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17.05.2015

13:41 Uhr

Anstoss - Die Fußballkolumne

Pep hat den Spielbetrieb eingestellt

VonMarcel Reich

Wenn schon Wettbewerbsverzerrung, dann wenigstens richtig. Das könnte aktuell das Motto des FC Bayern sein. Mit der sechsten Pflichtspielniederlage in Folge greift der Rekordmeister nochmal in den Abstiegskampf ein.

Pep Guardiola dürfte froh sein, wenn die Saison endlich vorbei ist. dpa

Bayern verliert in Freiburg

Pep Guardiola dürfte froh sein, wenn die Saison endlich vorbei ist.

DüsseldorfIn München wird dieser Tage krampfhaft versucht, die gewonnene Meisterschaft als großen Erfolg zu verkaufen. Wirklich in Feierlaune dürfte spätestens nach gestern aber niemand mehr beim FC Bayern sein. Mit 1:2 verlor der Rekordmeister in Freiburg und verschaffte den Breisgauern so eine optimale Ausgangsposition im Abstiegskampf.
Wenn schon Wettbewerbsverzerrung, dann wenigstens richtig könnte das Motto dieser Tage beim FC Bayern heißen. In Leverkusen vor drei Wochen ließ Trainer Pep Guardiola eine bessere B-Elf spielen, um seine Stars vor dem Duell mit dem FC Barcelona zu schonen. Bayer gewann fast mühelos mit 2:0, in Gladbach ärgerten sich die Fans fast schwarz, mussten sie so doch weiter um die Qualifikation für die Champions League bangen.
Eine Woche später verloren Guardiolas Bayern zuhause (!) gegen den FC Augsburg und mischten so kräftig im Kampf um die Europa-League-Plätze mit.

Der 33. Spieltag im Überblick

FC Augsburg - Hannover 96 1:2

In der ersten Hälfte sind kaum Höhepunkte zu sehen, doch die wenigen Chancen werden von Stindl (24.) und Verhaegh (30., Foulelfmeter) zum 1:1-Halbzeitstand genutzt. Nach Wiederanpfiff erzielt Stindl erneut den überraschenden Führungstreffer (54.). Augsburg antwortet darauf mit wütenden Angriffen, kann sich aber selten entscheidend durchsetzen und hat zudem Pech mit einigen Schiedsrichterentscheidungen, weshalb sie nicht den erneuten Ausgleich erzielen. Zudem werden Sakai (Hannover) und Verhaegh und Bobadilla (Augsburg) vom Platz gestellt.

VfL Wolfsburg - Borussia Dortmund 2:1

Die Wölfe gehen durch Caligiuri (1.) früh in Führung. Doch Dortmund hat mit Aubameyangs Elfmeter (11.) die passende Antwort. Naldo (49.) bringt die Gastgeber dann wieder in Front. Danach hat der BVB nichts mehr zu bieten und Wolfsburg spielt das souverän herunter.

VfB Stuttgart - Hamburger SV 2:1

Den frühen 0:1-Rückstand durch den Kopfballtreffer von Kacar in Minute zwölf, beantworten Gentner (27.) und Harnik (35.) noch in den ersten 45 Minute. Nach dem Seitenwechsel geht es nur in eine Richtung, weil die Hanseaten so gut wie gar nicht mehr ins Spiel finden. Stuttgart hat viele Chancen, kann den erlösenden Treffer bis zum Schluss aber nicht erzielen. Am Ende reicht es für die Hausherren trotzdem zu einem hochverdienten 2:1-Erfolg.

SC Freiburg - FC Bayern 2:1

30 Minuten lang spielen die Bayern Katz und Maus mit ängstlichen Freiburger. Schweinsteiger erzielt in der 13. Minute die Führung. In der 33. Minute erzielt Mehmedi aus dem Nichts den Ausgleich. In der Folge läuft bei den Bayern nichts mehr zusammen. In den zweiten 45 Minuten erleben die Zuschauer wenig Highlights. Der SC kämpft jedoch bis zum Umfallen und eziehlt durch Petersen den nicht unverdienten Siegtreffer (89.).

Schalke 04 - SC Paderborn 1:0

Mit einem königsblauen Auge ist der FC Schalke 04 gegen den SC Paderborn davongekommen. 1:0 heißt es am Ende für S04. Das Tor des Tages gelingt Hünemeier, der eine Kopfballabwehr ins eigene Netz befördert (88.).

