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19.10.2014

11:05 Uhr

Anstoß – die Fußballkolumne

Werders Finanzpolitik wird ein Risiko

VonMarcel Reich

Mit Robin Dutt wollte Bremen durchstarten. Etwas mehr als ein Jahr später ist der Aufbruch aber schon wieder vorbei, Werders jahrelange Krise geht weiter. Nun soll alles besser werden – mit hohem finanziellen Risiko.

Bremens Trainer Robin Dutt hat es bisher noch nicht geschafft, das Ruder bei Werder herumzureißen. Reuters

Bremens Trainer Robin Dutt hat es bisher noch nicht geschafft, das Ruder bei Werder herumzureißen.

DüsseldorfDreizehn, neun und vierzehn – das waren Werder Bremens Platzierungen in der Abschlusstabelle in Thomas Schaafs letzten drei Jahren als Trainer an der Weser. Die Strukturen waren verkrustet, die Mannschaft über dem Zenit. Nach 14 Jahren war im Sommer 2013 Schluss für Schaaf, Robin Dutt gab sein sicheres Amt als DFB-Sportdirektor auf und übernahm eine heikle Aufgabe: Den Neuaufbau des einstigen Spitzenklubs. Die vergangene Saison schloss Werder als Zwölfter ab, für eine Übergangssaison war das okay. Und nun? Da steht Bremen mit vier Punkten aus acht Spielen verdientermaßen auf dem letzten Platz. Werder braucht einen neuen Neuanfang.

0:6 hieß es am Ende gestern gegen die Bayern – selbst in der Höhe kann das in München durchaus mal passieren, kein Drama. Das Problem: Von den vier Spielen davor verlor Werder auch schon drei. Am vergangenen Spieltag gegen Freiburg sollte mit einem Sieg Zuhause das Ruder herumgerissen werden, um nicht schon wieder in direkte Abstiegsnöte zu geraten. Die guten Vorsätze hielten genau acht Minuten, dann markierte Freiburgs Darida die Führung für die Breisgauer. Am Ende stand ein 1:1, das war's schon wieder mit dem Neustart.

Wie aus der einstigen Spitzenmannschaft, die sich zwischen 2004 und 2011 stolze sechs mal für die Champions League qualifizieren konnte, eine Kellertruppe werden konnte, wurde mittlerweile genug durchexerziert: Werder baute ein neues Stadion, die Einnahmen aus dem Europapokal flossen in Steine, an der Mannschaft wurde gespart. Und die teuren Spieler, die kamen, waren ihr Geld oft nicht wert. Beispiel: Carlos Alberto.

Das fehlende Geld macht sich auch im aktuellen Kader bemerkbar, vor allem im Mittelfeld. Die eigentliche Schaltzentrale wird zum einen von Spielern wie Felix Kroos oder Fin Bartels bevölkert, die den letzten Beweis der Bundesligatauglichkeit noch immer nicht erbracht haben. Zum anderen spielt dort Ludovic Obraniak, der ein Paradebeispiel für die gesamte Werder-Mannschaft ist. Der polnische Nationalspieler war mal ohne Frage ein Guter, nach seiner Glanzzeit spielt er nun aber nicht ohne Grund bei Werder. Das Gleiche gilt für Eljero Elia im Sturm. Der hatte mal einen Marktwert von 17 Millionen. Jetzt sind's gerade noch vier.

Genau so viele Punkte hat Werder nun auf dem Konto, 22 Gegentore aus acht Spielen sind dazu eine traurige Marke. Das einzige, was da zu helfen scheint, ist Geld: Neun Millionen Euro hat Bremen zuletzt durch einen neuen Vertrag mit der Vermarktungsfirma Infront kassiert. Das Geld soll nun im Winter unter anderem in Neuzugänge wie Costa Ricas WM-Held Bryan Ruiz fließen.

Bundesliga: Zahlen und Fakten zum 8. Spieltag

FC Bayern München - SV Werder Bremen

Im Duell des Ersten gegen den Letzten sorgten die Münchner von Beginn an für klare Verhältnisse. Philipp Lahm (20., 79.), Xabi Alonso (27.), Thomas Müller (43./Foulelfmeter) und Mario Götze (45., 86.) machten gegen erschreckend schwache Bremer das halbe Dutzend voll.

1 FSV Mainz 05 - FC Augsburg

Mit dem achten Spiel ohne Niederlage schob sich Mainz vorerst auf den Qualifikationsplatz zur Champions League. Jonas Hofmann (20.) stellte mit dem dritten Saisontreffer erneut seine starke Form unter Beweis, Jairo Samperio feierte drei Minuten später sein Tordebüt für die Rheinhessen. Durch Tobias Werner (78.) kam Augsburg nur zum Anschluss.

Hannover 96 - Borussia Mönchengladbach

Erstmals nach sechs Spielen musste sich Hannover wieder vor eigenem Publikum geschlagen geben. Max Kruse (15.) köpfte zum Gladbacher 1:0 ein. Granit Xhaka (50.) erhöhte mit einem Freistoßknaller, bevor Kruse erneut traf (90.). Die Gladbacher schoben sich zumindest bis Sonntag auf Rang zwei.

