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08.02.2015

08:55 Uhr

Anstoß – die Bundesliga-Kolumne

Di Matteos Kulturwandel tut Schalke gut

VonMarcel Reich

Schalke spielt aktuell nicht unbedingt den attraktivsten Fußball der Liga, doch dafür mit den erfolgreichsten. Di Matteos Mauertaktik wäre früher zerrissen worden, nun wird dem Trainer vertraut. Ein Kulturwandel.

Die Mauertaktik von Schalke-Coach Roberto Di Matteo wurde in der Hinrunde zwar oft kritisiert, ist aber ganz offensichtlich erfolgreich. AFP

Mauertaktik

Die Mauertaktik von Schalke-Coach Roberto Di Matteo wurde in der Hinrunde zwar oft kritisiert, ist aber ganz offensichtlich erfolgreich.

DüsseldorfDrei Spiele, sieben Punkte, Platz drei. Das Jahr 2015 könnte kaum besser laufen für den FC Schalke 04. Dabei überrascht vor allem die Art und Weise, wie die Knappen ihre Punkte einfahren: Coach Roberto Di Matteo hat der Mannschaft seine Mauer-Taktik in die DNA geschrieben.

Seit der Rückrunde spielen die Schalker mit gleich drei Innenverteidigern: Neuzugang Matija Nastasic, Joel Matip und Kapitän Benedikt Höwedes. Allesamt groß gewachsen, echte Schränke. Dazu spielen die Knappen nun in einem 5-3-2-System, alles ist auf eine stabile Defensive ausgelegt. Dem Gegner wird oft gerne der Ball überlassen, erst im letzten Drittel schnappt das Pressing der Königsblauen blitzartig zu. Das bekam am Freitag auch Mönchengladbach zu spüren. Die hatten zwischenzeitlich 80 Prozent Ballbesitz (!), Kapital konnten die Fohlen allerdings nicht daraus schlagen. Schalke gewann mit 1:0, wie schon im ersten Heimspiel gegen Hannover.

In der Hinrunde wurde Di Matteos Mauertaktik noch oft kritisiert. Ansehnlich ist das Schalker Spiel auch weiterhin nicht, doch nun gibt ihm der Erfolg recht. Es ist noch gar nicht so lange her, da hätten selbst Siege die Kritiker auf Schalke nicht ruhig gestellt. Vorgänger Jens Keller konnte Punkte sammeln wie er wollte, die Kritik an ihm und seiner Spielanlage ebbte nie ab.

Danach wurde nach alter Schalker Tradition ein Trainer mit „großen Namen“ gesucht, mit Di Matteo wurde man fündig. Dabei ist der eher ein Senkrechtstarter. Nach einer eher unspektakulären ersten Trainerstation im Jahr 2008 beim englischen Drittligisten Milton Keynes Dons kam er zum damaligen Zweitligisten West Bromwich Albion. Die „Baggies“ führte Di Matteo direkt in seiner ersten Saison zurück in die Premier League, wo er jedoch in der Folgesaison, im Februar 2011, schon wieder entlassen wurde.

Der 20. Bundesliga-Spieltag

Schalke 04 - Borussia Mönchengladbach 1:0

Schalke 04 bezwingt Gladbach mit 1:0. Das Spiel ist über weite Strecken ein Langweiler. Die Knappen stehen extrem eng und tief und nutzen ihre einzige Chance zum Siegtreffer durch Barnetta (10.). Die Fohlen laufen unentwegt an, schaffen es aber kaum in den Strafraum einzudringen. Die Schalker-Mauertaktik geht also letztlich auf und beschert S04 drei wichtige Punkte.

FSV Mainz 05 - Hertha BSC Berlin 0:2

Zwar sind zunächst die Gastgeber spielbestimmend, doch Mitte der ersten Hälfte wird Hertha mutiger. Ein Patzer von Karius hat einen Platzverweis für den Mainzer Schlussmann zur Folge. Den fälligen Strafstoß verwandelt Hegeler (35.). Beerens kann vor der Pause noch für Berlin erhöhen (42.). Nach dem Seitenwechsel wird Mainz etwas stärker und ist nach einer Gelb-Roten Karte gegen Lustenberger zumindest personell wieder gleichauf. Druck kann die Hjulmand-Elf aber nicht mehr ausüben, Hertha verteidigt das 2:0 über die Ziellinie.

SC Freiburg - Borussia Dortmund 0:3

Die erste Hälfte wird klar von Dortmund dominiert. Früh werden die Gäste für ihren blitzartigen Offensiv-Einsatz durch Marco Reus nach Aubameyang-Vorlage mit der 1:0-Führung belohnt (9.). Die zweiten 45 Minuten beginnen etwas gemächlicher, bis Aubameyang mit viel Übersicht von Gündogan bedient wird und zum vorentscheidenden 2:0 einnetzt (56.). In der 72. Spielminute gelingt dem Gabuner nach einem Pass von Kagawa sogar sein zweiter Treffer zum 3:0-Endstand.

