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12.04.2017

09:46 Uhr

Anschlag auf BVB-Bus

Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen

Wer steckt hinter dem Sprengstoff-Anschlag auf den BVB-Bus? Ein Bekennerschreiben deutet offenbar auf einen islamistischen Hintergrund hin. Die Ermittler prüfen aber auch die Authentizität eines zweiten Schreibens.

Explosion am BVB-Bus

Dortmund – Das sagt der Borussia-Sprecher über Bartras Zustand

Explosion am BVB-Bus: Dortmund – Das sagt der Borussia-Sprecher über Bartras Zustand

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DortmundNach der Sprengstoff-Attacke auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund hat die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen übernommen. Das teilte die oberste Ermittlungsbehörde am Mittwoch mit und kündigte für 14.00 Uhr weitere Informationen an. Die Zeitung „Die Welt“ berichtet zudem, das Bundeskriminalamt (BKA) sei mit Ermittlungen beauftragt worden. Es wird offensichtlich in alle Richtungen ermittelt.

Dabei wird ein islamistischer Hintergrund nicht ausgeschlossen. Nach Informationen von „Süddeutscher Zeitung“, NDR, WDR sowie der Deutschen Presse-Agentur vom Mittwoch wird einem Bekennerschreiben auf den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt und den Einsatz deutscher Tornado-Kampfflugzeuge in Syrien Bezug genommen.

Die Ermittler prüfen aber auch die Authentizität eines zweiten Bekennerschreibens, das möglicherweise aus der antifaschistischen Szene kommt. Nach Informationen der dpa wird in dem am späten Dienstagabend im Internet verbreiteten Schreiben in Antifa-Duktus erklärt, der Bus sei mit eigenes für den Anschlag angefertigten Sprengsätzen als „Symbol für die Politik des BVB“ attackiert worden, die sich nicht genügend gegen Rassisten, Nazis und Rechtspopulisten einsetze.

Explosion am BVB-Bus: Die Fakten

19.15 Uhr

Am Dienstagabend gegen 19.15 Uhr detonieren drei Sprengsätze nahe dem Mannschaftsbus. Wie die Polizei später bekannt gibt, waren die Sprengsätze in einer Hecke versteckt. Die Ermittler sprechen von einem gezielten Anschlag auf die Mannschaft.

Große Wucht

Die verstärkten Scheiben des Busses gingen durch die Wucht der Detonationen teilweise zu Bruch, die Spieler versuchten, sich nach der Detonation auf den Boden des Fahrzeugs zu werfen, berichtete ein BVB-Sprecher.

20.30 Uhr

Um 20.30 Uhr gibt der Verein bekannt, dass das Spiel abgesagt ist. Es soll am Mittwoch um 18.45 Uhr nachgeholt werden.

Bekennerschreiben

In der Nähe des Tatorts wurde ein mögliches Bekennerschreiben gefunden. „In dem Schreiben wird Verantwortung für die Tat übernommen“, sagte Staatsanwältin Sandra Lücke am Dienstagabend in Dortmund.

Versuchte Tötung

Es werde wegen des „Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts“ ermittelt, sagte ein Sprecher der Behörden.

Bartra schwer verletzt

Der BVB-Verteidiger und spanische Nationalspieler Marc Bartra wurde schwer an der Hand verletzt. Er brach sich eine Speiche im rechten Handgelenk. Außerdem verletzten ihn Glassplitter. Noch am Dienstagabend wurde er in einem Krankenhaus operiert.

Verdächtiger Gegenstand

Ein weiterer verdächtiger Gegenstand, der in der Nähe des Tatorts gefunden wurde, war nach ersten Erkenntnissen kein scharfer Sprengsatz. Es sei zwar ein sprengsatzähnlicher Gegenstand gefunden worden, dieser habe aber nicht gezündet, sagte Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange.

Mehr Polizei

Die Polizei hat vor dem Nachholspiel zwischen Borussia Dortmund und AS Monaco verschärfte Sicherheitsmaßnahmen für die Fußballer beider Mannschaften ergriffen. „Wir werden alles Menschenmögliche dafür tun, dass das Spiel morgen sicher ablaufen kann“, sagte Lange.

Keine Gefahr im Stadion

Im Stadion gab es nach Polizeiangaben keinerlei Gefahr. Die Fans verließen das Stadion nach der Absage friedlich, auch am Bahnhof kam es laut Polizei zu keinerlei Problemen.

