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14.09.2016

17:33 Uhr

Affäre um WM 2006

Beckenbauers Anwälte verteidigen die Millionen-Zahlung

DFB-Präsident Reinhard Grindel verurteilt die jüngsten Erkenntnisse über eine Millionen-Zahlung an Franz Beckenbauer in der WM-Affäre 2006. Die Anwälte des einstigen Fußball-Kaisers verteidigen die Zahlung.

Seine Anwälte verteidigen die 5,5-Millionen-Euro-Zahlung. dpa

Franz Beckenbauer

Seine Anwälte verteidigen die 5,5-Millionen-Euro-Zahlung.

BerlinFür den DFB ist der „Fall Beckenbauer“ das nächste schwere Ärgernis rund um das WM-Sommermärchen 2006. Präsident Reinhard Grindel reagierte am Mittwoch in Athen mit deutlicher Kritik auf die 5,5 Millionen Euro, die Franz Beckenbauer als ehrenamtlicher Präsident des Organisationskomitees (OK) aus dem Budget der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 erhalten hat.

„Es war bekannt, dass Franz Beckenbauer im Umfeld der WM 2006 als Werbeträger für Oddset tätig war. Es war uns bis Montagnachmittag nicht bekannt, dass er dafür die beachtliche Summe von 5,5 Millionen aus dem Topf für die Organisation der WM 2006 erhalten hat“, sagte Grindel. Und der 54-Jährige, der seit April Präsident des größten Fachsportverbandes der Welt ist, legte noch nach: „Man kann vor diesem Hintergrund sicher nicht davon sprechen, dass seine Tätigkeit im OK ehrenamtlich war.“

Nach Auskunft von Beckenbauers Anwälten hat dieser das Geld für „seine werblichen Aktivitäten für den von ihm geworbenen Sponsor Oddset“ erhalten. Es handle sich um eine prozentuale Beteiligung an den Einnahmen des DFB aus diesem Geschäft. Die Höhe sei nach dem Ende der WM 2006 vom DFB ermittelt worden, erklärten die Anwälte am Mittwoch in einem Statement, das der dpa vorlag.

Beckenbauer im Steckbrief

Zur Person

Geburtstag: 11. September 1945, Geburtsort: München-Giesing

Erfolge als Nationalspieler

Weltmeister 1974, Vize-Weltmeister 1966, WM-Dritter 1970, Europameister 1972, Vize-Europameister 1976

Erfolge als Vereinsspieler

Europapokalsieger der Landesmeister 1974, 1975 und 1976; UEFA-Cupfinalist 1982 mit dem Hamburger SV; Europacupsieger der Pokalsieger 1967 mit Bayern München; Weltpokalsieger 1976 mit Bayern München; DFB-Pokalsieger 1966, 1967, 1969, 1971 mit Bayern München; Deutscher Meister 1969, 1972, 1973, 1974 mit Bayern sowie 1982 mit dem HSV; US-Meister Soccer Bowl 1977, 1978, 1980 mit Cosmos New York; Europas Fußballer des Jahres 1972, 1976; Deutscher Fußballer des Jahres 1966, 1968, 1974, 1976; 396 Bundesligaspiele (44 Tore)

Wichtige Auszeichnungen I

Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1976; Ehrennadel der FIFA; Silbernes Lorbeerblatt 1966, 1967, Bayerischer Verdienstorden 1982; Goldener Ehrenring der Stadt München 1982; Ehrenspielführer der deutschen Fußballnationalmannschaft 1982; Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1986; Bambi 1986, 1990, 1995, 2000; Goldene Ehrenmünze der Landeshauptstadt München 1995

Wichtige Auszeichnungen II

Platz 3 bei der Wahl zum Weltfußballer des 20. Jahrhunderts 1999; Jahrhundert-Verdienstorden des Fußball-Weltverbandes FIFA 2004; Ehrendoktor der Nationalen Sportakademie Sofia 2004; Bambi in der Kategorie Millennium-Bambi 2005; Persönlicher Preis des Bayerischen Ministerpräsidenten beim Bayerischen Sportpreis 2005; Großer Verdienstorden am Bande (höchste Auszeichnung) des Südamerikanischen Fußballverbandes Conmebol 2006; Auszeichnung mit der „Goldenen Sportpyramide“ der Deutschen Sporthilfe für sein Lebenswerk 2006; Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 2006; Walther-Bensemann-Sonderpreis bei der Verleihung des Deutschen Fußball-Kulturpreises 2006; Laureus World Sports Awards Preis für das Lebenswerk 2007; Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Sports 2008; Ehrenpräsident FC Bayern München 2009

Der 71-Jährige selbst äußerte sich bislang nicht persönlich zu den neuen Vorwürfen. Er hatte bei seiner Präsentation als Chef des WM-Organisationskomitees vor 16 Jahren betont: „Ich mache das natürlich ehrenamtlich.“

Behauptungen, Beckenbauer habe 5,5 Millionen für die WM 2006 oder für ein Ehrenamt kassiert, seien falsch, befanden die Juristen der einstigen Lichtgestalt des deutschen Fußballs, der als Spieler 1974 und als Trainer 1990 Weltmeister geworden war. Als Beckenbauer dann noch die WM nach Deutschland holte, war sein Ruhm auf dem Höhepunkt.

Lotto Bayern teilte am Mittwoch mit, es habe im Zusammenhang mit der WM 2006 keine vertraglichen Beziehungen von Oddset und/oder der Lotterieverwaltung zu Beckenbauer gegeben. „Dementsprechend gab es auch keine Honorarvereinbarungen und keine Honorarzahlung. Vertragspartner von Herrn Beckenbauer war der DFB“, hieß es weiter. „Das Werbehonorar erhielt Herr Beckenbauer vom DFB.“ Hauptverhandlungspartner der Lotterieverwaltung beim Verband sei dessen damaliger Präsident Theo Zwanziger gewesen.

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