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31.05.2015

09:20 Uhr

Abschied von BVB-Coach Klopp

„Heute werde ich auf jeden Fall feiern“

Für Jürgen Klopp gab es als BVB-Trainer kein Happy End. In seinem letzten Spiel als Coach von Borussia Dortmund gewinnt der VfL Wolfsburg den DFB-Pokal. Zum Abschied ringt Klopp sichtlich bewegt nach Worten.

Jürgen Klopp beim Empfang in Berlin: „Egal, wo ich hingehe, ich werde euch nie vergessen“. ap

Die Ära Klopp geht zu Ende

Jürgen Klopp beim Empfang in Berlin: „Egal, wo ich hingehe, ich werde euch nie vergessen“.

BerlinDiesmal flossen keine Tränen. Anders als noch beim höchst emotionalen Lebewohl von Jürgen Klopp eine Woche zuvor im Dortmunder Stadion hielt sich der Trennungsschmerz im stylischen Ambiente der Berliner Location „Kraftwerk“ in Grenzen. Das 1:3 (1:3) im Pokalfinale gegen Wolfsburg wenige Stunden zuvor war allen Gästen der „Schwarzgelben Nacht“ mächtig aufs Gemüt geschlagen. Selbst bei der Rede des scheidenden Trainers an die Edelfans blieben Jubelstürme aus. „Man hat mir gesagt, dass es vielleicht zu kitschig gewesen wäre, wenn wir zum Abschied gewonnen hätten - zu sehr American Style“, kommentierte Klopp mit gequältem Lächeln.

Der Traum vom Happy End mit einer umjubelten LKW-Fahrt rund um die Dortmunder Kultstätte Borsigplatz ging für Klopp nicht in Erfüllung. Nach der dritten Pleite im vierten Endspiel unter seiner Regie war niemandem nach einer rauschenden Party zumute. An der großen Zuneigung für den Coach änderte die verdiente Niederlage jedoch nichts. Die lange und innige Umarmung von BVB-Präsident Reinhard Rauball mit Klopp war Ausdruck tiefer Dankbarkeit. „Du bist in einer schweren Zeit zu uns gekommen und hast uns den Glauben zurückgegeben“, sagte Hans-Joachim Watzke und überreichte Klopp neben einer Abbildung von der „Kathedrale des deutschen Fußballs“ drei Dauerkarten für die BVB-Heimstätte.

Mehr Qualen als die Rede bereitete Klopp der Abschied von seinen Spielern. Jeden Einzelnen schloss er noch in der Kabine des Olympiastadions in die Arme, um für die Zusammenarbeit zu danken: „Das tat extrem weh. Da habe ich gemerkt, wie schwer es fällt loszulassen. Es waren sieben wunder-, wunder-, wunderschöne Jahre.“ Vergeblich versuchte der Coach, seine geknickten Profis nach der Niederlage wieder aufzurichten: „Platz zwei bei Olympia fühlt sich besser an als im DFB-Pokal.“

Kein Titel zum Klopp-Abschied: Wolfsburg holt den DFB-Pokal

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Wolfsburg holt den DFB-Pokal

Der VfL Wolfsburg ist erstmals DFB-Pokalsieger. Die Niedersachsen feiern ihren größten Erfolg seit der Meisterschaft vor sechs Jahren. Der BVB bleibt ohne Titel – der so ersehnte Cup-Coup zum Klopp-Abschied klappt nicht.

Wohin es ihn in Zukunft zieht, bleibt vorerst offen. Nach eigener Aussage hat Klopp noch mit keinem anderen Club verhandelt. Er sorgt sich nicht, dass sich ohne seinen geliebten Fußball ganz schnell eine große Leere breitmachen könnte: „Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie Leere verspürt. Mein Kopf ist eher immer zu voll.“

Für die Borussia wird es nun darauf ankommen, möglichst schnell die Trauer um den Klopp-Abschied zu überwinden. Wolfsburgs Sportchef Klaus Allofs konnte sich einen verbalen Seitenhieb auf den Hype der vergangenen Tage nicht verkneifen: „Es ist erstaunlich, wie sehr man sich auf eine Geschichte fokussieren kann. Man kann ein Spiel auch emotional überladen, das hat Jürgen Klopp ja auch nicht gefallen.“

Pokalfinalsieg gegen BVB: VfL macht auch VW glücklich

Pokalfinalsieg gegen BVB

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Der ewig Unterschätzte adelt sich selbst: Trainer Dieter Hecking gewinnt mit dem VfL Wolfsburg erstmals den DFB-Pokal. Seine Mannschaft wird damit zum neuen Bayern-Jäger Nummer 1. Vom Erfolg profitiert auch VW.

Nicht nur die BVB-Fans, sondern auch die Profis müssen sich nun an die Zeit nach Klopp und den baldigen Ruheständler Sebastian Kehl gewöhnen. „So richtig werden wir es merken, wenn wir Ende Juni wieder in der Kabine sitzen und die beiden sind nicht mehr da“, klagte Weltmeister Mats Hummels.

Dem Vernehmen nach wird Klopp-Nachfolger Thomas Tuchel Mitte der Woche in Dortmund offiziell vorgestellt, ehe es in die nur kurze Sommerpause geht. Schließlich muss der BVB als Bundesliga-Siebter bereits im Juli in der Europa-League-Qualifikation antreten.

