Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.12.2014

09:31 Uhr

Anstoß – Die Bundesliga-Kolumne

Die Wiedergeburt eines Wunderstürmers

VonMarcel Reich

Ciro Immobiles Saison war bisher eine grauenhafte Veranstaltung. Nicht viel gelang dem 18,5-Millionen-Stürmer. Doch gegen Wolfsburg blitzte erstmals seine ganze Klasse auf: Die BVB-Fans erwartet ein Wunderstürmer.

Zurückgefightet: Dortmunds Stürmer Ciro Immobile zeigt endlich wieder, was er kann. Reuters

Zurückgefightet: Dortmunds Stürmer Ciro Immobile zeigt endlich wieder, was er kann.

DüsseldorfNicht mal ein halbes Jahr ist Ciro Immobile nun bei Borussia Dortmund – und galt fast schon wieder als erster Abschusskandidat. Eigentlich sollte der Italiener Dortmunds Sturmikone Robert Lewandowski ersetzen, vor dem Wolfsburg-Spiel traf er in der Liga jedoch nur zwei Mal ins Netz.

Viel zu wenig für einen Stürmer, der für 18,5 Millionen Euro geholt wurde. Doch nicht nur seine Torausbeute machte allen Beteiligten zu schaffen. Auch seine behäbige Spielweise, mit der er kaum Anschluss an den Rest des Teams fand, ließ Böses erahnen. So viele schlechte Leistungen konnten doch kein Zufall sein, nicht wenige in Dortmund dürften schon gedacht haben, sie hätten sich selbst ein Kuckucksei ins Nest gelegt.

Doch dann kam das gestrige Spiel gegen den VfL Wolfsburg. Ciro Immobile schien wie ausgewechselt, er rannte wie ein Wahnsinniger, fast überall war er anspielbar. Das 1:0 durch Aubameyang bereitete er mit einer schnellen Drehung und Flanke klasse vor, das 2:1 war dann ein purer Akt des Willens: Der 24-Jährige schnappte sich den Ball, rannte los, und hämmerte die Kugel aus über 20 Metern mit dem Vollspann in die linke untere Ecke.

Borussia Dortmund: Der Megadeal des BVB

Spielraum

Borussia Dortmund darf das eigene Kapital kräftig erhöhen. Das hat sich der Verein auf der Hauptversammlung am 30. November 2010 genehmigen lassen. Insgesamt kann der Verein daher mehr als 30 Millionen neue Aktien verkaufen.
Quelle: Borussia Dortmund

Grundkapital

Das Grundkapital der Gesellschaft beträgt bisher 61,425 Millionen Euro. Es ist in 61,425 Millionen Stammaktien eingeteilt. Wenn also der Spielraum für Kapitalerhöhungen vollständig genutzt würde, könnte sich die Zahl der Aktien um 50 Prozent erhöhen.

Aktuelle Kapitalerhöhung

Das Grundkapital wird mit Wirkung Juli 2014 nominal um 6,12 Millionen Euro erhöht. Dafür werden 6,12 Millionen neue Stückaktien ausgegeben. Eine neue Aktie kostet 4,37 Euro. Dieser Preis ist ein Durchschnitt der letzten fünf Börsenhandelstage abzüglich eines Abschlags von fünf Prozent.

Käufer

Die gut sechs Millionen neuen Aktien übernimmt Evonik Industries aus Essen. Das Grundkapital von Borussia Dortmund beträgt also künftig 67,545 Millionen Euro.

Anteil

Evonik wird durch die Aktie der zweitgrößte Einzelaktionär. Der Stimmrechtsanteil beträgt 9,06 Prozent des Grundkapitals.

Hintergrund

Evonik ist seit März 2006 Sponsor des BVB. Bisher lief der Vertrag bis zur Saison 2015/2016. Nun wurde dieser Vertrag bis zur Saison 2024/2025 verlängert.

Ziel

Evonik will mit der Beteiligung das Sponsorverhältnis als Kommanditaktionär der Gesellschaft festigen und insgesamt fördern sowie die bestehende Markenpartnerschaft ausbauen. Damit legten beide Partner eine gute Grundlage für neue wirtschaftliche und sportliche Erfolge auch auf internationaler Ebene.

Aktuelle Einnahmen

Durch die Kapitalerhöhung mit Evonik fließen dem BVB 26,74 Millionen Euro zu. Der Betrag ergibt sich aus der Anzahl der neuen Aktien, der mit dem Ausgabepreis multipliziert wird. Das Geld wird der BVB investieren, ohne Kredite aufnehmen zu müssen.

Mögliche Deals

Der BVB kann zudem noch problemlos weitere Aktien an Interessenten verkaufen. Dafür gibt es noch einen Spielraum von 24,6 Millionen Stück. Gemessen am aktuellen Börsenkursen von mehr als vier Euro könnte der BVB so weitere 100 Millionen Euro einnehmen.

Sondierungsgespräche

Die Geschäftsführung plant, diese restlichen Aktien zwischen dem 1. Juli und dem 30. September 2014 zu verkaufen. Diesbezüglich würden Sondierungsgespräche mit an strategischen Partnerschaften interessierten Unternehmen fortgesetzt.

Auch danach ließ er nicht nach, so holte er zum Beispiel mit einer Grätsche an der Torauslinie eine Ecke heraus, kein Meter und Zweikampf schien im zu viel zu sein. Am Ende verspielte der BVB zwar noch den Sieg gegen die Wölfe, bester Mann auf dem Platz aber war: Ciro Immobile. Warum eigentlich nicht gleich so, werden sich viele im picke packe vollen Westfalenstadion gefragt haben. Ja, warum eigentlich nicht?

Ein Hauptgrund dürfte sein, das Ciro Immobile zuvor mit sich selbst am meisten Probleme hatte. Nach seinem raketenhaften Aufstieg in den letzten Jahren schien er selbst von der rasanten Entwicklung seiner Karriere völlig überrumpelt.

Ausgebildet wurde der Mann aus Torre Annunziata in Kampanien bei Juventus Turin. Dort fasste Immobile jedoch nie wirklich Fuß, er wurde jeweils an den AC Siena, den US Grosseto und Delfino Pescara in die zweitklassige Serie B ausgeliehen. Letzteren Verein schoss er in der Saison 2011/12 mit 28 Toren in 34 Saisonspielen zusammen mit Sturmpartner Lorenzo Isigne (heute wieder beim SSC Neapel unter Vertrag) zum Aufstieg in die Serie A.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×