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08.05.2017

11:01 Uhr

Analyse zu Borussia Dortmund

Watzke schießt Trainer Tuchel entlassungsreif

VonThomas Schmitt

Die Börse hasst Überraschungen. Deshalb bereitet Geschäftsführer Watzke die wichtigste Entscheidung der Saison öffentlich vor. Nun beginnt beim BVB die Suche nach einem neuen Trainer, egal wie das Pokalfinale ausgeht.

Ende einer Zweck-Partnerschaft? Die Zeichen zwischen BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (links) und Trainer Thomas Tuchel deuten auf Trennung. dpa

Watzke trifft Tuchel

Ende einer Zweck-Partnerschaft? Die Zeichen zwischen BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (links) und Trainer Thomas Tuchel deuten auf Trennung.

DüsseldorfDie öffentliche Schelte hat BVB-Boss Hans-Joachim Watzke sicher einkalkuliert. Wenn er kurz vor einem sehr wichtigen Spiel ein Interview mit Kritik am Trainer freigibt, dann garantiert dies Aufmerksamkeit. Schon lange gärt es hinter den Kulissen beim börsennotierten Fußballklub Borussia Dortmund. Nun ist im Konflikt zwischen Verein und Thomas Tuchel eine Vorentscheidung gefallen.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat mit geschickten Formulierungen Trainer Thomas Tuchel derart entscheidend angeschossen, dass diesem am Ende der Saison nur der vorzeitige Abschied bleibt. Bis zum Pokalfinale wird Tuchel noch auf die Zähne beißen, um seinen ersten Titel zu holen. Dann wird sein Vertrag wohl vorzeitig aufgelöst werden – im gegenseitigen Einvernehmen.

Das dürfte Tuchel nun klar sein, und das wissen nun auch alle, die mit dem BVB zu tun haben. Wenn in nächster Zeit Gerüchte über mögliche neue BVB-Trainer hochkommen, wird sich keiner mehr wundern. Dass Watzke mit seinem entscheidenden Angriff gegen Tuchel nicht gewartet hat, hängt mit dem öffentlichen Status des Vereins zusammen.

Der BVB ist börsennotiert, und Anleger hassen unerwartete Neuigkeiten, weil dies Unsicherheit bedeutet. Und genau solch eine unliebsame Überraschung wäre es gewesen, wenn Tuchel am Ende einer erfolgreichen Saison, womöglich mit dem Titel Pokalsieger, entlassen worden wäre. Mit Watzkes Attacke ist nun klar: Der Boss hat strategisch alles im Griff.

Stimmen zur Watzke-Kritik an Tuchel

Thomas Tuchel

„Es kann eine absolute Topsaison werden. Davon dürfen wir uns nicht ablenken lassen. Für das Interview von Herrn Watzke habe ich vor dem Spiel keine Energie aufgebracht. Das bleibt auch jetzt so.“

Stefan Effenberg

„Gezielte Spitzen in der Öffentlichkeit sind nicht nachvollziehbar, es ist eine sehr gute Saison bisher.“

Schwatzgelb.de

„Im Grunde sind beim BVB drei Alpha-Tiere aufeinandergestoßen, die es nicht vermocht haben, an einem Strang zu ziehen. Nicht einmal eine Zweckehe scheint mehr möglich. Ein dauerhafter Kleinkrieg aber würde dem Verein weiter schaden und so lässt sich die Trennung von Thomas Tuchel nach dem Pokalsieg wohl kaum vermeiden.“

„Focus“

„Wer lügt? Stimmung in Dortmund auf dem Nullpunkt“

„Reviersport“

„Schwache Anführer hätten in dieser Situation geschwiegen und die Dinge laufen lassen. Notfalls ins Verderben. Starke Anführer packen die Dinge aus einer Position der Stärke an, bevor die Lage in die falsche Richtung rutscht. Eines ist unzweifelhaft: Watzke ist ein starker Anführer.“

„Rheinische Post“

„Watzke handelt vereinsschädigend. Indem er Risse in seinem Verhältnis zu Trainer Thomas Tuchel offenbart, erweist BVB-Boss Hans-Joachim Watzke sich und seinem Verein einen Bärendienst.“