VfL Wolfsburg - 1899 Hoffenheim 3:0

Wolfsburg brilliert schon zur Pause mit einer 2:0-Führung, maßgeblich beflügelt von einem starken Debüt von Weltmeister Andre Schürrle, der Dosts frühe Führung (3.) vorbereitet. Kevin De Bruyne räumt in der 28. Minute nahezu sämtliche Zweifel aus, wer denn als Sieger vom Platz gehen wird. Hoffenheim stellt sich aber quer, spielt nach der Pause wieder mit, scheitert aber mit zwei Großchancen durch Firmino (69.) und Modeste (70.) an Keeper Benaglio. Die Wölfe zittern, ehe De Bruyne mit seinem zweiten und sehenswerten Treffer (84.) das Spiel entscheidet.

VfB Stuttgart - FC Bayern München 0:2

Die Gäste siegen am Ende ungefährdet in Stuttgart. In einer höhepunktarmen Partie nutzen die Bayern ihre wenigen Chancen eiskalt aus. Beide Mannschaften stehen sicher in der Defensive und zeigen wenig Kreativität im Offensivspiel. Die Bayern waren über 90 Minuten die aktivere und bessere Mannschaft. Robben (41.) und Alaba (50.) sorgen mit spektakulären Treffern für den Auswärtssieg.

1. FC Köln - SC Paderborn 0:0

In der ersten Halbzeit ist der FC die bessere Mannschaft. Das Team von Peter Stöger spielt schneller und erarbeitet sich gute Chancen. Die beste hat Finne (43.), als er alleine auf das Tor zu läuft aber an Kruse scheitert. In Hälfte zwei wacht Paderborn auf und spielt auf einmal mit. Meha hat die beste Chance durch einen Kopfball (68.). Am Ende steht ein gerechtes 0:0.

Hamburger SV - Hannover 96 2:1

In einem packenden Derby gewinnt der Hamburger SV gegen Hannover 96 mit 2:1. Nachdem der Korkut-Elf ein Elfmeter zugesprochen wird, scheitert der Spanier Joselu an HSV-Schlussmann Drobny (23.). Nur drei Minuten später erzielt Marcelo ein Eigentor und der HSV führt glücklich. Nach dem Seitenwechsel sind die Gastegeber aktiver, Jansen erzielt verdient das 2:0 (50.). Nach dem 1:2-Anschluss durch Hannovers Sobiech (66.) verspricht die Schlussphase noch einmal Spannung, doch den Gästen ist kein Tor mehr vergönnt.

Werder Bremen - Bayer Leverkusen 2:1

Bei Werder Bremen darf gefeiert werden. Mit 2:1 behält der SVW gegen Bayer Leverkusen die Oberhand. Die Führung zum 1:0 gelingt Selke per Direktabnahme (17.). Per direkt verwandelten Freistoß erhöht Junuzovic auf 2:0 (29.). Kurz vor der Pause gelingt Calhanoglu nur noch der 2:1-Anschlusstreffer (43.). Mit viel Leidenschaft rettet Werder den knappen Sieg über die Zeit.

FC Augsburg - Eintracht Frankfurt 2:2

In einer intensiven Partie muss sich der FC Augsburg beim 2:2 gegen Eintracht Frankfurt mit der ersten Punkteteilung in dieser Saison begnügen. Die 1:0-Führung gelingt Klavan für den FCA (7.). Bobadilla erhöht auf 2:0 (37.). Mit dem Pausenpfiff verkürzt Aigner auf 2:1 (45+2.). Für den Endstand zum 2:2 sorgt Meier (70.).

Nachdem sich Di Matteo erfolglos als Cheftrainer bei Birmingham City bewarb, wurde er Im Sommer 2011 unter André Villas-Boas Co-Trainer beim FC Chelsea. Für die Blues war der in Schaffhausen in der Schweiz geborene Italiener zuvor schon sechs Jahre als Spieler aktiv. Nachdem Villas-Boas im März 2012 vom Hof gejagt wurde, durfte Di Matteo Chelsea für den Rest der Saison übernehmen – und führte die Blues völlig überraschend zum Gewinn der Champions League. Damals gewann man im Finale in München, gegen München.

Schon damals ließ Di Matteo einen, mit Verlaub, grausamen Fußball spielen. Am Ende war Chelsea wohl einer der unbeliebtesten Champions-League-Sieger der Geschichte. Im Kopf bleiben vor allem die Halbfinal-Spiele gegen den FC Barcelona, die kaum anzusehen waren.

Mit einem ähnlichen Stil lässt Di Matteo nun auch seine Schalker spielen, mit dem Unterschied, dass er nun nur noch Lob dafür bekommt. Denn zu der taktischen Geschlossenheit gesellen sich mit Einsatzbereitschaft und Zusammenhalt Attitüden, die im Ruhrgebiet gerne gesehen werden. Damit hat Schalke nun den direkten Champions-League-Platz drei erobert. Viel wird Di Matteo kaum an seinem System ändern, und so lange das Umfeld ruhig bleibt und die fußballerische Magerkost akzeptiert, könnte Schalke eine große Saison spielen.

So findet aktuell auf Schalke so etwas wie ein Kulturwandel statt. Fans und Verantwortliche schenken dem Trainer ihr Vertrauen, traditionelle Nebenkriegsschauplätze werden erst mal nicht bedient. Das gab es seit Ewigkeiten nicht mehr.

Kommentare (1)

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Frau Chiara Schwarz

09.02.2015, 13:58 Uhr

9 Punkte? Also ich zähle 7.

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