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09.03.2016

16:57 Uhr

Angriff auf Champions League

„Endspiel um die Weltherrschaft im Fußball“

VonThomas Schmitt

Ein amerikanischer Milliardär lockt die großen Fußballklubs in Europa – mit Geld und Prestige. Ob Barca, Bayern & Co. in den Köder Superliga beißen? Investor Sven Schmidt glaubt das. Denn: „Fußball ist nicht mehr lokal.“

Das Endspiel in der Uefa Champions League war 2015 in Berlin. Wie lange wird es den wichtigsten Wettbewerb im europäischen Fußball noch geben? Investoren suchen Unterstützer für eine Superliga - als Konkurrenz zur Champions League. AFP; Files; Francois Guillot

Finale

Das Endspiel in der Uefa Champions League war 2015 in Berlin. Wie lange wird es den wichtigsten Wettbewerb im europäischen Fußball noch geben? Investoren suchen Unterstützer für eine Superliga - als Konkurrenz zur Champions League.

Sven Schmidt, geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger ICS Internet Consumer Services GmbH, berät Technologieunternehmen und investiert in sie. Er sucht hohe Renditen, ist sportbegeistert und kennt England gut. 

Herr Schmidt, ein amerikanischer Investor bastelt an einer europäischen Superliga. Wem schadet das?
Es geht um eine Konkurrenz zur Champions League. Und das ist keine Überraschung.  

Die Champions League ist doch ein großer finanzieller Erfolg, der Wettbewerb schüttet viele Millionen Euro an die Teilnehmer aus.
Die Champions-League-Ausschüttungen sind von 2012 bis 2015 nur um etwa 25 Prozent gestiegen, während die Premier League im gleichen Zeitraum die Einnahmen um über 70 Prozent  gesteigert hat. Erfolg ist immer relativ. Das Geld wird zudem an viele Vereine ausgeschüttet, aber nur etwa zehn Vereine sind die Werttreiber der Champions League. 

Wen meinen Sie?
Einerseits sind das die fünf finanzstarken englischen Vereine Manchester United, Manchester City, FC Arsenal, FC Liverpool und Chelsea. Außerdem der FC Barcelona, Real Madrid, Bayern München, Paris SG und Juventus Turin. Auf diese Klubs konzentriert sich das größte Zuschauerinteresse.

Länderbilanz in Champions und Europa League 2015/16

Spiele, Tore, Punkte

Die Klubs aus den sieben großen Ligen haben bis zum 6. April 343 Spiele absolviert. Dabei fielen 554 Tore. Im Schnitt sammelten die Ligen 1,63 Punkte pro Spiel. Die Bilanz:
Quelle: Handelsblatt / Viebahn

1. Primera Division (Spanien)

67 Spiele, 129 Punkte, 1,93 Punkte pro Spiel

2. Bundesliga

60 Spiele, 109 Punkte, 1,82 Punkte pro Spiel

3. Serie A (Italien)

42 Spiele, 67 Punkte, 1,60 Punkte pro Spiel

4. Premier League (England)

55 Spiele, 86 Punkte, 1,56 Punkte pro Spiel

5. Primiera Liga (Portugal)

40 Spiele, 58 Punkte, 1,45 Punkte pro Spiel

6. Premjer Liga (Russland)

36 Spiele, 50 Punkte, 1,39 Punkte pro Spiel

7. Ligue A (Frankreich)

43 Spiele, 59 Punkte, 1,37 Punkte pro Spiel

Warum sind diese Klubs mit der Champions League unzufrieden?
Diese Vereine erhalten nur einen Bruchteil der Erlöse des Wettbewerbs und sind wahrscheinlich davon überzeugt, dass man den Wettbewerb noch besser vermarkten könnte. 

