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26.10.2014

12:57 Uhr

Anstoß – die Bundesliga-Kolumne

Die Borussia aus Dortmund ist nur noch ratlos

VonVictor Fritzen

Auch die Champions-League-Trikots haben kein Glück gebracht. Beim 0:1 gegen Hannover 96 verpasst Borussia Dortmund die erhoffte Trendwende. Nach der vierten Bundesliga-Niederlage in Serie droht nun weiteres Unheil.

Bundesliga-Rückschau

Tabellenspitze rückt für BVB in unerreichbare Ferne

Bundesliga-Rückschau: Tabellenspitze rückt für BVB in unerreichbare Ferne

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DortmundAuf der Suche nach einem personifizierten Ausdruck für grotesk ambivalente Stimmungsschwankungen stößt man dieser Tage auf eine Mannschaft, die seit mehreren Jahren eigentlich für Erfolg steht: Borussia Dortmund. Doch wie kann es sein, dass eine derart leistungsstarke Elf in der Champions League wie eine europäische Spitzenmannschaft auftritt, national aber wie ein Abstiegskandidat daherkommt?

So wie in dieser Woche: Da flog die Mannschaft also am Mittwoch in die Türkei und fetzte Galatasaray Istanbul mit 4:0 vom Feld, als sei es das Selbstverständlichste von dieser Fußball-Welt. Vier Tage später, zurück im tristen Alltag, muss eine erneute Niederlage verarbeitet werden – 0:1 gegen Hannover 96. Es ist ja gewiss nicht so, dass der BVB an diesem 9. Bundesliga-Spieltag keine Chance gehabt hätte gegen die Niedersachsen. Im Gegenteil: „Vier, fünf Einhundertprozentige“ vernahm Dortmund-Trainer Jürgen Klopp im Verlauf der 90 Minuten.

Bundesliga: Zahlen und Fakten zum 9. Spieltag

Werder Bremen - 1. FC Köln 0:1 (0:0)

Mit der fünften Niederlage aus den vergangenen sechs Spielen in der Fußball-Bundesliga verschärft sich die Krise von Werder Bremen und Trainer Robin Dutt. Die Hanseaten verloren am Freitag gegen den 1. FC Köln mit 0:1 (0:0) und bleiben Tabellenletzter. Für die Gäste erzielte der eingewechselte Anthony Ujah den entscheidenden Treffer (59.). Die Kölner kletterten durch den zweiten Sieg nacheinander vorübergehend in die obere Tabellenhälfte.

Borussia Dortmund - Hannover 96 0:1

Wieder keine Trendwende, erneut kein Sieg - die Krise von Borussia Dortmund in der Fußball-Bundesliga nimmt mehr und mehr bedenkliche Züge an. Beim 0:1 (0:0) gegen Hannover 96 musste der Revierclub die bereits vierte Niederlage in Serie hinnehmen. Vor 80 677 Zuschauern im ausverkauften Signal Iduna Park besiegelte Hiroshi Kiyotake (61. Minute) die nächste Pleite für den BVB, der damit der Abstiegszone immer näher rückt. Nach wiederholtem Foulspiel sah 96-Profi Ceyhun Gülselam die Gelb-Rote Karte (89.).

FC Augsburg - SC Freiburg 2:0

Der FC Augsburg hat sich mit dem dritten Heimsieg in Serie von der Abstiegszone abgesetzt und zugleich die Nöte des weiterhin sieglosen SC Freiburg vergrößert. Kapitän Paul Verhaegh (10. Minute) mit seinem bereits dritten Elfmetertreffer der Saison und Hamit Altintop (66.) trafen am Samstag beim verdienten 2:0 (1:0)-Erfolg des FCA, der nach neun Partien zwölf Punkte aufweist. Der Tabellenvorletzte aus Freiburg (5 Punkte) ließ einmal mehr Zweifel an seiner Bundesliga-Tauglichkeit aufkommen - und das sowohl offensiv als auch defensiv.

1899 Hoffenheim - SC Paderborn 1:0

Aufsteiger SC Paderborn hat in der ersten Fußball-Bundesliga eine bittere Lektion erhalten. Die Ostwestfalen wurden am Samstag bei 1899 Hoffenheim nicht für eine spielerisch starke Leistung belohnt und unterlagen mit 0:1 (0:0). Kevin Volland erlöste die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol mit seinem ersten Saisontreffer in der 73. Minute. Damit blieb die TSG auch am neunten Spieltag ungeschlagen und sprang zumindest vorübergehend auf den zweiten Tabellenplatz.