Stimmen zum DFB-Pokalfinale

BVB-Spieler Sebastian Kehl

... über das Pokal-Finale: „Besser hätte ich mein Drehbuch eigentlich nicht schreiben können. Nach dieser verkorksten Saison nochmal die Möglichkeit zu haben, einen Titel zu gewinnen. Das war natürlich ein Riesenstrohhalm, an den ich mich geklammert habe. Nachdem wir in München gewonnen haben und nachdem dieser Wettbewerb so perfekt gelaufen ist für uns, hatte ich gehofft, dass wir uns dieses Glück erarbeitet haben. Aber Fußball ist kein Wunschkonzert. Man muss am Ende sagen, dass die Wolfsburger über die 90 Minuten besser waren. Deswegen haben sie es auch verdient. Die Tore sind sehr unglücklich und teilweise aus dem Nichts gefallen. Es ist sehr, sehr bitter, die Karriere mit einer Niederlage zu beenden. Aber so ist das im Fußball. Wenn sich das etwas gelegt hat, werde ich meine Familie in den Arm nehmen. Viele Freunde sind da, und dann werde ich ein bisschen zurückblicken auf eine tolle Karriere.“

VfL-Spieler Kevin De Bruyne

... über den tödlich verunglückten Junior Malanda: „Junior ist immer bei mir. Er war mein Landsmann, er war ein kleiner Bruder von mir. Du weißt, dass es schnell geht im Leben. Er bleibt immer bei mir im Leben.“

VfL-Keeper Diego Benaglio

...über den Pokal-Sieg: „Im Moment ist es pure Freude, aber irgendwie auch noch unreal. Wir haben uns heute belohnt für eine richtig gute Saison. Wir wollten dieses Spiel für Junior gewinnen, das ist uns gelungen. Deshalb ist es umso schöner. Junior ist nach wie vor Teil dieser Mannschaft, und er wird es auch immer bleiben. Junior wird bei uns immer weiterleben.“

BVB-Trainer Jürgen Klopp

... zum Spiel: „Die Enttäuschung ist riesig, weil die Niederlage unnötig war. Wir haben ein gutes Spiel gemacht. Wir waren im Spiel. So ist Fußball. In der Halbzeit hatte ich das Gefühl, hier wird heute ein Spektakel draus. Wir drehen das Ding noch. Aber wir waren dran. Hätte, wenn und aber. Nie ist es mehr egal als im Finale.“

... über seinen Abschied von Borussia Dortmund: „Mir geht nicht viel durch den Kopf. Aber der Abschiedsschmerz kommt. Das tut extrem weh. Ich habe gerade versucht, allen Spielern meinen Dank auszudrücken. Es fällt schwer sie loszulassen. Meine Gefühle sind gerade relativ wirr. Das Leben wird weitergehen, aber ich brauche erstmal ein paar Minuten, um das zu verdauen. So haben wir keine Pokal-, sondern eine Abschiedsfeier.“

VfL-Manager Klaus Allofs

... über die Bedeutung des Titels: „Das ist eine Riesenbedeutung. Wenn man sich entwickeln will, dann gehören solche Erfolge, solche Titel auch dazu. Sie haben nach dem schnellen Rückstand toll reagiert. Ich bin richtig stolz auf diese Mannschaft. Es sind super Jungs, super Jungs.“

... über den tödlich verunglückten Junior Malanda: „Wir haben das heute mit unserem Trikot ausdrücken wollen. Wir wollten das nicht in den Vordergrund stellen, aber zeigen dass er uns die gesamte Rückrunde begleitet hat. Dass alle ihn im Kopf hatten. Der Trainer hat es auch gesagt, dass wir auch für ihn spielen. Ich glaube, dass das auch ein paar Kräfte freigesetzt hat.“

... über die Rolle von Trainer Dieter Hecking: „Er ist ein Baustein dieser Mannschaft. Man hat gesehen, dass die Mannschaft 90 Minuten Gas geben kann, dass sie taktisch immer vorbereitet ist. Das ist die Arbeit von Dieter Hecking.“

VfL-Trainer Dieter Hecking

... über die Bedeutung des Titels:

„Das ist die Krönung einer herausragenden Saison.“

„Ich bin einfach mächtig stolz auf meine Mannschaft heute. Es war das Spiel, was wir erwartet haben. Dortmund mit viel Zug zum Tor, früher Rückstand für uns. Wichtig war, dass Marco Reus das 2:0 nicht macht. Dann wäre es richtig schwer geworden. Mit dem Ausgleich haben wir dann plötzlich den Mut gehabt, waren in den Zweikämpfen aggressiver, bissiger. Von daher war es ein verdienter Sieg heute.“

... über seine Mannschaft: „Sie ist vom ersten Tag an unwahrscheinlich kameradschaftlich miteinander umgegangen, sie haben einen unwahrscheinlichen Teamgeist entwickelt. Diesen Sieg widmen wir natürlich Junior Malanda.“

Ob Ilkay Gündogan dann noch dabei sein wird, darf jedoch bezweifelt werden. „Direkt nach dem Spiel möchte ich nichts zu meiner Zukunft sagen“, antwortete der Nationalspieler ausweichend auf entsprechende Fragen, bestätigte aber Gespräche mit anderen Clubs. Unabhängig von seiner Entscheidung, ob er Dortmund schon in diesem Sommer oder erst zum Vertragsende 2016 verlässt, glaubt er an eine erfolgreiche Zukunft der Borussia. „Es gibt einen tollen Kader und es kommt ein sehr guter Trainer.“


Von

dpa

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