird auf eine gewisse Art auch seiner sein.“ In Rio de Janeiro wird dem „Gentleman des Fußballs“ am 20. Jahrestag seines Todes gedacht.

Ähnlich wie in Brasilien, wo James Rodríguez & Co. die Welt verzücken, schwärmten auch 1994 alle Experten von Kolumbiens Zauberfußball. Die Mannschaft hatte vor der WM in den USA nur eine von 26 Partien verloren und Argentinien mit 5:0 abgefertigt, so dass nicht nur Pelé das Team als Titelanwärter erachtete. Doch das blutige Chaos rund um den Drogenkrieg in der Heimat begleiteten Los Cafeteros auch in die Vereinigten Staaten. In der Nacht nach dem 1:3 zum Auftakt gegen Rumänien wurde der Bruder von Luis Fernando Herrera getötet, Escobar konnte den Verteidiger noch überzeugen, zu bleiben.

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Vor dem zweiten Spiel gegen die USA kam Trainer Francisco Maturana weinend in die Kabine, zahlreiche Wetter hatten daheim Geld verloren, das Team erhielt Morddrohungen. „Sollte Barrabas Gómez spielen, würden sie uns alle umbringen“, berichtete Topstürmer Faustino Asprilla in einer 2010 ausgestrahlten Dokumentation des US-Senders ESPN. Der Mittelfeldspieler und der Coach beugten sich dem unmenschlichen Druck - „ich wusste, dass es um regionale Rivalitäten in der Heimat ging“, sagte Gómez und trat zurück.

Verängstigt und eingeschüchtert leisteten sich die technisch hochbegabten Kolumbianer ungewohnte Fehler - der schwerwiegendste von Escobar leitete mit dem Gegentreffer in der 35. Minute das 1:2 ein. Als der damals neunjährige Sohn von Andrés Schwester Maria Ester das Eigentor am Fernsehen sah, sagte er sofort: „Mommy, sie werden Andrés töten.“ Seine Mutter versuchte den Kleinen zu beruhigen und musste ihm wenig später doch die grausame Realität erklären.

Nach der Rückkehr aus den USA entschuldigte sich Escobar via TV bei der Nation für seinen Fauxpas. Vor der fatalen Nacht in Medellín warnten ihn noch Trainer Maturana und seine Teamkollegen, angesichts der unsicheren Lage vor die Tür zu gehen. Doch Escobar bestand darauf, „den Leuten mein Gesicht zu zeigen.“ Nach einer Streiterei vor einem Nachtclub wurde Escobar im Alter von 27 Jahren mit sechs Schüssen in seinem eigenen Auto hinterrücks niedergestreckt.

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