SC Freiburg - VfL Wolfsburg

Der SC Freiburg wartet weiter auf den ersten Ligasieg. Wolfsburgs Daniel Caligiuri (8.) erzielte gegen sein Ex-Verein schon früh das 1:0 und legte nach einer guten Stunde nach. Die Freiburger agierten voller Leidenschaft, aber kopflos und warten trotz des 1:2 durch Sebastian Kerk (90.+1) weiter auf den ersten Punkt.

VfB Stuttgart - Bayer 04 Leverkusen

Zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten sahen die Zuschauer bei der Begegnung VfB Stuttgart gegen Bayer Leverkusen. Heung-Min Son (4./10.) schoss per Doppelpack die frühe Leverkusener Führung heraus. Kurz vor Ende erhöhte Karim Bellarabi (41.). Durch die Treffer Timo Werner (53.), Florian Klein (67.) und Martin Harnik (76.) retteten die Schwaben aber noch das Remis.

1.FC Köln - Borussia Dortmund

Bei der von Personalsorgen geplagten Borussia aus Dortmund knüpften Fans, Spieler und Verantwortliche die Hoffnungen auf die Wende an die Rückkehr eines Trios: Ilkay Gündogan, Marco Reus und Henrich Mchitarjan. Doch der Revierclub verlor trotzdem mit 1:2 (0:1) gegen den 1. FC Köln. Kevin Vogt (40.) und Simon Zoller trafen für den FC. Ciro Immobile (48.) besorgte den zwischenzeitlichen Ausgleich.

FC Schalke 04 - Hertha BSC Berlin

Am Samstagabend feierte Schalkes Trainer Roberto Di Matteo beim 2:0 (1:0)-Sieg gegen Hertha BSC ein erfolgreiches Debüt. Klaas-Jan Huntelaar (19.) und Weltmeister Julian Draxler (65.) bescherten dem Nachfolger von Jens Keller den Sieg.

Hamburger SV - TSG 1899 Hoffenheim

Der Hamburger SV ist im Heimspiel gegen 1899 Hoffenheim nicht über ein Unentschieden hinausgekommen. Das Team von Trainer Josef Zinnbauer spielte am Sonntag 1:1 (1:1) und verpasste damit den ersten Heimsieg seit dem 4. April. Mit sechs Punkten verbesserte sich der HSV aber zumindest auf den Relegationsplatz der Fußball-Bundesliga. Anthony Modeste (15.) brachte die Kraichgauer in Führung, Pierre-Michel Lasogga (34.) traf zum verdienten Ausgleich. Die Hoffenheimer sind nach acht Spieltagen weiter unbesiegt, büßten aber weiteren Boden auf Spitzenreiter Bayern München ein.

SC Paderborn 07 - Eintracht Farnkfurt

Der SC Paderborn bleibt in der Fußball-Bundesliga weiter in der Erfolgsspur. Der Aufsteiger gewann am Sonntag sein Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt mit 3:1 (0:0) und ist nach dem dritten Saisonsieg schon Tabellen-Siebter. Die Treffer für die Paderborner erzielten vor 15 000 Zuschauern in der Benteler-Arena Marvin Ducksch (66.), Kapitän Uwe Hünemeier (79.) und Stefan Kutschke (85.). Für die Eintracht-Führung hatte von Alex Meier (57.) gesorgt. Durch die Niederlage verpassten die Hessen den Sprung auf den dritten Rang hinter Tabellenführer Bayern München und Borussia Mönchengladbach.

Damit das auch wirklich klappt, sägt Bremen vorsichtshalber schon einmal den jahrelangen Sparfuchs Willi Lemke ab. Die eigentliche Werder-Legende hatte in den vergangenen Jahren akribisch darauf geachtet, das Werder nur genau so viel ausgibt, wie es einnimmt. Heißt: Er hat seine Aufgabe als Aufsichtsrat ernst genommen. Beliebt hat er sich damit nicht gemacht, die aktuelle Tabellensituation machen viele an seiner eigentlich seriösen Sparpolitik fest. Eigentlich wollte Lemke 2016 aufhören, nun ist wohl schon in diesem Jahr Schluss. Marco Bode soll übernehmen - und höhere Ausgaben abnicken. So soll spätestens ab dem neuen Jahr alles besser werden, mit neuen Spielern und einer riskanteren Finanzpolitik. Auch ein, zwei neue Spieler könnten zu wenig sein, um den Abstieg zu verhindern. Das wäre ein finanzielles Desaster.

Ob Robin Dutt das alles noch als Werder-Trainer erlebt, darf bezweifelt werden. Der ist mit seinem Latein schon lange am Ende, wer wäre das in diesem Werder-Chaos nicht. Der Neuanfang mit Dutt ist gescheitert. Werder braucht einen neuen.

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