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14.02.2015

10:03 Uhr

Anstoß – Die Bundesliga-Kolumne

Ein Reus allein kann Dortmund nicht retten

VonMarcel Reich

Marco Reus bleibt dem BVB treu, verzichtet auf Millionen und spielt danach Weltklasse. Romantischer kann Fußball nicht sein. Doch wieder patzt die Mannschaft zwei Mal. Unerklärlich. Ein Kommentar.

In Dortmund geboren und deshalb Hoffnungsträger der Fans. dpa

Echter Borusse Reus

In Dortmund geboren und deshalb Hoffnungsträger der Fans.

DüsseldorfUnter der Woche verlängerte Marco Reus seinen Vertrag in Dortmund. Statt nach der Saison für eine festgeschriebene Ablöse von 25 Millionen Euro ins Ausland zu wechseln, bleibt der Nationalspieler in Dortmund. Bis 2019 läuft sein neuer Vertrag, dieses Mal ohne Ausstiegsklausel. Dass er wirklich so lange bleibt, glauben selbst in Dortmund nur ein paar hoffnungslose Optimisten. Und dennoch: Sein Treuebekenntnis kurz vor dem Valentinstag ist ein Zeichen.

Auch außerhalb von Dortmund glauben Fans plötzlich wieder an so etwas wie Fußball-Romantik, so kitschig das im Millionengeschäft Fußball heutzutage auch klingen mag. Dass der BVB-Slogan „echte Liebe“ für einen, für „seinen“ Verein mehr wert sein kann als die Millionen von Real Madrid und Co., ist ein Glücksfall für Borussia Dortmund – und den Fußball in Deutschland.

Dabei war der nächste „Worst Case“ in Dortmund ganz nah: Wäre nach Mario Götze und Robert Lewandowski auch noch Marco Reus zu den Bayern nach München gewechselt, hätten nicht nur viele Millionen BVB-Fans kollektiv getrauert oder geschimpft. In Dortmund und Umgebung wäre es wohl endgültig vorbei gewesen mit dem Glauben an das Gute in die Jungs auf dem Platz.

Der Werber-Rat: Käufliche Liebe

Der Werber-Rat

Käufliche Liebe

Kurz vor dem Valentinstag konnten sich die Fans von Borussia Dortmund über einen vermeintlichen Liebesbeweis freuen: Top-Star Marco Reus hat überraschend seinen Vertrag für weitere vier Jahre verlängert.

Der Fall Reus ändert jedoch nichts am Muster. Profis wie Lewandowski sind unbestritten charakterlich stark. Aber es sind eben auch nur Stars aus dem Ausland. Jedem war klar, dass die Borussia für so einen nur eine Durchgangsstation nach ganz oben sein würde. Und Mario Götze? Dem nahm selbst in den Meisterjahren niemand so wirklich seine Identifikation mit dem BVB ab – obwohl von Kindesbeinen an in Dortmund ausgebildet.

Das Millionenspiel um Marco Reus

Gerüchte

Monatelang jagte ein Gerücht das nächste. Geht Marco Reus zu den Bayern, Manchester City, Real Madrid oder Barcelona? Oder bleibt er in Dortmund? Und zu welchen Bedingungen? Es ging um viele Millionen.

Stand: Februar 2015

Marktwert

Der Marktwert von Marco Reus beträgt derzeit rund 50 Millionen Euro. Damit ist er neben Thomas Müller und Mario Götze einer der wertvollsten deutschen Spieler. In Europa zählt er zu den Top20 der Hotspots.

Ausstiegsklausel

Marco Reus hatte eine Ausstiegsklausel in seinem alten BVB-Vertrag. Diese hätte es ihm erlaubt, für 25 Millionen Euro am Ende der Saison 2014/15 zu wechseln. Damit wäre er für jeden neuen Verein ein Schnäppchen gewesen – gemessen am Marktwert.

Gehaltsangebot

Borussia Dortmund kaufte ihm im Februar 2015 die Ausstiegsklausel ab und konnte Marco Reus damit bis 2019 fest an den Verein binden. Darauf ist Reus nach langem Überlegen eingegangen.

Gehaltspoker

Der BVB köderte nach Informationen von „Bild“ seinen Spieler angeblich mit einem Mega-Gehalt von 12 Millionen Euro. Im „Focus“ war von zehn Millionen Euro pro Jahr die Rede. Und Manchester City soll angeblich sogar 13 Millionen Euro pro Jahr geboten haben, berichtete „Bild“. Laut sid soll Reus nun rund acht Millionen Euro pro Jahr verdienen.

Sprengsatz

Reus ist nun wohl zum absoluten Spitzenverdiener beim BVB aufgestiegen. Gleichzeitig sprengt sein Gehalt womöglich jedoch das aktuelle Gefüge. So viel - wie in der Presse vermutet - konnte ein Fußballspieler in Deutschland bisher nur bei Bayern München verdienen.

Gehaltssprung

Bisher verdiente Reus mit Hinweis auf das Jahr 2013 angeblich rund vier Millionen Euro pro Jahr beim BVB. Schon damit war er einer der Spitzenverdiener im Kader. Der BVB nannte keine Zahlen, sondern gab nur den Hinweis: Anderswo hätte Reus ein Gehalt bekommen können, das in Richtung des Doppelten gegangen wäre.

Und die Bayern?

Klar ist, dass sie über Reus nachdachten. Doch dann zogen sie sich auch frühzeitig öffentlich zurück.

Gewaltiger Bayern-Etat

Die Ausgaben für Spieler steigen bei den Bayern gewaltig. Waren es 2012/13 noch 125 Millionen und 2013/14 bereits 140 Millionen, so sollen es aktuell laut „Bild“ schon 160 Millionen Euro sein.

Topverdiener in München

Die Top-Verdiener in München sind laut „Bild“: Franck Ribéry, Philipp Lahm, Mario Götze. Alle sollen jeweils 12 Millionen Euro pro Jahr erhalten.

Mickriger BVB-Etat

Die Dortmunder wirken dagegen bisher wie ein Waisenknabe. In der Bundesliga liegt der BVB mit einem Lizenzspieleretat von 73 Millionen Euro in dieser Saison sogar nur auf Platz 4 in der Bild-Rangliste. Also nicht einmal die Hälfte des Bayern-Etats.

Emotional war da nichts, was auf eine längere Beziehung zwischen Spieler, Fans und Verein hinwies. Das ist normal in dem Geschäft, auch wenn es sich die Fans anders wünschen. Wäre nun aber auch noch der „echte“, weil in Dortmund geborene Borusse Reus Richtung Bayern abgezogen, wäre der letzte Rest von Hoffnung bei den Fans kaputt gegangen. Hoffnung daran, dass es auch für die Spieler etwas Besonderes ist, für Borussia Dortmund spielen zu dürfen.

Die Vertragsverlängerung scheint nicht nur den Fans, sondern auch Marco Reus selbst eine Last von den Schultern genommen zu haben. Im Spiel eins nach der Unterschrift gegen Mainz zeigte er prompt seine beste Saisonleistung. Ein Tor und eine Vorlage standen am Ende des Spiels zu Buche, der erhoffte „Reus-Effekt“ ist tatsächlich eingetreten.

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