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03.02.2015

07:44 Uhr

Anstoß

Die Bundesliga braucht mehr Weltmeister

VonLucas Fuhr

Die Bundesliga muss spannender werden. Millionen-Transfers wie der von André Schürrle sind da gute Nachrichten. Denn Teams mit Topsponsoren, wie der VfL Wolfsburg, können dem FC Bayern Paroli bieten. Ein Kommentar.

DüsseldorfAndré Schürrle kehrt zurück in die Bundesliga. Der Transfer des Vorlagengebers zum Weltmeister-Tor nach Wolfsburg ist zweifellos der spektakulärste Wechsel dieses Winters – und der teuerste: Satte 30 Millionen Euro lassen die Niedersachsen sich dem Vernehmen nach die Verpflichtung des Flügelstürmers kosten.

Eine stolze Summe, an der sich wohl wieder altbekannte Diskussionen entzünden werden über „Traditions-“ und „Plastikklubs“, wobei letztere mit geschenkten Millionen angeblich den Liga-Wettbewerb unterminieren. Gern fallen solche Äußerungen im Zusammenhang mit Klagen darüber, wie spannungsarm die vom FC Bayern München nach Belieben dominierte Bundesliga geworden ist – zurecht.

Ja, der Abstiegskampf ist packend. Ja, die Krise der eigentlich als zweite deutsche Fußballmacht etablierten Borussia aus Dortmund taugt, um in Atem zu halten. Und auch die Duelle um die internationalen Plätze versprechen noch einige Brisanz. Doch es ist nun einmal so: Ein längst entschiedener Meisterschaftskampf nimmt dem Wettbewerb einfach immens an Reiz.

Der FC Bayern macht mittlerweile den dritthöchsten Umsatz aller Fußballklubs in Europa und ist dem Rest der Liga längst um Meilen enteilt, das ist Tatsache. Kein anderes deutsches Team schafft es auch nur unter die Top-Ten der „Geldliga“.

Zahlen und Fakten zum 18. Bundesliga-Spieltag

VfL Wolfsburg - Bayern München 4:1 (2:0)

Wolfsburg war von Beginn an im Spiel, immer wieder kamen die Wölfe mit schnellen Kontern gefährlich vor das Tor der Bayern. Schon in der vieren Minute erzielte Bas Dost den Führungstreffer, in der 45. Minute legte er per Traumtor nach. In der 53. Minute knipste der überragende Kevin De Bruyne schon fast die Vorentscheidung. Nach dem Anschlusstreffer von Bernat erzielte der Belgier dann sogar noch den 4:1-Endstand.

Schalke 04 - Hannover 96 1:0 (1:0)

In den ersten 45 Minuten sind die Gastgeber nach verhaltenem Start die bessere Mannschaft und gehen verdient durch Höger in Führung (32.). In den zweiten 45 Minuten spielen die Gäste dann mutig nach vorne und haben 75 Prozent Ballbesitz. Giefer oder eigenes Unvermögen verhindern aber den Ausgleich. In der 85. Minute sieht der schwache Huntelaar nach einem rüden Tritt noch die Rote Karte. Damit wird Schalke wohl einige Wochen auf seinen Torjäger verzichten müssen.

FSV Mainz 05 - SC Paderborn 5:0 (1:0)

Mit einem Paukenschlag beendet Mainz die Serie von neun Spielen ohne Sieg. Yunus Malli bringt die Gastgeber gegen den SC Paderborn nach sechs Minuten in Front. In der Phase vor der Halbzeit haben die Gastgeber Glück, dass sie nicht den Ausgleich kassieren. Mit dem Treffer von Malli nach 43 Sekunden in der zweiten Hälfte ist Paderborn gebrochen. Im weiteren Spielverlauf sorgen Pablo de Blasis (69.), Sami Allagui (82.) und Johannes Geis per Strafstoß (87.) für den 5:0-Endstand.

SC Freiburg - Eintracht Frankfurt 4:1 (0:1)

Die ersten 45 Minuten gehen insgesamt auf das Konto der Frankfurter. Nach einem Blitztor durch Russ zum 1:0 (1.) geben sie aber nach knapp 20 dominanten Minuten das Spiel an Freiburg ab, das, sichtlich motiviert, aber zu inkonsequent mit seinen Chancen umgeht. Die zweite Hälfte wird zur plötzlichen One-Man-Show von Nils Petersen. Darida nutzt einen Elfmeter zum mittlerweile verdienten 1:1-Ausgleich (61.), dann schlägt die Stunde des Ex-Bremers: Mit einem lupenreinen Hattrick (63., 69. und 88.) befördert er sein neues Team aus der Abstiegszone und lässt sprachlose Frankfurter zurück, die sich zu lange auf ihrer Führung ausgeruht haben.

VfB Stuttgart - Borussia Mönchengladbach 0:1 (0:0)

Die Gladbacher kommen besser ins Spiel und könnten früh durch Stranzl führen (3.). Im zweiten Durchgang macht Stuttgart etwas mehr für die Offensive und kommt zu einigen Chancen. Pechvogel des Spiels ist Niedermeier, der zwei Großchancen liegen ließ. Er köpft aus vier Metern drüber (52.) und schießt aus vier Metern an die Latte (90.+1). Gladbach macht insgesamt mehr fürs Spiel und kommt etwas glücklich zum 1:0. Herrmann vollendet einen Konter (71.).

