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14.12.2014

09:53 Uhr

Anstoß – Die Bundesliga-Kolumne

Der Mann mit den magischen Handschuhen

VonStefan Kreitewolf

Zuletzt schrieb er ein Kinderbuch und liebäugelte mit einem Wechsel in die USA: Timo Hildebrand hat mit Eintracht Frankfurt sein Liga-Comeback gefeiert. Die 2:3-Pleite gegen Hoffenheim geht dennoch auch auf seine Kappe.

Zurück auf der Bundesligabühne: Eintracht-Torwart Timo Hildebrand. dpa

Zurück auf der Bundesligabühne: Eintracht-Torwart Timo Hildebrand.

KölnDer kleine Noja träumt von einer Karriere als Profifußballer. Er will Stürmer werden, bis ihm sein Papa zum Geburtstag magische Torwarthandschuhe schenkt. Von da an will er nur noch Bälle halten. So beginnt das Kinderbuch von Timo Hildebrand. Der frühere deutsche Nationaltorwart schien schon mit seiner Bundesliga-Karriere abgeschlossen zu haben.

Dass Hildebrand den Glauben an seine eigene Torwartkarriere in der Bundesliga bereits so gut wie abgeschrieben hatte, beweist neben der Veröffentlichung des Kinderbuches auch die Tatsache, dass er in der kommenden Rückrunde gerne in der US-amerikanischen Major League Soccer (MLS) eine Ehrenrunde als Fußballpensionär drehen würde.

Als er im vergangenen Sommer bei seinem damaligen Verein FC Schalke keinen Vertrag mehr erhielt, hatte er mehrere Wochen beim MLS-Klub Seattle Sounders mittrainiert und sich für ein Engagement im Januar empfohlen. Zu einer Verpflichtung kam es aber nicht.

Denn Frankfurts Manager Bruno Hübner zeigte plötzlich Interesse. Hildebrand sagte kurzerhand zu, die Aussicht noch einmal Bundesliga spielen zu können, war zu verlockend. Er war allerdings als Backup vorgesehen. Seine Rückkehr auf die große Bundesligabühne galt als höchst unwahrscheinlich.

Doch vor seinem endgültigen Abschied aus der Bundesliga sollte er noch einmal in den Fokus der deutschen Öffentlichkeit rücken: Nach mehr als einem Jahr Zwangspause stand Hildebrand am Freitag wieder zwischen den Pfosten seines neuen Vereins Eintracht Frankfurt – ausgerechnet gegen sein Ex-Klub Hoffenheim.

Nach einer Syndesmose-Verletzung des Stammtorhüters Kevin Trapp und einer Erkrankung des Ersatzmannes Felix Wiedwald kam Hildebrand unverhofft zum Einsatz. Mittlerweile bärtig, verriet das Funkeln in seinen Augen den besonderen persönlichen Moment. Er fing Bälle, schoss Abstöße und spielte Pässe. Trotzdem ging die 2:3-Niederlage maßgeblich auf seine Kappe.

Die fehlende Spielpraxis machte sich bemerkbar und Hildebrand war an fast allen Gegentoren mitbeteiligt. Der Zauber des Comebacks hatte ihm und seiner Mannschaft nichts genützt. Denn auch bei alten Helden wie Hildebrand gilt die Fußballerweisheit: Wenn er rauskommt, muss er ihn haben.

Dass dies ausgerechnet beim entscheidenden Ball der Partie passierte, ist Pech für Frankfurt und Hildebrand. Dass der Ball nach einer Weltklasse-Reaktion von seinem Arm vor die Beine des Hoffenheimers Adam Szalai kullerte, war zwar weniger ungestüm als unglücklich. Am Ende des Tages sieht die Aktion aber dennoch böse aus. Insbesondere wenn sie, wie hier, über Sieg und Niederlage entscheidet.

Dennoch sah der ehemalige Nationaltorwart nach der Niederlage nicht unglücklich aus. Er hatte erreicht, was er wollte: Ein weiteres Spiel in der Bundesliga über 90 Minuten. Es war sein 299. Dass er die 300-Spiele-Marke noch knackt, gilt als höchst unwahrscheinlich, da Frankfurts Stammtorwart Trapp wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen ist.

Obwohl die magischen Handschuhe aus seinem Kinderbuch nur in Hildebrands Phantasie eine Rolle spielen, wird er die Hoffnung nicht aufgeben. Das Vorwort seines Kinderbuches gibt das Motto für die nächsten Tagen vor: „Das Wichtigste ist, dass ihr immer an euch glaubt.“

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