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13.07.2015

19:41 Uhr

Anstoß – die Fußball-Kolumne

Zeit, dass sich was dreht

VonThomas Schmitt

Die deutsche Nationalmannschaft unterliegt dem Fluch der Weltmeisterschaft. Im DFB-Team wird wieder und wieder, gerade nach Erfolgen, der Umbruch verschlafen. Zeit, dass sich etwas ändert – Nachwuchs gibt es genug.

Der erhoffte Entwicklungssprung der Nationalmannschaft blieb bisher aus. Doch es besteht Hoffnung. dpa

Ein Erfolg, kein Grundstein

Der erhoffte Entwicklungssprung der Nationalmannschaft blieb bisher aus. Doch es besteht Hoffnung.

Düsseldorf1954 – 1974 – 1990 – 2014.  Im Schnitt schaffen die Deutschen das höchste Ziel im Fußball, die Weltmeisterschaft, alle 20 Jahre. Wie so oft nach einem großen Triumph sind die Helden anschließend nicht nur müde. Es fehlt in den Jahren danach auch der letzte Biss. Mittelprächtige Vorstellungen und bittere Niederlagen sind die Folge.

Dieses Muster erlebten die deutschen Fußballfans einmal mehr nach dem Triumph von Rio am 13. Juli 2014. Schon kurz danach entzauberten die Verlierer im Finale, die Argentinier, den Weltmeister im eigenen Land mit 2:4. Anschließend kassierte das Team in der EM-Qualifikation eine Niederlage gegen Polen, aktuell Nummer 30 der Welt, und spielte gegen die Iren nur unentschieden.

Der Weltmeister spielt alles andere als souverän. Von einer neuen Dominanz im Weltfußball kann keine Rede sein. Manche mögen es nun sogar als böses Omen auffassen, dass ausgerechnet der damalige Finalgegner Argentinien die Deutschen gerade von Platz eins der Fifa-Weltrangliste verdrängt hat.

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Ein Jahr nach dem Finale von Rio

Was von einer Weltmeisterschaft bleibt

Kostenverschwendung oder Wirtschaftsförderung für Schwellenländer? Eine aufwendige Dokumentation geht der Frage nach, wer von einer Fußball-WM profitiert – und wer nicht. Entscheidender Faktor ist der Weltverband Fifa.

So mittelmäßig wie das DFB-Team präsentierten sich im vergangenen Jahr auch viele Weltmeister. Der Finaltorschütze Mario Götze fasst bei den Bayern nicht richtig Tritt und fehlt in großen Spielen. Wichtige Spieler, Mesut Özil, Philipp Lahm, Mats Hummels und Bastian Schweinsteiger, sind nach der WM lange verletzt und kommen nur langsam in Form. Schweinsteiger nimmt nun einen neuen Anlauf in Manchester.

Andere Weltmeister, die wenig oder gar nicht spielten, spielen auch auf Vereinsbasis keine Hauptrollen: André Schürrle, Lukas Podolski, Julian Draxler, Matthias Ginter und Kevin Großkreutz sind fünf Beispiele dafür. Sami Khedira pausierte bei Real Madrid sogar – mehr oder weniger – ein Jahr, um dann ablösefrei zu Juventus Turin zu wechseln. Nicht umsonst kündigte Jogi Löw nun an, dass sich die Weltmeister ihrer Plätze für die EM im kommenden Jahr keineswegs sicher sein sollten. Zumal die Qualifikation erst noch geschafft werden muss.

So unterschiedlich die Gründe für die Formschwäche im Einzelfall sein mögen, es zeigt sich ein Muster, das letztlich auch für die mageren Vorstellungen der DFB-Elf verantwortlich ist. Klar, erfahrene Größen der Branche hatten genau dieses Leistungsloch durch Überlastung und Euphorie-Loch für das Jahr danach vorhergesagt. Am Ende kamen die in der Nationalmannschaft stark repräsentierten Bayern aus München damit überraschend am besten zurecht.

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