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03.05.2014

08:30 Uhr

Absturz des Hamburer SV

Der Dinosaurier wird immer trauriger

VonMatthias Friede

Sportlich leistete sich der Hamburger gegen Augsburg eine Bankrott-Erklärung. Finanziell steht sie dem Bundesliga-Dino noch ins Haus. Wenn nicht schnell frisches Geld fließt, droht der Absturz in die Regionalliga.

Hamburgs Hakan Calhanoglu geht mit gesenktem Kopf vom Platz. Der HSV verlor gegen Augsburg mit 1:3. dpa

Hamburgs Hakan Calhanoglu geht mit gesenktem Kopf vom Platz. Der HSV verlor gegen Augsburg mit 1:3.

HamburgNoch tickt die berühmteste Stadionuhr Deutschlands. Sekundengenau zeigt sie die Zugehörigkeit des HSV zur Bundesliga an. Doch mittlerweile erinnert sie eher an einen Countdown. Die Zeit des Bundesliga-Dinos scheint abzulaufen. Auf dem Platz steht eine völlig verunsicherte Mannschaft; neben dem Platz ein unfähiges Management. Gemeinsam manövrierten sie den HSV in eine existenzbedrohende Lage.

Wenn der Verein nach dem 34. Spieltag auf einem direkten Abstiegsplatz steht oder spätestens nach den beiden Relegationsspielen den bitteren Gang in die 2. Liga antreten muss, dann könnten die Gegner in der kommenden Saison nicht SV Sandhausen, VFR Aalen oder Erzgebirge Aue, sondern Goslar SC 08, BSV SW Rehden oder BV Cloppenburg heißen.

Und auch bei einem Bundesligaverbleib muss der mit knapp 100 Millionen Euro verschuldete HSV um die Lizenz zittern; bei einem Abstieg droht der totale Absturz bis in die Regionalliga Nord. Jahrelanges Missmanagement hat seinen Preis und könnte den HSV für Jahre von der Landkarte des Profifußballs wischen.

Die Rekord-Absteiger der Bundesliga

1. FC Nürnberg

Bei bislang sieben Abstiegen in den Jahren 1969, 1979, 1984, 1994, 1999, 2003 und 2008 bringt der erneute Abstieg in dieser Saison den „Klubberern“ den zweifelhaften Titel des „Bundesliga-Rekordabsteigers“ ein.

Arminia Bielefeld

Die Leidensgeschichte der Arminia aus Bielefeld hat auch sieben Kapitel und begann 1972 auf der „Alm“, sie setzte sich 1979, 1985, 1998, 2000, 2003 und 2009, dem bislang letzten Bielefelder Bundesliga-Abstieg, in der „Schüco-Arena“ fort.

Hertha BSC Berlin

Die Hertha aus Berlin überraschte in dieser Saison mit guten Leistungen, stieg aber bereits sechs Mal aus der höchsten deutschen Fußballliga ab. Die Achterbahnfahrt begann 1965 und setzte sich über die Jahre 1980, 1983, 1991 und 2010 fort. Unvergessen bleibt der Abstieg 2012 nach dem Skandal im Relegationsspiel gegen Fortuna Düsseldorf.

VfL Bochum

Der Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet spielt derzeit in der zweiten Bundesliga, weitestgehend ohne Chancen auf einen baldigen Aufstieg. Insgesamt sechs Mal stieg der VfL Bochum bereits aus der ersten Bundesliga ab. Allerdings beginnt die Serie erst in den Neunzigerjahren (1993, 1995 und 1999) und setzt sich über die Jahre 2001, 2005 und 2010 fort.

MSV Duisburg

Der Meidericher Sportverein stieg bislang sechs Mal aus der ersten deutschen Fußballliga ab (1982, 1992, 1995, 2000, 2006 und 2008). Nach einem gescheiterten Insolvenzverfahren rutschte der MSV Duisburg in der laufenden Saison in die dritte Liga ab.

