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14.09.2014

10:34 Uhr

Anstoß - die Fußball-Kolumne

Rummenigge macht sich lächerlich

VonMarcel Reich

Die Einkaufspolitik des Meisters zeigt: Der FC Bayern hat sein Konzept verloren. Um das zu übertünchen, wirft der Boss Kritikern stumpf Rassismus vor. Das ist angesichts bayrischer Traditionen so vorhersehbar und albern.

Macht sich mit Rassismus-Vorwürfen nur selbst lächerlich: Karl-Heinz Rummenigge. dpa

Macht sich mit Rassismus-Vorwürfen nur selbst lächerlich: Karl-Heinz Rummenigge.

MünchenMit seiner Rassismus-Kritik an den deutschen Sport-Medien hat Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge mal wieder ordentlich Staub aufgewirbelt. Im Vorwort des Stadionmagazins zum Heimspiel gegen den VfB Stuttgart sprach er von einer „schäbigen Kampagne“.

Die öffentliche Diskussion um zu viele Spanier beim Rekordmeister stünde in völligem Widerspruch zu Werten wie Respekt, Toleranz und Vielfalt. Starker Tobak, den Rummenigge da auspackt, wenn er die Kritik an der Transferpolitik des FCB mit Rassismus vergleicht.

Die Strategie, die dahinter steckt, ist nicht neu und wenig überraschend: Der Bayern-Boss möchte sich vor Trainer Pep Guardiola stellen, durch die gewollt provokanten Thesen lenkt er die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Kern der Diskussion weg.

Bundesliga: Die Sprüche des 3. Spieltags

Medizin

„Ich weiß auch, es ist die beste Medizin für die Entwicklung der Mannschaft“ (Mainz-Trainer Kasper Hjulmand zum 3:1-Sieg seiner Mannschaft bei Hertha BSC)

Rüffel

„Das gehört sich nicht in dieser Situation.“ (Der von Hertha BSC an Mainz ausgeliehene Sami Allagui, der nach seinem vorentscheidenden 2:0 auf den Torjubel verzichtet hatte)

Frust

„Die hätten auch zehn Stück machen können.“ (Schalkes Stürmer Klaas-Jan Huntelaar nach dem 1:4 bei Borussia Mönchengladbach)

Tot

„Xabi Alonso ist 32. Wenn wir das Spiel kontrollieren, kann er alle drei Tage spielen. Aber wenn wir das Spiel nicht kontrollieren, wenn er ständig vor und zurück muss, ist er in einem Monat tot!“ (Bayern-Trainer Pep Guardiola über seinen neuen Mittelfeldchef zum Start in die Englischen Wochen)

Qualität

„Wenn man sich so einen wie Xabi Alonso ansieht - das ist ja nun kein Blinder...“ (Stuttgarts Trainer Armin Veh nach dem 0:2 in München mit Blick auf die individuelle Qualität des Gegners FC Bayern)

Kagawa

„Die Jacke stand ab.“ (BVB-Coach Jürgen Klopp über seine Gefühlsregungen beim stürmischen Empfang für Rückkehrer Shinji Kagawa in Dortmund)

Comeback

„Shinji hat die ganze Zeit gelächelt - jedenfalls, bis er den Krampf bekommen hat“ (BVB-Mittelfeldspieler Sebastian Kehl über das famose Comeback von Rückkehrer Shinji Kagawa, der beim 3:1 gegen Freiburg in der 64. Minute von Krämpfen geplagt ausgewechselt werden musste)

Cool

„Ich lasse mich nicht in Panik versetzen.“ (Wolfsburgs Geschäftsführer Klaus Allofs nach drei sieglosen Spielen zum Saisonauftakt)

Das passiert immer dann, wenn es auch hinter den Kulissen in München rumort – das ist das eherne Gesetz der „Abteilung Attacke“, die mit Uli Hoeneß ihren Vorstopper verloren hat. Rummenigge ist an dessen Stelle getreten, bisher mit ordentlichem Erfolg.

Seine verbalen Auseinandersetzungen mit BVB-Boss Hans-Joachim Watzke sind so ziemlich das unterhaltsamste, was die Bundesliga abseits des Sports zu bieten hat. Nun hat es Karl-Heinz Rummenigge jedoch zu weit getrieben.

„Es wird Stimmung gemacht gegen unsere spanischen Spieler“, schreibt er da zum Beispiel. Er stellt die Kritik einiger Journalisten als Angriff auf die Vielfalt in Deutschland hin: „Solch einer dumpfen und provinziellen Denkweise muss ein Riegel vorgeschoben werden“.

Kommentare (2)

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Herr Hans Kammerer

15.09.2014, 09:16 Uhr

Naja, massenweise Artikel mit dem Tenor "schon der 5. Spanier, wird FCB zur spanischen Kolonie?" in die Welt zu setzen zeugt schon etwas davon, dass zumindest Irritation darüber herrscht, dass es denn so viele spanier sind. Gleichzeitig wurde auch reihenweise süffisant gefragt, ob dies vielleicht mit der Herkunft des Trainer zu tun haben könnte um im nächsten Schritt zu mutmaßen, Guardiola könnte so das Gleichgewicht beim FCB verschieben wollen.
Dabei würde jede BuLi Mannschaft jeden der spanischen Spieler des FCB haben wollen. Ganz einfach deshalb, weil sie hinsichtlich ihrer Leistung zur Oberklasse gehören. Ich bin sicher, der FCB hätte diese Spieler auch haben wollen, wären sie chinesen gewesen. Dass Guardiola aufgrund seiner Herkunft gerade in diesem Sprachraum gut vernetzt ist und entsprechend Türen öffnen kann und als Spanier auch noch besondere Anziehungskraft auf spanische Topspieler ausübt, dürften angenehme Begleiterscheinungen gewesen sein.
Jedenfalls kann ich nicht erkennen, dass der FCB zu wenig für den Nachwuchs tun würde. Man hat aktuell 3 Youngsters regelmäßig im Kader und setzt sie auch ein. Ich bin sicher, wenn sich daraus in wenigen Jahren Topspieler entwickeln sollten, wird der gleiche Autor vom DPA 180 Grad anders berichten.

Herr wulff baer

16.09.2014, 08:09 Uhr

Keine Nachwuchsförderung, dafür aber dank praller Kassen, die bedenkenlos von den sogenannten Brot-und-Spiele-Fans gefüllt werden, und von uns als TV-Zuschauern mit Zwangsbeitrag zusätzlich alimentiert.

Die Kosten der teuren Einkäufe erleben wir, wenn wir ein Fußball-Hemdchen kaufen, das in Asien für 5 € eingekauft wird und bei uns bis zu 80 € kosten kann.

Für einen Adidas Schuh für 10 € eingekauft, werden 150 € hingeblättert und am Wochenende dürfen wir 90 Minuten langweiligiges spanisches Kurzpass-Spiel bewundern.

Die besten Spieler sind Ausländer, nicht wenige davon schwarz - wo kommt da das bayrische "Mir san Mir" zum Tragen?
Für so eine Geldmaschine könnte ich keinen Lokalpatriotismus entwickeln.

Umso weniger, als an der Spitze des Vereins ein hochgradig krimineller Steuerhinterzieher stand und auch der jetzige Vorsitzende R. seine Luxus-Uhren beim Zoll nicht anmelden mag und dafür rechtskräftig verurteilt wurde.

Für so eine Organisation möchte ich kein Fan sein.

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