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30.11.2014

15:44 Uhr

Anstoß – Die Bundesliga-Kolumne

Der fliegende Trainer-Holländer Stevens

VonStefan Kreitewolf

Tabellenletzter, kein Sportmanager, keine Perspektive: Es brennt beim VfB Stuttgart. Genau das richtige Arbeitsumfeld für den Fußball-Feuerwehrmann Huub Stevens. Der „Knurrer von Kerkrade“ ist zurück und gewinnt wieder.

Huub Stevens ist zurück in Stuttgart: Bei seiner Rückkehr würfelte der Nachfolger vom Nachfolger Armin Veh sein Team ordentlich durch: In Freiburg begann er im Vergleich zum 0:1 gegen den FC Augsburg mit vier Neuen. ap

Huub Stevens ist zurück in Stuttgart: Bei seiner Rückkehr würfelte der Nachfolger vom Nachfolger Armin Veh sein Team ordentlich durch: In Freiburg begann er im Vergleich zum 0:1 gegen den FC Augsburg mit vier Neuen.

KölnDie Bundesliga ist eine glatt gebügelte Maschinerie, gesegnet mit exzellenten Trainern. Neben akribischen Matchplanern wie Christian Streich oder charmanten Motivationsmonstern wie Jürgen Klopp ist mit Pep Guardiola sogar das Göttliche in die Bundesliga eingekehrt. Und dennoch klaffte eine Lücke. Es fehlte ein galliger Despot mit Arbeitercharme.

Huub Stevens hat diese Lücke geschlossen. Obwohl der „Knurrer von Kerkrade“ nicht gerade als Gute-Laune-Onkel bekannt ist, kündigte er nach seiner Ankunft in Stuttgart an, „den Spaßfaktor reinbringen“ zu wollen.

Der 4:1-Sieg im baden-württembergischen Derby gegen den SC Freiburg am Freitag beweist: Wirklich Spaß macht seine Art Fußball zu spielen nicht, auch wenn die Stuttgarter teilweise einen sehr ansehnlichen One-Touch-Fußball auf den Rasen zauberten.

Dennoch: Dass erfrischendes Offensivspiel nicht sein Fall ist, zeigte das Derby ebenfalls. Dafür beherrscht Stevens das Feuerlöschen in Reinform. Mit ihm auf der Trainerbank rappelte sich der VfB Stuttgart auf. Nach drei Niederlagen ohne eigenen Treffer klingelte es gleich vier Mal im Freiburger Gebälk.

Bei seiner Rückkehr würfelte der Nachfolger vom Nachfolger sein Team ordentlich durch: In Freiburg begann er im Vergleich zum 0:1 gegen den FC Augsburg mit vier Neuen.

Der 13. Spieltag

SC Freiburg - VfB Stuttgart 1:4

Der VfB Stuttgart und sein neuer/alter Trainer feiern ein perfektes Comeback in der Bundesliga. Das ehemalige Tabellenschlusslicht gewinnt beim SC Freiburg mit 4:1 (1:1) und bereitet seinem Coach eine triumphale Rückkehr auf die Trainerbank. Martin Harnik (31., 76.), Carlos Gruezo (52.) und Timo Werner (68.) schießen einen klaren Sieg heraus, mit dem so lange nicht zu rechnen ist. Aber die bis zur 60. Minute überlegenen Gastgeber, die durch Vladimir Darida zum Ausgleich kommen (42.), leisten sich böse Fehler. Vor allem Mitrovic erwischt einen rabenschwarzen Abend. Nicht nur, dass seine Ballverluste die Gegentore zwei und drei nach sich ziehen, wegen einer Notbremse fliegt der Serbe auch noch mit Rot vom Platz (70.).

FC Schalke 04 - Mainz 05 4:1

S04 gewinnt durch eine gute Chancenverwertung und einen starken Choupo-Moting. Die Tore erzielen Klaas-Jan Huntelaar (9./25./61.) per Hattrick und Tranquillo Barnetta (54.). Mainz hat zwar viele Spielanteile, kommt aber nicht oft gefährlich vor das Tor von Fährmann und lässt sich zu einfach auskontern. Den zwischenzeitlichen Anschlusstreffer schießt Shinji Okazaki (44.).

Bayer Leverkusen - 1. FC Köln 5:1

Die Kölner erwischen einen perfekten Start in die Partie. Lehmann trifft in der vierten Minute per Strafstoß zum 1:0. Der Ausgleich in der 26. Minute durch Bellarabi erfolgt unter gütiger Mithilfe von Kölns Schlussmann Timo Horn, der einen Freistoß von Calhanoglu nicht festhalten kann. In der zweiten Halbzeit kommt Leverkusen sehenswert durch Calhanoglu per Freistoß zur Führung (61.). Ein Doppelpack von Drmic (79., 88.) und wieder Bellarabi (90+1.) entscheiden die Partie. Leverkusen gewinnt verdient aber etwas zu hoch mit 5:1.

