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15.10.2014

17:25 Uhr

Anstoß – Die Fußball-Kolumne

Des Weltmeisters Kopfproblem

VonAlexander Möthe

Die DFB-Auswahl auf dem besten Weg zum EM-Aus? Mitnichten. Es bleiben noch sieben Spiele, sich in das Turnier der erstmalig 24 besten Teams Europas zu retten. Und genau dort liegt das Problem.

Nicht den Sand in den Kopf stecken: Für Toni Kroos und die DFB-Elf ist noch alles drin. dpa

Nicht den Sand in den Kopf stecken: Für Toni Kroos und die DFB-Elf ist noch alles drin.

DüsseldorfWas stimmt nur nicht mit dem Weltmeister? Nach der Euphorie um den WM-Titel ist eine neue Form der Nüchternheit eingekehrt. Erstmals seit zwei Jahren ging ein Pflichtspiel verloren, weder gegen Schottland, Polen noch Irland gelang gegen vermeintlich schwächere Gegner in der Qualifikation zur Euro 2016 Überzeugendes. Vier Punkte, so die magere Ausbeute nach drei Spieltagen, nur Rang vier in Qualifikationsgruppe D. Unter normalen Umständen würde die Endrunde drohen, außer Reichweite zu geraten. Allerdings sind die Umstände nicht normal.

Der erste Umstand: Deutschland ist Weltmeister. Das ist Fluch und Segen zugleich. Das ist weder ein neues, noch ein unerwartetes Phänomen. Sich als Weltmeister für eine EM oder weitere WM zu motivieren, das beherrschen die großen Teams. Sich aber nach einem langen Turnier, vielen Sommern ohne Pause, nach dem größten Erfolg der Karriere als Spieler zu motivieren, am Anfang einer langen Saison gegen einen Gegner wie Irland bis in die letzte Haarspitze zu elektrisieren – das ist hart. Und vom Gehalt unabhängig. Es ist ein Loch, was viele Spieler auch in den Ligabetrieb getragen haben. Es ist auch eine Form der psychischen Überlastung, zusätzlich zum enormen körperlichen Pensum.

Die Körper von Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira, Mats Hummels und Mesut Özil haben sich die Auszeit zuletzt mit Gewalt genommen. Philipp Lahm hat dieses Loch antizipiert, auf seinen Körper gehört und seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. Weltmeister sein heißt aber auch: Die DFB-Elf ist nicht Jäger, sondern Gejagter. Die Gegner bringen das letzte Quäntchen Motivation und Energie mit, was die müden Beine und Köpfe zusätzlich fordert. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass dieser Zustand von deutscher Seite dauerhaft sein wird. Die Spiele nach der Winterpause dürften wieder anders verlaufen.

Der zweite Umstand: Die Qualifikation ist entschärft. 24 Teams fahren zur EM, acht mehr als bisher üblich. In der Gruppe D kommen die ersten beiden weiter, der Dritte erhält die Chance der Relegation. Über letztere hat sich Deutschland 2002 bis ins WM-Finale geschleppt. Der unbedingte Druck zu siegen, er ist weg. Es ist eine gefährliche Tendenz, die sich da in die Köpfe schleicht und an der der Betreuerstab arbeiten muss. Denn die Rechnung, dass man nur gegen Georgien, Gibraltar und Schottland gewinnen müsse, kann schnell ins Auge gehen.

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Der dritte Umstand: Umbruch. Noch in keiner Partie stand die Weltmeisterelf auf dem Platz. Es fehlen unersetzliche Größen wie Philipp Lahm und Miroslav Klose. Es fehlen Höwedes, Khedira, Schweinsteiger, Özil. Die Köpfe des Teams, die eingespielten Beine. Gegen Irland fiel auch Superjoker André Schürrle aus. Und die schon bei der WM fehlenden Größen Reus und Gündogan. In der Breite sind das Ausfälle, die kein Team der Welt kompensieren kann. Und es ist ebenfalls nicht zu unterschätzen, dass mit Thomas Schneider faktisch ein neuer Trainer an Bord ist.

Alles in allem ist es normal bis unumgänglich, dass es im Team aktuell nicht rund läuft. In Polen gegen Polen zu verlieren, einem Team, dass seit Jahren von einer herausragenden Spielergeneration profitiert, ist keine Schande. Gerade gegen Irland und Schottland ging die DFB-Elf in der Vergangenheit nie als strahlender Gewinner vom Platz. Übrigens: Von den großen Fußballnationen führt einzig England seine Qualifikationsgruppe an. Mit dem WM-Kater scheint Deutschland nicht alleine zu sein.

Akuter Grund zur Sorge besteht erst, wenn tatsächlich das Spiel gegen Gibraltar verloren geht.

Kommentare (2)

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Herr Stefan Schultz

15.10.2014, 17:51 Uhr

Ich finde die Übertragungen von RTL so schlecht, dass ich mir echt überlege welche Spiele ich schauen werde. So ein Spiel gegen Gibraltat bestimmt nicht.
Wie schon in dem Bericht Herr Hagemann zu recht kritisiert wird, die Sätze und Sprüche kann ich nicht hören, Ronaldo hatte da echt nichts zu suchen und auch Kommentare a la "Man darf 3 mal wechseln in internationalen Spielen" vom Polen-Spiel bewegen mich zum Umschalten. Hinzu kommen dann noch diese (aus DSDS oder Supertalent) bekannten nichtsaussagenden aber hochwichtig anmoderierten Beiträge z.B. über Manuel Neuer, weil er Kapitän ist, das war ebenfalls vor dem Polen-Spiel. Herr König ist halt RTL's Allzweckwaffe beim Thema Sport, laangweilig. Da machte Jens Lehmann noch die beste Figur. Und die dauernden Werbeblöcke nerven dann auch irgendwann, vielleicht auch weil es einfach noch ungewohnt ist. Aber gerade bei den Zusammenfassungen werden die Pausen wohl die Zuschauer vergraulen.
Sie es wie es ist, ich werde mich wohl damit abfinden müssen, dass ich mich nur auf die reinen Spiele konzentriere und im Internet irgendeinen anderen Live-Kommentar finde und nebenher laufen lasse, dann kann ich den RTL Kommentar stumm schalten.

Herr Lars Schnoor

16.10.2014, 09:25 Uhr

Da Haben Sie zu 100% recht Herr Schultz.
Ich schaue mir sowas nicht mehr an.

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