Keine Pyrotechnik

Bei den Sprengsätzen handelte es sich nach Angaben der Ermittler nicht um Pyrotechnik.

Lob der Polizei

Die Dortmunder Polizei hat das Verhalten der Zehntausenden Fußballfans nach der kurzfristigen Absage des Champions-League-Spiel gegen den AS Monaco gelobt. „Das ist gestern mit sehr viel Ruhe abgelaufen, und das hat uns natürlich als Polizei und sicherlich auch dem Verein sehr geholfen“, sagte Nina Vogt, Sprecherin der Dortmunder Polizei, am Mittwochmorgen im ZDF. „Ich glaube, da können wir alle sagen, dass wir auf die Reaktionen gestern nur stolz sein können“, betonte sie.

Am Morgen nach der Sprengstoff-Attacke sichert die Polizei den Tatort mit massiven Kräften ab. An den Zufahrten standen Einsatzkräfte mit Maschinenpistolen und schusssicheren Westen. Querstehenden Polizeiautos blockierten die Straßen.

Die Polizei geht von einem gezielten Angriff auf den Bus der Dortmunder aus und sprach vom Verdacht auf ein versuchtes Tötungsdelikt. Ein mögliches Bekennerschreiben werde „intensiv“ auf seine Echtheit geprüft, hatte Staatsanwältin Sandra Lücke am Dienstagabend gesagt.

Nach der Attacke gehen die Ermittlungen am Tatort mit Hochdruck weiter. „Die Kollegen sind am Tatort“, sagte ein Sprecher der Polizei Dortmund am Mittwochmorgen. Dabei gehe es um die Spurensuche. Aber auch der BVB-Mannschaftsbus, den Beamte sichergestellt hätten, werde untersucht. Die Ermittlungen der Polizei liefen die Nacht durch. Wie viele Beamte im Einsatz sind, wollte der Sprecher nicht sagen.

Die Polizei teilte am frühen Mittwoch mit, dass neben BVB-Verteidiger Marc Bartra auch ein Beamter durch die drei Explosionen gegen 19.15 Uhr neben dem Mannschaftsbus verletzt worden war. Der Polizist fuhr auf einem Motorrad vor dem Bus, um ihn zum Stadion zu begleiten, wie ein Sprecher sagte. Er habe ein Knalltrauma und einen Schock erlitten und sei nicht dienstfähig.

Trainer Thomas Tuchel und die Vereinsspitze versuchen derweil, das geschockte Team für das Champions-League-Spiel am Mittwoch gegen den AS Monaco wieder aufzurichten. Das ursprünglich für Dienstag angesetzte Spiel war nach den Attacken kurzfristig abgesagt und auf Mittwoch verlegt worden. Es muss wegen des engen Rahmenterminplans beider Mannschaften unbedingt an diesem Tag stattfinden. Gerade zum Saisonende sind die Spielpläne so eng getaktet, dass es für die Topteams,, die in mehreren Wettbewerben aktiv sind, nur ganz wenige Ausweichtermine gibt.

Kommentare (39)

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Herr Peter Kastner

12.04.2017, 08:11 Uhr

spielt die zeitliche Nähe zu Ostern eine Rolle?

Herr Hans-Jörg Griesinger

12.04.2017, 08:29 Uhr

Erstmal muß man froh sein, dass der BVB mit einem verletzten Spieler glimpflich bei diesem Anschlag davon kam. Hätte der BVB-Mannschaftsbus keine Panzerglasscheiben gehabt, wäre mit Sicherheit den Spielern viel mehr passiert. Erkenntnis aus dem Anschlag ist, niemand kann sicher heute in D noch sicher sein. Auch keine unter Polizeibegleitung stehenden Spitzensportler.
Und es würde mich sehr überraschen, wenn sich bei den Ermittlungen Herausstellen sollte, dass nicht der IS oder fanatisch motivierte, muslimische Terrorzellen hinter dem Bombenanschlag stecken würden. Wer sonst sollte ein Interesse daran haben, eine international bekannte Fussballmanschaft anzugreifen, mit dem Ziel, Spieler im Bus zu töten.
Für mich sind dass alles keine Einzelfälle mehr.
[...]Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.
http://www.handelsblatt.com/netiquette 
 

Herr Hans-Jörg Griesinger

12.04.2017, 08:35 Uhr

Dem beim Anschlag verletzten BVB Spieler wünsche ich auf diesem Wege schnelle und vollständige Genesung und alles Gute.

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