FC Augsburg - Hamburger SV 3:1

Nach dem Schock zum Halbzeitpfiff durch Rafael van der Vaart (45.) kommen die Gastgeber mit mehr Schwung aus der Kabine. Nach dem frühen Ausgleich durch Halil Altintop (50.) dreht Raul Bobadilla in der 62. Minute das Spiel endgültig. Nach dem umstrittenen Elfmeter von Paul Verhaegh (70.) ist das Spiel praktisch entschieden. Durch die Leistungssteigerung der Gastgeber im zweiten Durchgang geht der Sieg in Ordnung.

Hertha BSC - FC Bayern München 0:1

In der ersten Hälfte dominieren die Münchner das Spiel. Ein Schuss nach dem andere segelt auf das Berliner Tor. In der 27. Minute ist es dann Robben, der einen sehenswerten Schuss links im Kasten versenkt. In Hälfte zwei zeigen die Berliner dann auch gute Szenen. Von Beginn an sind sie offensiver und trauen sich auch mal vor das Tor von Neuer. Eine richtig zwingende Chance ist aber nicht dabei, und so gewinnt der Rekordmeister knapp, aber verdient bei der Hertha.

SV Werder Bremen - SC Paderborn 4:0

Über die gesamten 90 Minuten ist Werder Bremen im Heimspiel gegen Paderborn das bessere Team. Die Bremer sind bissiger in den Zweikämpfen und zielstrebiger in ihren Offensivaktionen. Vor allem bei Standards wissen die Norddeutschen zu gefallen. Zlatko Junuzovic (10.), Davie Selke (48.), Fin Bartels (50.) und Levent Aycicek (80.) sind die Torschützen. Paderborn enttäuscht auf der ganzen Linie.

TSG Hoffenheim - Hannover 96 4:3

In einem Torfestival behält Hoffenheim die Oberhand. Schon in der ersten Halbzeit sind die Schwaben das bessere Team und gehen durch Schwegeler (19.) und Volland (37.) in Führung. Doch 96 gelingt noch vor der Pause der Anschlusstreffer durch Stindl (43.). In Hälfte zwei sind die Niedersachsen dann stärker und gleichen durch Joselu in der 52. Minute aus. Hoffenheim will aber gewinnen und geht durch Polanski (59.) und Süle (63.) wieder in Führung. Zum Schluss machen es die Hannoveraner nochmal spannend als Stindl in der 86. Minute das 4:3 macht. Zum Schluss geht aber 1899 als Sieger vom Platz und das verdient.

VfL Wolfsburg - Borussia Mönchengladbach 1:0

Der VfL Wolfsburg bleibt Bayern-Jäger. Mit 1:0 behalten die Wölfe gegen Borussia Mönchengladbach die Oberhand. Das Tor des Tages erzielt Knoche. Nach Flanke von Schäfer bringt der Verteidiger aus kurzer Distanz die Kugel zum 1:0-Siegtreffer im Tor unter (12.). Gladbach agiert über weite Strecken zu schwach, um wenigstens einen Punkt zu entführen

Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund 2:0

Eintracht Frankfurt setzt seinen Siegeszug fort. Die Hessen behalten mit 2:0 gegen Borussia Dortmund die Oberhand. Die 1:0-Führung gelingt Meier nach Pass von Russ (5.). Ein Missverständnis zwischen Ginter und Weidenfeller bestraft Seferovic mit dem 2:0-Endstand (78.).

Der mittlerweile 60-jährige Niederländer unterzeichnete noch am vergangenen Dienstag einen Vertrag beim krisengeplagten VfB Stuttgart. Keine 22 Stunden nach Armin Vehs unehrenhaftem Abschied ist er zurück und wieder einmal der Hoffnungsträger eines Tabellenletzten.

In der vergangenen Saison hatte Stevens den damals arg abstiegsbedrohten VfB erst zehn Spieltage vor Saisonschluss übernommen und den Abstieg in letzter Sekunde verhindert. Nun hat er viel mehr Zeit: 22 Spiele bleiben Stevens, um den VfB aus der Gefahrenzone zu führen

Mit einem Paukenschlag meldet sich Stevens in der höchsten deutschen Spielklasse zurück. Er trat auf, wie er immer auftrat, in altgewohnter Manier: Im Jogginganzug. Mit streng zurückgegelten Haaren.

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