Hamburger SV - 1. FC Köln 0:2 (0:0)

In der ersten Halbzeit beginnt der HSV gut und kommt durch Olic zu Tormöglichkeiten. Ujah hätte für die Führung der Gäste sorgen müssen, Drobny kann jedoch parieren (24.). Folgerichtig geht es mit einem 0:0 in die Pause. In der zweiten Halbzeit sind die Kölner die bessere Mannschaft und gehen durch Risse (62.) verdient in Führung. Danach verliert der HSV etwas den Faden. In der 78. Minute entscheidet wieder Risse die Partie und erhöht auf 2:0. Ein gerechtes Ergebnis!

Bayer Leverkusen - Borussia Dortmund 0:0 (0:0)

Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund teilen sich gerecht die Punkte. Beim 0:0 in der ausverkauften BayArena sehen die 30.210 Zuschauer eine chancenarme und über weite Strecken zerfahrene Partie. Auf Seiten von Leverkusen hat Gonzalo Castro in der 39. Minute die beste Gelegenheit, bei der Mats Hummels für den geschlagenen Roman Weidenfeller auf der Linie klärt. Dortmund bäumt sich in der zweite Halbzeit auf, der bemühte Ciro Immobile (50.) scheitert mit einem Schuss aus spitzem Winkel knapp. In der Schlussphase macht Leverkusen mehr Druck, das Tor des BVB gerät aber zu keinem Zeitpunkt mehr ernsthaft in Gefahr.

Werder Bremen - Hertha BSC 2:0

Im Abstiegskampf gelingt Werder Bremen ein Befreiungsschlag. Mit 2:0 bezwingt Bremen Hertha BSC. Die Führung gelingt Di Santo mit einem Heber über Kraft zum 1:0 kurz vor der Pause (43.). Nach dem Wechsel ist es erneut Di Santo, der per Direktabnahme für das 2:0 sorgt (69.). Durch den Sieg klettert Werder mit 20 Punkten auf Platz zwölf. Hertha BSC fällt mit 18 Punkten auf den 15. Platz zurück.

FC Augsburg - TSG Hoffenheim 3:1

In einer umkämpften Partie behält der FC Augsburg mit 3:1 gegen die TSG Hoffenheim die Oberhand. Die Führung zum 1:0 gelingt Altintop per Kopf (39.). Mit einem direkt verwandelten Freistoß erhöht Werner auf 2:0 (42.). Kurz vor der Pause verkürzt Firmino auf 2:1 (45.). In der Nachspielzeit sorgt Bobadilla mit dem 3:1 für die Entscheidung (90+3.).

„Geld schießt keine Tore“, könnte hier als alte Weisheit Otto Rehhagels angeführt werden. Doch die wird leider immer noch all zu oft missverstanden: Rehhagel meinte mit der Aussage lediglich die Unmöglichkeit, Geldsäcke auf den Platz zu stellen.

Dass teuer eingekaufte Spitzenspieler sehr wohl Tore schießen, war auch „König Otto“ bewusst. Die Wahrheit ist: Ein Konkurrent für den FC Bayern würde auch finanziell konkurrenzfähig sein müssen.

Der VfL Wolfsburg hat – als 100-prozentige Tochter des Automobilriesen VW mit reichlich Mitteln ausgestattet – für viel Geld neue Spieler gekauft. Knapp 49 Millionen waren es in der letzten, rund 12 Millionen Euro in dieser Saison. Ohne Schürrle, versteht sich.

Fußball: Die teuersten deutschen Spieler

„CIES Football Observatory“

Die Schweizer Experten von Cies errechnen den Transferwert eines Spielers mit einem exklusiven Algorithmus, der auf der Basis von mehr als 1500 Transfergeschäften seit 2009 entwickelt wurde. Neben den persönlichen Merkmalen (Alter, Position, Vertragsdauer) umfasst der Algorithmus die Resultate der Spieler in ihren Klubs und in der Nationalelf sowie ihre Leistungsdaten (Tore, Vorlagen, Dribblings, etc.).

Quelle: Cies, Stand: Januar 2015

11. Platz: Bastian Schweinsteiger

Verein: FC Bayern München

Vertrag bis: 2016

Transferwert: 20 Millionen Euro

10. Platz: Julian Draxler

Verein: FC Schalke 04

Vertrag bis: 2018

Transferwert: 24 Millionen Euro

9. Platz: Mats Hummels

Verein: Borussia Dortmund

Vertrag bis: 2017

Transferwert: 25 Millionen Euro

8. Platz: André Schürrle

Verein: FC Chelsea

Vertrag bis: 2018

Transferwert: 30 Millionen Euro

7. Platz: Marco Reus

Verein: Borussia Dortmund

Vertrag bis: 2017

Transferwert: 34 Millionen Euro

6. Platz: Jerome Boateng

Verein: FC Bayern München

Vertrag bis: 2018

Transferwert: 35 Millionen Euro

6. Platz: Manuel Neuer

Verein: FC Bayern München

Vertrag bis: 2019

Transferwert: 35 Millionen Euro

4. Platz: Mesut Özil

Verein: FC Arsenal

Vertrag bis: 2018

Transferwert: 36 Millionen Euro

3. Platz: Thomas Müller

Verein: FC Bayern München

Vertrag bis: 2019

Transferwert: 39 Millionen Euro

2. Platz: Toni Kroos

Verein: Real Madrid

Vertrag bis: 2020

Transferwert: 41 Millionen Euro

1. Platz: Mario Götze

Verein: FC Bayern München

Vertrag bis: 2017

Transferwert: 52 Millionen Euro

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