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02.11.2014

09:00 Uhr

Anstoß – die Bundesliga-Kolumne

Kampf ist Trumpf

VonMichael Verfürden

Rangeleien, Fouls und Gelbe Karten prägten das Spiel zwischen dem Hamburger SV und Bayer Leverkusen. Die Partie lieferte gleich zwei Negativrekorde und bot spielerisch fast nichts – war aber trotzdem absolut sehenswert.

Auf der Suche nach dem harten Zweikampf: Hamburgs Dennis Diekmeier im Duell mit dem Leverkusener Giulio Donati. dpa

Auf der Suche nach dem harten Zweikampf: Hamburgs Dennis Diekmeier im Duell mit dem Leverkusener Giulio Donati.

DüsseldorfIn der Bundesligapartie zwischen dem Hamburger SV und Bayer 04 Leverkusen passierte am Samstag etwas, das erst mal widersprüchlich klingt: Das Match hatte Extraklasse, obwohl spielerisch nicht viel zu bieten. Und warum? Sicher, ein paar Spielzüge waren sauber inszeniert. Ein paar Flanken und Pässe kamen an. Aber ans Herz gingen doch andere Aktionen.

Wunderbar, wie unerbittlich und eisenhart der HSV von der ersten Minute an verteidigte. Die Mannschaft von Joe Zinnbauer ging keinem Zweikampf aus dem Weg und zeigte etwas, dass die Fans in der Mitsch schon lange nicht mehr gesehen haben: Leidenschaft und Kampfgeist.

Wunderbar, wie sich die durch die Rückkehr des unwillkommenen Ex-Hamburgers Hakan Calhanoglu ohnehin schon aufgeheizte Atmosphäre auf den Rasen übertrug: Beide Teams schenkten sich nicht einen Meter. Etliche Rudelbildungen, 30 Fouls und sieben gelbe Karten alleine im ersten Durchgang (jeweils Saisonrekord) waren die Konsequenz.

Wunderbar, wie die gesamte Hamburger Bank nach Giulio Donatis rüdem Foul an Marcell Jansen aufsprang und der HSV-Pressesprecher den Coach mit Catcher-Griff davon abhalten musste, „ein paar nette Worte“ mit Bayer-Trainer Roger Schmidt zu wechseln.

Zahlen und Fakten zum 10. Bundesliga-Spieltag

FC Schalke 04 - FC Augsburg 1:0

Nach einem glanzlosen und mühevollen Arbeitssieg gewinnt Schalke gegen den FC Augsburg mit 1:0. Es spielen nur die Schwaben, ehe Klaas-Jan Huntelaar äußerst überraschend abstaubt (37.). Als der Wiederanpfiff erfolgt sind es wieder die Gäste, die das Spiel in der Fremde machen. Bei der Weinzierl-Elf schwinden peu á peu die Kräfte, Königsblau kann den Sack aber nicht zumachen. So kommt es beinahe wie es kommen muss, doch der eingewechselte Matavz verpasst den 1:1-Ausgleich in der Nachspielzeit knapp.

Hannover 96 - Eintracht Frankfurt 1:0

Hannover 96 ist über die komplette Spielzeit das bessere Team und wird durch das Eigentor von Alexander Madlung (88.) belohnt. Eintracht Frankfurt findet nicht zu seinem Spiel und ist nur in wenigen Akzenten gefährlich vor dem Tor.

FSV Mainz 05 - Werder Bremen 1:2

Werder Bremen feiert den ersten Saisonsieg. Mit 2:1 siegt Werder bei Mainz 05. Okazaki gelingt in der ersten Hälfte aus zwölf Metern das 1:0 (3.). Nach einem verschossenen Strafstoß gegen Karius köpft Di Santo im zweiten Versuch den 1:1-Ausgleich (44.). Kurz nach der Pause stellt Di Santo mit einem sehenswerten Heber über Karius den 2:1-Endstand her (49.).

VfB Stuttgart - VfL Wolfsburg 0:4

Der VfL Wolfsburg gewinnt die fünfte Partie in Folge und zeigt gegen gut spielende Stuttgarter Konterfußball in Perfektion. Die Stuttgarter halten über die gesamten 90 Minuten mit, scheitern aber immer wieder am überragenden Benaglio. Die Tore für die Gäste erzielen Perisic (15., 88.), Knoche (45.+1) und der heute wieder ganz starke De Bruyne (48.).