Hertha BSC - Hamburger SV 3:0

Das kleine Zwischenhoch hat sich schon wieder verzogen, die Rückkehr von Pierre-Michel Lasogga an seine alte Wirkungsstätte wurde zu einem neuen Desaster für seinen Hamburger SV. Der Dino der Fußball-Bundesliga verlor am 9. Spieltag der Saison bei Hertha BSC verdient mit 0:3 (0:0) und steckt mit sechs Punkten wie schon in der Vorsaison als Drittletzter im Tabellenkeller fest. Änis Ben-Hatira (59. und 85. Minute) und John Heitinga (59.) besiegelten mit ihren ersten Saisontoren die fünfte HSV-Pleite in der laufenden Spielzeit. Hertha (11 Punkte) belohnte sich für den großen Aufwand und fand mit dem dritten Heimsieg nacheinander den Anschluss zum Mittelfeld.

Eintracht Frankfurt - VfB Stuttgart 4:5

Trainer Armin Veh hat bei seiner Rückkehr nach Frankfurt das bislang spektakulärste Bundesliga-Spiel dieser Saison erlebt. Nach 3:1-Führung und einem 3:4-Rückstand gewann der frühere Meistertrainer mit dem VfB Stuttgart am Samstag noch mit 5:4 (2:1) bei seinem alten Verein Eintracht Frankfurt. Die unter dem Strich klar besseren Gäste, die bereits vor einer Woche gegen Bayer Leverkusen aus einem 0:3 ein 3:3 gemacht hatten, befreiten sich durch diesen Sieg zumindest ein wenig aus dem Tabellenkeller.

Bayer Leverkusen - Schalke 04 1:0

Bayer Leverkusen hat sich in der Spitzengruppe zurückgemeldet und Roberto Di Matteo die erste Niederlage als Trainer von Schalke 04 zugefügt. Durch ein sehenswertes Freistoßtor von Hakan Calhanoglu in der 53. Minute kamen die Rheinländer zu einem 1:0 (0:0) und kletterten mit nun 16 Punkten auf den vierten Tabellenplatz. Die Schalker, die unter der Woche wie Bayer in der Champions League siegreich waren, liegen mit elf Zählern auf dem zwölften Platz. Kurz vor Schluss wurde Leverkusens Tin Jedvaj wegen groben Foulspiels des Feldes verwiesen (85.).

VfL Wolfsburg - FSV Mainz 05 3:0

In Wolfsburg reißt die Mainzer Erfolgsserie. Mit 0:3 unterliegt der FSV dem VfL Wolfsburg. Die Führung zum 1:0 gelingt Naldo per Kopf (15.). Perisic verlängert einen Naldo-Kopfball zum 2:0 ins Netz (59.). Den Schlusspunkt setzt Caligiuri nach Vorarbeit von Malanda mit dem 3:0-Endstand (87.).

Borussia Mönchengladbach - Bayern München 0:0

In einer interessanten Begegnung trennen sich Borussia Mönchengladbach und Bayern München 0:0. Kruse verpasst aus sieben Metern die Führung für die Borussia (34.). Aus spitzem Winkel scheitert Lewandowski an Sommer (55.). Raffael zwingt Neuer mit einem platzierten Schuss zu einer Glanztat (78.). Am Ende geht das torlose Unentschieden mehr als in Ordnung.

Und wäre alles so vonstatten gegangen wie in den vergangenen Spielzeiten, hätten die Dortmunder dieses für sie so wichtige Spiel gewonnen und könnten die kommenden Wochen etwas entspannter angehen. So allerdings muss sich der BVB mehr denn je in eine Richtung orientieren, mit der er zuletzt nur rudimentäre Erfahrungen gemacht hat. Diese Richtung zeigt nach unten und heißt Abstiegskampf. Selten war ein Bundesliga-Verein weiter von seinen Saisonzielen entfernt als dieser. Doch mehr noch.

Spinnt man die Geschichte etwas weiter, so steht mehr auf dem Spiel als manch ein Dortmunder möglicherweise wahrhaben will. Nach dem drittschlechtesten Saisonstart der Klubhistorie sind die Champions-League-Plätze derzeit so weit weg wie Fortuna Köln vom DFB-Pokal. Doch gerade der europäische Wettbewerb ist eine der Geldquellen, aus der die Westfalen zehren. Eine kurzzeitige Abwesenheit aus der Königsklasse wäre zwar verkraftbar. Doch damit zusammenhängend geht es um mehr. Zum Beispiel um die Zukunft einiger Spieler wie Ilkay Gündogan oder Marco Reus, deren Verträge bald frisch verhandelt werden. Eine gute Verhandlungsbasis sieht anders aus.

Einer, den das betrifft, warnte trotz der miserablen Tabellensituation vor allzu großer Panikmache. „Wir müssen jetzt einen kühlen Kopf bewahren“, floskelte Marco Reus. Nur zweimal stand die Borussia in ihrer langen Bundesliga-Geschichte nach neun Spieltagen schlechter da. Zudem gab es erstmals seit mehr als 14 Jahren wieder einmal vier Niederlagen in Serie. Sechs Niederlagen nach neun Spielen: Das gruselige Kunststück hat bislang nicht einmal der Tabellenletzte Werder Bremen vollbracht.

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