Die Verteilung der Gelder in der Champions League hängt damit zusammen, dass die höchsten Ausschüttungen an den sportlichen Erfolg in diesem Wettbewerb geknüpft sind. Das ist doch nur gerecht, oder?
Wenn dem so wäre, wäre das gerecht. Aber zum einen behalten die Uefa und ihre Funktionäre immer mehr Geld selbst ein, und zum anderen wird allein die Teilnahme an der Gruppenphase sehr großzügig honoriert. Änderungen im Modus haben übrigens dazu geführt, dass wieder mehr Vereine aus kleinen Ligen an der Gruppenphase teilnehmen können. 

Champions und Europa League: Geldflut für Deutsche

Großverdiener Bayern

Startgeld: 12 Millionen Euro

Prämien: 7,5 Millionen Euro

Achtelfinale: 5,5 Millionen Euro

Marktpool: 24 Millionen Euro

Summe: 49 Millionen Euro

Aufteilung

Insgesamt hat der FC Bayern wohl schon 49 Millionen Euro in der laufenden Saison der Königsklasse eingenommen. Zum Startgeld (12 Millionen) und den Prämien für Punkte (7,5 Millionen Euro) sowie den Einzug ins Achtelfinale (5,5 Millionen Euro) kommen die Einnahmen aus dem „Marktpool“ (24 Millionen Euro).

Vorteil

Da Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen ausgeschieden sind, erhöht sich ab sofort der Anteil des FC Bayern und des VfL Wolfsburg. Die Zuschauereinnahmen der Münchner liegen bislang bei etwa 12 Millionen Euro.

Wolfsburg

Der VfL Wolfsburg kommt auf 40,5 Millionen Euro. Zu Startgeld und Prämien von bislang 23,5 Millionen Euro (inklusive Achtelfinaleinzug) kommen vorerst etwa 17 Millionen Euro aus dem Marktpool. Mit jedem weiteren Spiel erhöht sich nun nicht nur die Prämie, auch der prozentuale Anteil am Marktpool wird größer – und für Mönchengladbach sowie Leverkusen prozentual geringer. Hinzu kommen etwa 3,5 Millionen Euro aus den Zuschauereinnahmen.

Ausgeschiedene

Entsprechend können sich die Einnahmen von Gladbach und Leverkusen noch verringern. Sicher haben beide Mannschaften bislang Startgeld, Prämien und Zuschauereinnahmen sowie den Fixbetrag aus dem Marktpool.

Mönchengladbach

Gladbach kommt nach der Gruppenphase damit mindestens auf rund 26,5 Millionen Euro von der Fifa (14,5 Millionen Startgeld/Prämien, mindestens 12 Millionen Euro aus dem Marktpool). Hinzu kommen 6 Millionen Zuschauereinnahmen.

Leverkusen

Bayer bekommt 27 Millionen (15 Millionen Startgeld/Prämien, 12 Millionen aus dem Marktpool). Immerhin: Bayer Leverkusen kann sich in der Europa League noch ein bisschen was dazuverdienen. Hinzu kommen 4 Millionen Zuschauereinnahmen

Europa League

Im Vergleich dazu sind die Einnahmen aus der Europa League ein Klacks, weil Startgelder, Prämien und Marktpool nur ein Bruchteil des Niveaus der Königsklasse erreichen. Augsburg, Dortmund und Schalke kommen bisher zusammen auf 17,27 Millionen Euro.
Augsburg: 5,48 Millionen Euro
Dortmund: 5,6 Millionen Euro
Schalke: 6,19 Millionen Euro

Die Premier League wird doch sicher gegen eine Superliga sein, und finanziell braucht die Premier League dieses Geld auch gar nicht.
Das Kerngeschäft der Premier League, das hervorragend läuft, wird erstmal nicht tangiert. Im Gegenteil: Mehr Startplätze und noch mehr Geld für englische Vereine in einer neuen Superliga wären vorteilhaft. In einer neuen Superliga hätte die Premier League aufgrund ihrer globalen Attraktivität sicherlich die meisten Startplätze. Und das würde ihre Stellung weiter festigen: Noch mehr Einnahmen finanzieren noch mehr Stars. Die Starken werden noch stärker, so ist das im Plattformgeschäft.

 

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