„Welt“

„Watzke und Tuchel mögen sich nicht, das ist kein Geheimnis. Trotzdem gab es einen Aufschrei der Entrüstung, als das Interview von Watzke mit der Funke-Mediengruppe am Samstag am Tag des wichtigen Spiels des BVB gegen die TSG Hoffenheim veröffentlicht wurde.“

Spox.com

„Irreparabler Schaden. Watzke stellte den Trainer auf eine Art und Weise bloß, die nicht nur in der aktuellen Phase unangebracht ist. Watzkes Verhalten ist völlig fehl am Platz und verhindert wohl die weitere Zusammenarbeit.“

„11 Freunde“

„Eigentor vom Chef: Eigentlich müsste man ja froh sein, dass Watzke für Gesprächsstoff frei Haus sorgt. Davon lebt der Fußball, lebt die Berichterstattung schließlich. Auf der anderen Seite kann man über den Inhalt, vor allem aber über den Zeitpunkt seiner Wortmeldung nur den Kopf schütteln.“

BVB-Trainer Tuchel hat zwar sportlich die Kurve genommen und könnte seine Leistung mit dem Sieg im Pokalfinale krönen. Doch nicht zuletzt wegen seines charismatischen Vorgängers Jürgen Klopp wird ein BVB-Trainer inzwischen nicht allein am sportlichen Erfolg gemessen. Das Vereinsmotto „Echte Liebe“ will gelebt sein, so wünschen es sich die Vordenker des Vereins.

Dazu zählt zwar kein inniges, aber wohl ein vertrauensvolles Verhältnis der Führungskräfte. Davon kann wohl schon länger keine Rede sein. „Seit Jahresbeginn reden Tuchel und Watzke nur noch das Mindeste miteinander“, stellt „Bild“ fest. Richtig deutlich zeigte sich der Bruch ausgerechnet in der Debatte rund um den Anschlag auf den BVB-Bus.

Kommentare (5)

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Herr Andreas Kettler

08.05.2017, 13:05 Uhr

Watzke und Zorc sollten endlich ihre Koffer packen.
Was bitte schön haben die schon zusammen gebracht ausser Spieler auf ihrem Zenith ziehen zu lassen und sie dann abgehalftert und überteuert zurück zu holen?
Und der Rauball 'trägt natürlich alle Entscheidungen mit', eine Krähe pickt ja der anderen kein Auge aus.
Immer dieses öffentliche Mimosengetue.
Es wird eh Zeit, dass der Watzke und der Hoeness Spielmoderatoren auf Vollzeit werden in ner gemeinsamen show. Der Zorc kann ja Assistent oder sowas sein

Frau Annette Bollmohr

08.05.2017, 15:42 Uhr

Mario Zagallo, mit dem als Nationaltrainer Brasilien 1970 die Fußball-Weltmeisterschaft gewann, sagte einmal: "Brasilien hat 170 Millionen Nationaltrainer".

Da wäre Tuchel mit nur einem „Co-Trainer“ ja noch gut bedient…

War sowieso eine blöde Idee, aus einem Fußballverein ein börsennotiertes Unternehmen zu machen. Na klar geht’s dann fast nur noch ums Geld („Echte Liebe“? Pah.)

Bezüglich der Überkommerzialisierung sieht‘s aber, wie jeder weiß, woanders auch nicht besser aus.

Der eigentliche Sinn und Zweck des Fußballs – Spaß und Freude am Spiel – wird davon jedenfalls schon viel zu sehr vereinnahmt.

Mit sportlicher Fairness hat das alles auch nicht mehr viel zu tun.

Herr Paul Kersey

09.05.2017, 10:33 Uhr

Ein zutiefst trauriger Moment für Dortmund. Ich freue mich sehr, beim Pokalfinale dabei sein zu können und Tuchel mit sicherlich mindestens 35.000 anderen Dortmundern mit Standing Ovations zu verabschieden. Sehr, sehr unprofessionelles Verhalten, lieber Herr Watzke!

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