Karlsruher SC

Mit einer furiosen Hinrunde in der zweiten Bundesliga weckte der KSC in Karlsruhe Aufstiegshoffnungen, konnte diese aber zum Ende der Saison nicht erfüllen. Abstiege gab es in der Geschichte des KSC häufig. Insgesamt sechs Mal (1968, 1977, 1983, stieg der Karlsruher Verein aus der ersten Bundesliga ab (1968, 1977, 1983, 1985, 1998 und 2009).

Fortuna Düsseldorf

Mit Abstiegen aus der ersten Bundesliga ist die Fortuna aus Düsseldorf vertraut. Insgesamt fünf Mal musste der Verein die Bundesliga verlassen, zuletzt im vergangenen Jahr. Die vier weiteren Abstiege liegen bereits einige Jahre zurück (1967, 1987, 1992 und 1997).

1. FC Köln

Düsseldorfs Konkurrent, der 1. FC Köln, stieg ebenfalls fünf Mal aus der höchsten deutschen Fußballliga ab. 1998, 20902. 2004, 2006 und 2012 musste der Kölner Verein die Bundesliga wegen Punktemangels verlassen. Als Meister der zweiten Bundesliga wird der 1. FC Köln in der nächsten Saison wieder im Oberhaus spielen.

FC St. Pauli

Der Hamburger Kiezklub FC St. Pauli aus Hamburg stieg bislang fünf Mal aus der Bundesliga ab (1978, 1991, 1997, 2002 und 2011). In der Saison 2014/2015 wird es höchstwahrscheinlich zum ersten Mal ein Hamburger Stadtderby in der zweiten deutschen Bundesliga geben.

KFC Uerdingen

Der KFC Uerdingen spielte Jahrzehnte in der deutschen Bundesliga, bis er 1996 nach einem dramatischen Abstiegskampf in die zweite Bundesliga wechseln musste und seitdem bis in die vierte Liga durchgereicht wurde. Fünf Mal stieg der Krefelder Stadtteilverein bislang aus der ersten Liga ab (1976, 1981, 1991, 1993 und 1996).

Mahnend hob bereits im April DFL-Präsident Reinhard Rauball im Sport1-„Doppelpass“ den Zeigefinger in Richtung HSV: „Die Entscheidung über den HSV ist bei der DFL noch nicht endgültig gefallen. Das Entscheidende ist die Liquidität. Die muss sichergestellt sein.“ Rhetorisch gekonnt konterte der Vorstandsvorsitzender des HSV, Carl Edgar Jarchow, den Fingerzeig des DFL-Präsidenten: „Die Entscheidung über die Lizenzvergabe könne ja zu dem frühen Zeitpunkt auch noch nicht gefallen sein.“

Alarmstufe Rot-Hosen

Jarchow versteht es, Situationen runterzuspielen. Vehement betont er, dass die Lizenz zur Spielberichtigung im deutschen Profifußball nicht in Gefahr ist. Selbst einen Absturz in die 2. Bundesliga würde der Fußball-Dino überleben: „Wir sind der Überzeugung, dass wir auch die Lizenz für die 2. Liga bekommen würden“, sagt der Klubchef. Seine Überzeugung beruht auf einer simplen Rechnung: „Natürlich wäre der Etat in der 2. Liga geringer. Dann würde man sich sicherlich auch von dem einen oder anderen Spieler trennen müssen.“

Doch Edgar Jarchow verklärt die Situation: Ohne außerordentliche Einnahmen von 10 Millionen Euro bei zukünftiger Erstligazugehörigkeit - beziehungsweise 20 Millionen Euro beim Absturz in die 2. Bundesliga - erteilt die DFL vielleicht dem Klub von Elbe und Alster keine Lizenz für den deutschen Profifußball. Das Eigenkapital des Vereins ist aufgebraucht. Dem HSV droht ein Erwachen in der Regionalliga Nord. Noch bis zum 28. Mai hat der Bundesliga-Dino Zeit, das Horrorszenario abzuwenden.

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