Hamburger SV - Bayer Leverkusen 1:0

Von der ersten Minute geht es in der Imtech-Arena um jeden Zentimeter Rasen, der zumeist mit unfairen Mitteln erkämpft wird. Sieben Gelbe Karten in der ersten Halbzeit stehen so gut wie keine Torchancen gegenüber, aber immerhin ein Elfmeter-Tor durch Van der Vaart nach Foul von Leno an Jansen in der 26. Minute. In Halbzeit zwei wird etwas mehr Fußball gespielt, Leverkusen findet aber auch in den zweiten 45 Minuten nicht ansatzweise zu seinem Spiel und vergibt in Persona Bellarabi in der 94. Minute die einzige richtig gute Chance des Spiels. Insgesamt ist die Leistung des Champions-League-Teilnehmers aber mehr als enttäuschend.

Bayern München - Borussia Dortmund 2:1

In einer temporeichen Partie behält der FC Bayern München mit 2:1 gegen Borussia Dortmund die Oberhand. Reus gelingt vor der Pause per Kopf die 1:0-Führung für den BVB (31.). Lewandowski markiert den verdienten 1:1-Ausgleich (72.). Ein Foul von Subotic an Ribery führt zum Strafstoß. Robben verwandelt sicher zum 2:1-Endstand (85.).

Bor. Mönchengladbach - 1899 Hoffenheim 3:1

Borussia Mönchengladbach bleibt in dieser Saison ungeschlagen und am Spitzenduo der Fußball-Bundesliga dran. Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre gewann am Sonntag das Verfolgerduell mit 1899 Hoffenheim überzeugend mit 3:1 (2:1) und baute ihre Erfolgsserie auf 17 Pflichtspiele ohne Niederlage aus. Vor 52 409 Zuschauern im Borussia-Park war Doppel-Torschütze Patrick Herrmann (32./52. Minute) an allen drei Toren beteiligt. Neuzugang André Hahn erzielte das 1:0 (12.), Anthony Modeste den zwischenzeitlichen Ausgleich (30.). Die Borussia liegt jetzt mit vier Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Bayern auf Platz drei.

1. FC Köln - SC Freiburg 0:1

Der erste Bundesliga-Sieg der Saison gelang dem SC Freiburg durch das 1:0 beim 1. FC Köln. Vladimir Darida (50.) traf für die Breisgauer per Handelfmeter.

SC Paderborn - Hertha BSC 3:1

Der SC Paderborn sorgt in der Fußball-Bundesliga weiter für Furore. Der Neuling gewann am Sonntag sein Heimspiel gegen Hertha BSC mit 3:1 und verbesserte sich in der Tabelle auf Rang sieben.

„Schockierendes Spiel!“ jaulten aber die Leverkusener – und schoben die Schuld für die 0:1-Niederlage dem Schiedsrichter in die Schuhe. Schmidt fühlte sich an eine „Treibjagd“ erinnert, Sportchef Rudi Völler sprach davon, vom Unparteiischen nicht ausreichend „geschützt“ worden zu sein.

Dass ihrer Mannschaft ebenfalls mehr als einmal die Rote Karte erspart blieb, darüber verlor keiner der Verantwortlichen auch nur ein Wort. Immerhin Stefan Kießling suchte den Fehler in der eigenen Leistung: „Wir haben uns von der Hektik anstecken lassen, das war nicht gut. Es war ein beschissenes Spiel von uns.“

Auch in den sozialen Netzwerken wurde die aggressive Spielweise der Hamburger heiß diskutiert. Viele Bayer-Fans befürchten, dass sich andere Teams ein Beispiel an der harten Gangart nehmen könnten. Hoffentlich haben sie damit recht. Denn wenn die fußballerischen Fähigkeiten der Spieler nicht ausreichen, müssen wenigstens Kampf und Emotionen geboten werden. Niemand will Spielern zusehen, die beim Stümpern höchstens durch krankhafte Fairness auffallen.

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