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09.10.2014

14:32 Uhr

Abstiegsangst bei Werder Bremen

Werder-Funktionäre streiten um Finanztaktik

Im Kampf um den Klassenerhalt sollen jetzt auch in Bremen Tabus gebrochen werden. Der erste Werder-Funktionär fordert eine Schulden-Politik. Und Investoren machen ein unmoralisches Angebot.

Da hilft nichts. Werder Bremen steht nach sieben Spielen immer noch ohne Sieg da, die Defensive des Vereins ist die schlechteste der Liga. dpa

Da hilft nichts. Werder Bremen steht nach sieben Spielen immer noch ohne Sieg da, die Defensive des Vereins ist die schlechteste der Liga.

BremenDie Angst vor dem Abstieg erschüttert die scheinbar so heile Werder-Welt. Die nette Fußball-Familie von der Weser streitet jetzt auch öffentlich, und zwar ums Geld. Ausgerechnet der dienstälteste Werder-Funktionär fordert beim kriselnden Bundesliga-Schlusslicht einen „Strategiewechsel“ bei der bisher sehr vorsichtigen Finanzpolitik, was in Bremen einem Tabubruch gleichkommt - und zugleich eine Attacke auf Aufsichtsrats-Chef Willi Lemke ist.

Um den drohenden Abstieg des Fußball-Bundesligisten zu verhindern, will Klaus-Dieter Fischer Schulden machen und mit Krediten in der Winterpause neue Spieler kaufen. Als einer der drei Geschäftsführer der GmbH & Co KGaA und als Präsident des Stammvereins ist Fischer einer der einflussreichsten Funktionäre an der Weser und fordert nun gleich in zwei Medien das bis vor kurzem Unvorstellbare.

Die Rekord-Absteiger der Bundesliga

1. FC Nürnberg

Bei bislang sieben Abstiegen in den Jahren 1969, 1979, 1984, 1994, 1999, 2003 und 2008 bringt der erneute Abstieg in dieser Saison den „Klubberern“ den zweifelhaften Titel des „Bundesliga-Rekordabsteigers“ ein.

Arminia Bielefeld

Die Leidensgeschichte der Arminia aus Bielefeld hat auch sieben Kapitel und begann 1972 auf der „Alm“, sie setzte sich 1979, 1985, 1998, 2000, 2003 und 2009, dem bislang letzten Bielefelder Bundesliga-Abstieg, in der „Schüco-Arena“ fort.

Hertha BSC Berlin

Die Hertha aus Berlin überraschte in dieser Saison mit guten Leistungen, stieg aber bereits sechs Mal aus der höchsten deutschen Fußballliga ab. Die Achterbahnfahrt begann 1965 und setzte sich über die Jahre 1980, 1983, 1991 und 2010 fort. Unvergessen bleibt der Abstieg 2012 nach dem Skandal im Relegationsspiel gegen Fortuna Düsseldorf.

VfL Bochum

Der Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet spielt derzeit in der zweiten Bundesliga, weitestgehend ohne Chancen auf einen baldigen Aufstieg. Insgesamt sechs Mal stieg der VfL Bochum bereits aus der ersten Bundesliga ab. Allerdings beginnt die Serie erst in den Neunzigerjahren (1993, 1995 und 1999) und setzt sich über die Jahre 2001, 2005 und 2010 fort.

MSV Duisburg

Der Meidericher Sportverein stieg bislang sechs Mal aus der ersten deutschen Fußballliga ab (1982, 1992, 1995, 2000, 2006 und 2008). Nach einem gescheiterten Insolvenzverfahren rutschte der MSV Duisburg in der laufenden Saison in die dritte Liga ab.

Karlsruher SC

Mit einer furiosen Hinrunde in der zweiten Bundesliga weckte der KSC in Karlsruhe Aufstiegshoffnungen, konnte diese aber zum Ende der Saison nicht erfüllen. Abstiege gab es in der Geschichte des KSC häufig. Insgesamt sechs Mal (1968, 1977, 1983, stieg der Karlsruher Verein aus der ersten Bundesliga ab (1968, 1977, 1983, 1985, 1998 und 2009).

Fortuna Düsseldorf

Mit Abstiegen aus der ersten Bundesliga ist die Fortuna aus Düsseldorf vertraut. Insgesamt fünf Mal musste der Verein die Bundesliga verlassen, zuletzt im vergangenen Jahr. Die vier weiteren Abstiege liegen bereits einige Jahre zurück (1967, 1987, 1992 und 1997).

1. FC Köln

Düsseldorfs Konkurrent, der 1. FC Köln, stieg ebenfalls fünf Mal aus der höchsten deutschen Fußballliga ab. 1998, 20902. 2004, 2006 und 2012 musste der Kölner Verein die Bundesliga wegen Punktemangels verlassen. Als Meister der zweiten Bundesliga wird der 1. FC Köln in der nächsten Saison wieder im Oberhaus spielen.

FC St. Pauli

Der Hamburger Kiezklub FC St. Pauli aus Hamburg stieg bislang fünf Mal aus der Bundesliga ab (1978, 1991, 1997, 2002 und 2011). In der Saison 2014/2015 wird es höchstwahrscheinlich zum ersten Mal ein Hamburger Stadtderby in der zweiten deutschen Bundesliga geben.

KFC Uerdingen

Der KFC Uerdingen spielte Jahrzehnte in der deutschen Bundesliga, bis er 1996 nach einem dramatischen Abstiegskampf in die zweite Bundesliga wechseln musste und seitdem bis in die vierte Liga durchgereicht wurde. Fünf Mal stieg der Krefelder Stadtteilverein bislang aus der ersten Liga ab (1976, 1981, 1991, 1993 und 1996).

Fischer war bisher auch ein Verfechter der hanseatischen Linie, dass nur ausgegeben wird, was in der Kasse ist. Jetzt fragt der führende Funktionär im Interview der „Kreiszeitung Syke“: „Was bedeutet eigentlich der Abstieg? Nach meinen Einschätzungen bedeutet das Umsatzeinbußen im zweistelligen Millionen-Bereich. Und was bedeutet dagegen eine kurzfristige, nicht zu umfangreiche Verschuldung, um in unser wichtigstes Gut - das Team - zu investieren?“

Die Antwort ist für Fischer klar. Er will Kredite aufnehmen, „damit wir für die Transferperiode im Winter gerüstet sind“. Dem „Kicker“ sagte Fischer: „Der traumhafte Werder-Weg ist auf Dauer nicht haltbar.“ Vor allem aber stellt sich der Geschäftsführer und Vereinspräsident damit gegen Lemke, den früheren Manager und jetzigen Chef des Aufsichtsrates.

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