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07.11.2014

15:04 Uhr

Anstoß - die Bundesliga-Kolumne

SC Paderborn - Wo führt das noch hin?

VonVictor Fritzen

Der SC Paderborn mischt die Fußball-Bundesliga auf. Und überzeugt vor allem mit Leidenschaft und Bodenhaftung. Doch der kurzfristige Erfolg birgt auch Gefahren. Und der Klassenerhalt ist mitnichten greifbar.

Gesichter des Paderborner Erfolgs: Moritz Stoppelkamp (li.) und Elias Kachunga. dpa

Gesichter des Paderborner Erfolgs: Moritz Stoppelkamp (li.) und Elias Kachunga.

Mal ehrlich: Kannten Sie vor dieser Bundesliga-Saison Christian Strohdiek? Alban Meha? Oder Uwe Hünemeier? Nein? Da sind Sie sicher nicht allein gewesen. Mittlerweile sollten Ihnen diese Namen jedoch ein Begriff sein. Die drei Spieler sind Teil einer der größten Überraschungen, die der deutsche Fußball derzeit zu bieten hat: SC Paderborn. Pardon: Überraschung?! Mitnichten. Ganz so überraschend kommen die Leistungen des Bundesliga-Aufsteigers in dieser Saison nämlich nicht.

Trainer André Breitenreiter hat etlichen Spielern eine Chance gegeben, die bei anderen Erstliga-Vereinen durchgerasselt wären. Ihm blieb auch keine andere Wahl. Schließlich hatte und hat der Klub kaum Geld, das er in große, namhafte Transfers investieren könnte.

Die bisherigen No-Names bedanken sich für das Vertrauen mit durchgehend starken Leistungen. Die Spielanlage der Paderborner wirkt nachhaltig und durchdacht, vor allem flexibel. Diese Mannschaft macht Spaß, sie profitiert von ihrer Lust aufs Kicken. „Andere Teams hoffen schon, dass wir straucheln. Aber das Schlimmste für solche Teams ist es, wenn wir nicht straucheln“, frohlockt Breitenreiter.

Der Bundesligaaufsteiger SC Paderborn 07

Verein

Der SC Paderborn 07 entstand 1985 unter dem Namen TuS Paderborn-Neuhaus durch eine Fusion des TuS Schloß Neuhaus und des 1. FC Paderborn. Beide Vereine waren früher bereits durch Fusionen entstanden.

Ursprünge

Der SC Paderborn 07 (SCP) ist aus einer Vielzahl von Vorgängervereinen hervorgegangen. Nahezu unbekannt ist heute, dass „Arminia Neuhaus“ im Jahr 1907 der Ausgangspunkt für die vielschichtige Historie war. Dieser Verein ist einer von vier Grundsteinen. Die drei Urvereine, aus denen der heutige SC 07 entstanden ist, waren der FC Preußen Paderborn von 1908, der ein Jahr ältere SV 07 Neuhaus und der TuS Sennelager von 1910.

Der große Misserfolg

Ein Verein aus Paderborn, der TuS Schloß Neuhaus, war in der Saison 1982/1983 nicht erfolgreich in der zweiten Liga. Deshalb bündelte man in Paderborn 1985 die Kräfte. TuS Schloß Neuhaus und FC Paderborn schlossen sich zum TuS Paderborn/Neuhaus zusammen. Dieser Verein wurde 1997 in SC Paderborn 07 umbenannt.

Kader

Der geschäftsführende Vizepräsident und Gesamtgeschäftsführer Hornberger beziffert den Lizenzspieler-Etat auf 17 Millionen Euro, das Gesamtbudget auf 34 Millionen Euro – das ist Liga-Minus.

Sponsoren

Trikotsponsor ist kfzteile24. Ausrüster ist Sport-Saller.

Stadion

Das Stadion ist sehr klein. Es passen 15.000 Personen hinein, davon 5800 Sitzplätze und 9200 Stehplätze. Es wurde für 25 Millionen Euro gebaut. Die Namensrechte liegen bei der Benteler Deutschland GmbH. Bis 2017 garantiert dies eine Einnahme von 300.000 Euro.

Essen und Trinken

Ein Wasser (0,5 l) kostet: 3,00 Euro
Ein Bier der Marke Warsteiner (0,4 l) kostet: 3,00 Euro
Eine Bratwurst kostet: 2,00 Euro

Was wurde nicht alles orakelt vor der Saison: Etliche Experten sahen in dem Aufsteiger auch den ersten Absteiger. Einige waren sogar der Meinung, dem selbsterklärten „krassesten Außenseiter der Geschichte“ werde es schlimmer ergehen als Fürth oder Braunschweig in den vergangenen Jahren. Die bisherige Ausbeute des Underdogs hat die Kritiker bereits widerlegt. 15 verdiente Punkte nach zehn Spielen - eine mehr als ansehnliche Zwischenbilanz.

„Natürlich haben wir uns auch die Spiele von Braunschweig und Fürth in der Bundesliga vor ihrem Abstieg angeschaut. Daher haben wir uns vor der Saison in der Offensive verstärkt, und man sieht ja, wie viele Tore wir schon haben“, sagt Breitenreiter.

Die Zahlen belegen das: Bekommt Paderborn eine Chance, ist der Ball oft drin. Die Ostwestfalen sind nach Angaben des „kicker“ mit einer Chancenverwertung von 34,8 Prozent das effizienteste Team der Liga.

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