Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.07.2017

07:25 Uhr

1860 München

Ismaik rettet die Löwen vor der Insolvenz

Der Verein 1860 München hat weiter eine Zukunft in der Fußball-Regionalliga. Nach wochenlangen Verhandlungen einigten sich der Investor Hasan Ismaik, der Verein und der Hauptsponsor auf einen Deal.

Der Mehrheitseigner des Traditionsvereins TSV 1860 München soll einen Vertrag zum Auszug aus der Allianz Arena unterschrieben haben. dpa

Hasan Ismaik

Der Mehrheitseigner des Traditionsvereins TSV 1860 München soll einen Vertrag zum Auszug aus der Allianz Arena unterschrieben haben.

MünchenNach wochenlangen Verhandlungen ist die Zukunft von 1860 München in der Fußball-Regionalliga nach Clubangaben gesichert. Wie die „Löwen“ in der Nacht auf Mittwoch bekanntgaben, einigten sich der Verein sowie Investor Hasan Ismaik und der Hauptsponsor auf einen Deal zur weiteren Finanzierung.

Details will 1860-Geschäftsführer Markus Fauser an diesem Mittwoch (15.00 Uhr) in einer Pressekonferenz erläutern. Eine drohende Insolvenz dürfte damit abgewendet sein; die Mannschaft kann am Donnerstag das erste Saisonspiel bestreiten.

Investoren im Fussball: Die 50+1-Regel

Regel

Die 50+1-Regel ist ein Paragraph in den Statuten der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Sie soll verhindern, dass Kapitalanleger die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften übernehmen, in die Fußballvereine ihre Profimannschaften ausgliedern.

Hintergrund

Hintergrund dieser Regelung ist das Interesse von Großunternehmen oder Investoren am Fußball. Die Liga möchte einer Entwicklung wie in England, Spanien oder Italien vorbeugen, wo Fußballvereine zum Spielball für Investoren wurden.

Streit

Um die Regel gibt es seit Jahren Streit. Manche Investoren wollten sie kippen, doch ein Schiedsgericht bestätigte die Regel im Kern.

Ausnahme

Liga-Präsident Reinhard Rauball ist sicher: „Im deutschen Profi-Fußball werden Investoren weiterhin nur im Ausnahmefall und sehr eingeschränkt die Stimmenmehrheit bei einzelnen Clubs übernehmen können.“

Charakter

Die Bundesliga behält damit nach Einschätzung der DFL ihren unverwechselbaren Charakter und kann weiter auf die Faktoren setzen, die in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend zum Erfolg beigetragen haben: Stabilität, Kontinuität, Vorrang des Wettbewerbs und gelebte Bodenständigkeit.

Investoren

Allerdings ist künftig im Liga-Fußball mehr Platz für Investoren. Das ist ein Erfolg von Hannovers Präsident Martin Kind, der gegen die Regel vorgegangen war.

Zukunft

Nach Einschätzung von Experten erhalten Klubs fortan die Möglichkeit, eng verbundene Finanziers, Sponsoren oder Mäzenen nach 20 Jahren Engagement im Verein die Kapitalmehrheit und Stimmenmehrheit an der Fußball-Kapitalgesellschaft zu übertragen.

Hoffenheim und München

Auch hinter 1899 Hoffenheim und 1860 München stehen potente Einzelpersonen – SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp (Hoffenheim) und der jordanische Multimillionär Hasan Ismaik (München) –, die die Mehrheit des Vereins besitzen. Jedoch haben sie ihre Stimmanteile formal auf 49 Prozent beschränkt, um nicht gegen die 50+1-Regel zu verstoßen.

Lex Leverkusen

Die „Lex Leverkusen“ besagte, dass Investoren erlaubt sind, die „seit mehr als 20 Jahren vor dem 1. Januar 1999 den Fußballsport des Muttervereins ununterbrochen und erheblich gefördert“ haben. Das war im Grunde eine Ausnahmeregelung für die Werksclubs Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg. In unteren Ligen machen auch als Betriebssportgemeinschaften gegründete Vereine wie der FC Carl Zeiss Jena oder Wacker Burghausen von der Regel Gebrauch. Deshalb dürfen Jena oder Leverkusen den Sponsor im Vereinslogo und -namen tragen und der VfL Wolfsburg eine hundertprozentige Tochter der Volkswagen AG sein.

Anteile an Fußballvereinen

Beim börsennotierten Erstligisten Borussia Dortmund befinden sich weniger als zehn Prozent der Aktien im Besitz des Vereins. Beim Branchenprimus FC Bayern München halten drei Firmen (Adidas, Allianz, Audi) zusammen ein Viertel der Anteile. Wobei ein Tochterunternehmen von Audi auch 20 Prozent bei Zweitligist FC Ingolstadt 04 hält. Und bei Hertha BSC stieg Anfang des Jahres der Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) ein.

Wie die „Bild“-Zeitung berichtete, konnte der Verein gerettet werden, weil Gesellschafter und Mehrheitseigner Ismaik ein 2018 fälliges Darlehen in Millionenhöhe stundete. Außerdem soll der Jordanier den Vertrag zum Auszug aus der Allianz Arena unterschrieben haben.

Nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga und dem unmittelbar darauf folgendenden Zwangsabstieg in die 4. Liga werden die Sechziger nicht mehr als Mieter in der Arena des Stadtrivalen FC Bayern auflaufen, sondern im Grünwalder Stadion nahe des Vereinsgeländes spielen.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×