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09.07.2013

14:54 Uhr

Anklage gegen Hoeness

„Habe Riesenmist gebaut“

Der Präsident des FC Bayern München muss möglicherweise noch in diesem Sommer mit einer Anklage wegen Steuerhinterziehung rechnen. Ihm droht ein öffentlicher Prozess. Hoeneß zeigt sich zerknirscht.

Uli Hoeneß muss mit einer Anklage wegen Steuerhinterziehung rechnen. dpa

Uli Hoeneß muss mit einer Anklage wegen Steuerhinterziehung rechnen.

MünchenDie Münchner Staatsanwaltschaft will offenbar noch in diesem Sommer Anklage gegen Uli Hoeneß erheben. Das berichtet die „Bild“. Der Präsident des FC Bayern München soll Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben. Werde die Anklage zugelassen, müsse sich Hoeneß einem öffentlichen Prozess stellen, heißt es in dem Bericht. Mutmaßlich würde dieser vor der 5. Wirtschafts- und Steuerstrafkammer des Landgerichts München II stattfinden.

Der Vorsitzende Richter soll laut Bericht Rupert Heindl sein. Er soll kein Fan von Absprachen zwischen Anwälten und Staatsanwaltschaft sein. Die Münchner Staatsanwaltschaft hat diese Nachricht nicht bestätigt. Der Sprecher wird in dem Text mit den Worten zitiert, dass man weiterhin keine Angaben zum Gang des Verfahrens mache. Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich sagte am Dienstag in München: „Die Ermittlungen dauern an.“ Im April waren die Ermittlungen der Münchner Staatsanwälte gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung öffentlich bekanntgeworden. Der Präsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München hatte sich im Januar selbst bei den Finanzbehörden angezeigt.

Die Steuer-Affäre um Hoeneß

2001 bis 2006

Hoeneß spekuliert im großen Stil an der Börse mittels eines Kontos in der Schweiz. Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus habe ihn mit Millionen unterstützt. „Es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes“, sagte Hoeneß im Mai 2013 der „Zeit“. Nach anfänglichen Gewinnen habe er aber hohe Verluste gemacht und seine Aktivitäten an der Börse zurückgefahren.

Oktober 2010

Deutschland und die Schweiz unterzeichnen ein neues Doppelbesteuerungsabkommen und vereinbaren Verhandlungen zur Legalisierung von nicht versteuerten deutschen Geldern auf Schweizer Bankkonten.

April 2012

Beide Länder unterzeichnen ein Zusatzprotokoll. Geldanlagen von Bundesbürgern in der Schweiz aus den vergangenen zehn Jahren sollen danach von 2013 an pauschal mit 21 bis 41 Prozent besteuert werden - nicht wie zunächst vereinbart mit 19 bis 34 Prozent. Das Schweizer Parlament billigt das Abkommen im Mai, der Bundestag stimmt im Oktober zu.

November 2012

Die von SPD und Grünen regierten Bundesländer lassen das Abkommen im Bundesrat scheitern.

Dezember 2012

Auch im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat kommt keine Einigung zustande.

12. Januar 2013

Hoeneß zeigt sich beim Finanzamt selbst an, die Staatsanwaltschaft München leitet ein Ermittlungsverfahren ein. Er hatte vergeblich auf das kurz zuvor gescheiterte Steuerabkommen gesetzt.

20. März 2013

Hoeneß bekommt in seinem Haus am Tegernsee Besuch von der Staatsanwaltschaft. Gegen Hoeneß lag sogar ein Haftbefehl vor, der aber außer Vollzug gesetzt wird. Die Rede ist von einer Kaution in Millionenhöhe.

20. April 2013

Das Nachrichtenmagazin „Focus“ macht den Fall öffentlich und berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft und Hoeneß selbst. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagt in München, er sei „seit geraumer Zeit“ über das Verfahren gegen Hoeneß informiert. Später präzisiert die Landesregierung: Das Finanzministerium wusste seit 17. Januar von der Selbstanzeige, Seehofer wurde am 25. Januar vom Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft informiert.

21. April 2013

Hoeneß schließt einen Rücktritt als Präsident des FC Bayern München aus. In der Folge häuft sich die Kritik, vor allem die Politik erkennt das Potenzial zum Wahlkampfthema. Sogar Kanzlerin Angela Merkel rückt von Hoeneß ab. Geschlossen bleiben hingegen die Reihen beim FC Bayern.

23. April 2013

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über den Haftbefehl und die Millionen-Kaution. Hoeneß besucht trotzdem das Halbfinal-Hinspiel seines FC Bayern in der Champions League gegen den FC Barcelona und freut sich im Stadion über ein 4:0.

1. Mai 2013

Hoeneß gibt via „Zeit“ voller Reue Einblick in sein Seelenleben. Seinen FC Bayern, dessen Spiel er am Abend in Barcelona bejubelt, nimmt er gegen jeden Verdacht in Schutz. Der Vereinspräsident schließt Verbindungen seines Schweizer Kontos zum Rekordmeister aus. Frühzeitig verlässt er das nächtliche Bankett.

