Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.07.2012

14:48 Uhr

Amtlich festgestellt

Welt-Fußballverband Fifa ist korrupt

VonRobert Ide
Quelle:Tagesspiegel

Es ist eine Sensation: Die Fifa, der mächtige Fußball-Weltverband, räumt einen millionenschweren Korruptionsskandal ein. Jahrelang schwiegen die Funktionäre, auch Präsident Sepp Blatter. Nun ist es nicht mehr zu leugnen.

Sepp Blatter macht gute Miene zum bösen Spiel. Reuters

Sepp Blatter macht gute Miene zum bösen Spiel.

Diese Nachricht ist eine Sensation: Die Fifa ist korrupt. Das musste der Fußball-Weltverband am Mittwochabend erstmals selbst zugeben. Nach nun veröffentlichten Dokumenten der Schweizer Ermittlungsbehörden (gegen deren Offenlegung die Fifa lange Zeit verbissen vorging) haben sich der einstige Fifa-Präsident Joao Havelange und sein früherer Schwiegersohn Ricardo Teixeira in den Neunzigerjahren von der mittlerweile insolventen Marketingfirma ISMM/ISL schmieren lassen. Allein an Teixeira, der zuletzt maßgeblich für die Vergabe der Fußball-WM 2014 an Brasilien verantwortlich zeichnete und erst kürzlich aus der Fifa-Exekutive ausgeschieden ist, sind mindestens zehn Millionen Euro geflossen.

Insgesamt sind vom Fifa-Vermarkter ISL Provisionen in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro gezahlt worden; großzügig bedacht wurden dabei Funktionäre, welche im Namen des Fußballs und zum Nutzen ihrer Privatkonten die lukrativen Vermarktungsrechte der Fußball-Weltmeisterschaften vergaben. Die Fifa ist also korrupt – hat man das nicht schon immer ge-ahnt-wusst? Was soll an dieser Nachricht eine Sensation sein? Ganz einfach: Sie ist jetzt amtlich.

Die selbsternannten Herrscher der Fußballwelt haben nach Jahren der juristischen Feilscherei einräumen müssen, was nicht mehr zu leugnen war. Nun muss sich die Fifa fragen lassen, warum sie mehr als ein Jahrzehnt lang nicht zur eigenen Aufarbeitung fähig war. Nur deshalb konnte Teixeira noch die großen Deals vor der WM in Brasilien einfädeln (von denen er und seine Familie ebenfalls finanziell profitierten), nur deshalb ist Havelange immer noch Ehrenpräsident des hochherrschaftlich in Zürich residierenden Unternehmens, das offiziell als Fußballverband fungiert, steuersparend als Verein eingetragen ist, vor allem aber als Geldgewinnmaschine arbeitet.

Dieser Weltverband lebt in seiner ganz eigenen Welt. Das sieht man schon an der Replik von Fifa-Präsident Joseph Blatter am Donnerstag, in der indirekt zugab, von den Zahlungen gewusst, diese aber nicht für strafbar gehalten zu haben. Schließlich seien die Provisionen Ende der Neunzigerjahre sogar steuerlich absetzbar gewesen. „Man kann die Vergangenheit nicht mit den Maßstäben von heute messen“, meint Blatter. „Sonst endet man bei der Moraljustiz.“ Dass er mit diesem nonchalanten Abtun großflächiger Korruption die kleine Fifa-Welt retten kann, ist allerdings fraglich. Denn die Schweizer Behörden sprechen dem ganzen System die Glaubwürdigkeit ab – und zwar mit dem Satz: „Nicht infrage gestellt werden kann die Feststellung, dass die Fifa Kenntnis von Schmiergeldern an Personen ihrer Organe hatte.“

Die Fifa wusste alles. Und das Herrschaftswissen erstreckte sich bis hoch zu Blatter, wie dieser nun verdruckst zugibt. Warum ist Blatter (der gerne von Transparenz, Reformen und Moral spricht, um die Fifa doch noch reif zu reden für einen Friedensnobelpreis) nicht eingeschritten, warum hat er nicht wenigstens mal nachgefragt? Hat Blatter die Schmiergeldzahlungen geduldet, um seine Untertanen in der Exekutive zu befriedigen und später auch noch erpressen zu können? War nicht der Chef des pleitegegangenen Fifa-Vermarkters ISL, Jean-Marie Weber, ein langjähriger Freund und Geschäftspartner des absolutistischen Fußballregenten? Hat vielleicht sogar Blatter selbst...

Man kann das zu Ende denken oder nicht. Man kann es glauben, man kann es nicht glauben (es gibt auch Indizien, die dagegen sprechen). Eines aber steht glaubhaft fest, weil es endlich amtlich ist: Die Fifa ist korrupt.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

13.07.2012, 15:58 Uhr

Der gesamte Profifußball gehört als Gewerbe eingestuft. Wenn ein Turnverein seine Halle vermietet, riskiert er seine Gemeinnützigkeit, und parallel dazu werden die Millionen im Fußball ungeniert auf Vereinsebene abgewickelt. Bei der FIFA sollte die Schweiz gleich am Montag anfangen.

Wahrheit

13.07.2012, 16:16 Uhr

Momentan ist die Aufregung GROß! Konsequenzen wie auf privater Ebene wird es nicht geben, dazu habt die Justiz keinen Arsch in der Hose. Unser eins wäre schon in U-Haft.

Account gelöscht!

14.07.2012, 14:17 Uhr

Die FIFA muss als Firma geführt werden und soll wie alle anderen, die Geld verdienen, tüchtig Steuern zahlen.
Zudem ist es längst überfällig, dass die gesammte FIFA-Führung abgesetzt wird und mit neuen unkorrupten Köpfen eine neue Führungaliga aufgebaut werden.
Eigentlich schade, dass der gute Gedanke der FIFA, durch Subjekte wie Blatter und seine korrupten Vorgänger, so lange in den Dreck gestossen wurde. NEUSTART sehr SINNVOLL

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×