FSV Mainz 05 - 1. FC Köln 2:0

Die ersten 45 Minuten werden zunächst von Köln bestimmt, bis Mainz anfängt mitzuspielen. Beide Mannschaften kommen zu einigen guten Versuchen, ohne jedoch mit allzuviel Druck zu agieren, was wohl vor allem mit der entschärften Tabellensitation zu erklären ist. In der zweiten Hälfte agiert Mainz mit mehr Druck und wird direkt durch Koo nach einer Okazaki-Vorlage mit dem 1:0 belohnt (47.). Mainz bleibt gefährlich, aber unter anderem Noveski kann eine Topchance aus drei Metern nicht erfolgreich abschließen (56.). Mit einem zweiten Stürmer wird Köln gefährlicher, aber den Mainzern gelingt in der 83. Spielminute das vorentscheidende 2:0 durch den zuvor eingewechselten Samperio (83.). Kurz darauf wird der scheidende FSV-Kapitän Noveski unter großem Applaus verabschiedet. Malli vergibt kurz vor dem Ende noch das 3:0 und trifft nur das Außennetz (88.).

Hertha BSC - Eintracht Frankfurt 0:0

Hertha BSC Berlin und Eintracht Frankfurt trennen sich nach einem faden Spiel mit 0:0. In der ersten Halbzeit machen die Hauptstädter das Spiel, finden jedoch nicht den richtigen Zugriff. In Hälfte zwei hat die Dardai-Elf zwei Riesenmöglichkeiten durch Kalou und Haraguchi, kommt aber nicht zum Torerfolg. Die Eintracht aus Frankfurt konzentriert sich zu Beginn auf die Defensive. Erst gegen Schluss der Partie intensiviert die Mannschaft von Thomas Schaaf ihre Offensiv-Arbeit. Klare Möglichkeiten kann sich das Team nicht erspielen.

Werder Bremen - Borussia Mönchengladbach 0:2

Borussia Mönchengladbach macht Platz drei klar. Erstmals seit 1987 feiern die Fohlen wieder einen Sieg in Bremen - und das völlig verdient. Bremen kommt in der kompletten Spielzeit nur einmal durch Selke (46.) zu einer Großchance, doch Sommer pariert stark. Gladbach spielt hingegen vollkommen cool seine technische Überlegenheit aus und wartet geduldig auf Chancen. Raffael (53. und 85.) belohnt die Gladbacher Leistung mit einem Doppelpack und sorgt dafür, dass die Borussen erstmals in der Vereinsgeschichte in die Champions League einziehen.

Bayer Leverkusen - 1899 Hoffenheim 2:0

In den ersten 45 Minuten war es noch ein Spiel auf Augenhöhe, in dem die Gäste vielleicht sogar das bessere Team ist. Der Last-Minute Treffer in Durchgang eins von Calhanoglu verändert alles für die zweite Halbzeit. Nach dem Seitenwechsel findet Hoffenheim nicht mehr statt. Bayer Leverkusen überrennt förmlich das Team von Martin Gisdol. Kießling erhöht nach 61 Minuten auf 2:0, danach ist es nur noch Showlaufen, mit dem emotionalen Höhepunkt der Auswechslung von Simon Rolfes in seinem letzten Heimspiel seiner Karriere. Bayer bleibt auch im neunten Heimspiel in Serie ohne Gegentor.

Und nun die Niederlage in Freiburg. Bei allem Respekt vor dem tapfer kämpfenden Sportclub – die Konkurrenten im Abstiegskampf dürften hier eigentlich auf einen klaren Punktverlust der Freiburger gehofft haben. Seit 19 Jahren hatten die Freiburger nicht mehr gegen den FC Bayern gewonnen, ausgerechnet in der aktuellen Situation am vorletzten Spieltag fuhren sie nun drei Punkte ein.
Dabei führten die Bayern doch sogar in Freiburg, es sah nach einer klaren Angelegenheit aus. Denn: Wann hatten die Bayern schon nach einer Führung noch verloren? Genau, vor exakt 122 Spielen. Nach dem Tor durch Schweinsteiger zeigte sich was passiert, wenn Fußballer mit einer Saison schon abgeschlossen haben: Niemand setzte mehr entscheidend nach, Unkonzentriertheiten stellten sich ein. Rafinha hätte nach einem elfmeterreifen Foul bereits vom Platz fliegen müssen, am Ende sorgte Nils Petersen dann noch für den verdienten Sieg.

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Sensationeller vorletzter Spieltag im Abstiegskampf der Bundesliga: Der VfB Stuttgart hätte bereits absteigen können – doch gegen den HSV kämpften die Schwaben bis zum Umfallen. Freiburg schafft die Sensation gegen Bayern.

Zumindest am letzten Spieltag können die Sommerpausen-Bayern nicht mehr in entscheidende Duelle der Liga eingreifen. Gegner Mainz 05 spielt ebenfalls nur noch um die goldene Ananas. Nach dem Spiel wird übrigens kaum gefeiert werden. Erst einen Tag später lädt der Meister auf den Marienplatz – um den Geschäftsleuten der Stadt am Samstag nicht die Kunden zu vergraulen.

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