4. Mai 2013

Hoeneß verzichtet auf einen Besuch des brisanten Bundesliga-Auswärtsspiels bei Borussia Dortmund. Stattdessen schaut er sich das Playoff-Match seiner Basketballer gegen Alba Berlin an.

6. Mai 2013

In München ist eine Aufsichtsratssitzung des FC Bayern angesetzt. Dort geht es auch um die Zukunft des allmächtigen Vereinspatrons gehen. Der Aufsichtsrat stellt sich hinter Hoeneß und lässt ihn im Amt – bis möglicherweise neue Erkenntnisse vorliegen.

11. Mai 2013

Die Anwälte von Uli Hoeneß erstellen Anzeige gegen Unbekannt wegen Verletzung des Steuergeheimnisses. Die Schuldigen, die Informationen über die Steuerhinterziehung haben durchsickern lassen, werden auch in der Münchner Staatsanwaltschaft gesucht.

1. Juni 2013

Mit dem Sieg im DFB-Pokal holt sich der FC Bayern endlich das ersehnte Triple. Hoeneß ist auf der Tribüne mit dabei und wirkt angespannt. Die Fans feiern ihn mit Sprechchören.

13. Juli 2013

Der SPIEGEL meldet, dass Uli Hoeneß mit einer Bewährungsstrafe rechnen kann. Die meisten der Straftaten seien nämlich mittlerweile verjährt.

Im April war bekanntgeworden, dass Hoeneß im Januar mit einer Selbstanzeige die Hinterziehung von Steuern eingeräumt hatte. Er soll die Erträge von Kapitalanlagen in der Schweiz vor dem Fiskus verborgen haben. Berichten zufolge soll er 3,2 Millionen Euro Steuern nachgezahlt haben. Er habe „Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch“, sagte Hoeneß anschließend in einem Interview.

Hoeneß war zuletzt bei der Vorstellung von Pep Guardiola am 24. Juni öffentlich aufgetreten. „Uli hat sich etwas zurückgezogen. Ich finde das klug und richtig. Ich wünsche und hoffe, dass die Geschichte gut für ihn ausgeht“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in der „Bild“-Zeitung (Dienstag).

Vom Vorstand des FC Bayern war Hoeneß öffentlich wiederholt der Rücken gestärkt worden, ebenso vom Kontrollgremium. Der Aufsichtsrat hatte am 6. Mai nach Angaben des FC Bayern das Angebot des 61-jährigen Hoeneß abgelehnt, sein Amt als Vorsitzender des neunköpfigen Gremiums ruhen zu lassen, bis die Behörden über seine Selbstanzeige entschieden haben. Der Aufsichtsrat des FC Bayern hatte auch angekündigt, die Angelegenheit weiterhin zu beobachten „und sich bei Vorliegen neuer Erkenntnisse mit dem Thema zu befassen“.

Drahteln zum Diktat

Hoeneß vor der Steueraffäre: „Ich brauche keine Berater“

Drahteln zum Diktat: Hoeneß über sein Geld: "Ich brauche keine Berater"

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Kommentare (39)

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VERARSCHER

09.07.2013, 08:33 Uhr

"Habe Riesenmist gebaut"!!!
Das ist nicht so schlimm, wie es ausschaut. Herrn Hoeness ist eben fad, er ist nur von FUSSBALL umgeben, nur Leute mit geringer ausgeprägtem Sachverstand als er selbst. Da braucht man schon Abwechslung, er hätte auch ein Buch schreiben können "FUSSBALL, die größte Abzocke und Verarsche". Das wäre sicherlich millionenmal verkauft worden!

Tabu

09.07.2013, 09:01 Uhr

Habe Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter
Mensch,sagt Hoeneß
-----------------------
Riesenmist gebaut,ist eine ziemlich pubertäre
Aussage.
Nun braucht man ja als Fußballer nicht gerade den
Kopf um erfolgreich zu sein und millionen zu
scheffeln..Auch als Manager mit einem Millionen
Publikum,läßt sich alles spielend vermarkten.
Aber 20 extra Millionen,alleine nur zum zocken,
um seiner Suchtbefriedigung nachzugehen,ist
hochgradig unreif.Von diesen Riesenmistbauern
getarnt in Anzug und Krawatte,um einen seriösen
Anstrich zu vermitteln,hab ich schon lange die
Nase voll.Kommen diese doch immer ungeschoren
davon.
Allerdings gehörten korrupte Politiker und Bankster
als erstes auf die Anklagebank..Von den griechischen
Politikern,seh ich da aber niemanden,auch von Goldman Sachs und Konsorten nicht..Der Bürger wäre etwas
weniger wütend,wenn hier das System gerecht wäre.
Leider wird immer noch der Kleine,zuerst gehangen
und die großen Gesellschaftsschädlinge,läßt man
laufen und der Steuerzahler,berappt in Milliardenhöhe
deren Vergehen.

huch

09.07.2013, 09:16 Uhr

Was sind denn bitteschön "Gesellschaftsschädlinge"?

Und wessen Sprachmuster bedienen sich Tabu dabei???

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