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15.02.2015

13:59 Uhr

Anstoß

Die Wiedergeburt von Werder Bremen

VonVolker Sliepen

Vor einigen Monaten agierte Bremen wie ein Abstiegskandidat. Heute spielt das Skripnik-Team begeisternden Offensivfußball. Die Spieler glauben an sich. Und das Team ist für die Zukunft gewappnet. Ein Kommentar.

Fans von Werder Bremen feiern den Sieg gegen Augsburg - mit dem Trikot von Jungstar Davie Selke. AFP

Werder Bremen

Fans von Werder Bremen feiern den Sieg gegen Augsburg - mit dem Trikot von Jungstar Davie Selke.

DüsseldorfVier Unentschieden, fünf Niederlagen, Tabellenplatz 18 – nach dem neunten Spieltag der Hinrunde stand Werder Bremen mit dem Rücken zur Wand. Die so erfolgreiche wie prägende Schaaf-Ära, sie wirkte aus der Retrospektive wie ein einziger, schleichender Niedergang.

Der Kader machte einen zusammengewürfelten Eindruck, der über Jahre forcierte finanzielle Engpass schien eine baldige Besserung der Situation auszuschließen. Eljero Elia, einst als Hoffnungsbringer für satte 5,5 Millionen Euro an die Weser gelockt, blieb seine Leistung konstant schuldig.

Erfahrene Akteure wie Kapitän Clemens Fritz oder Sebastian Prödl befanden sich im Leistungstief, und der nach Wolfsburg gewechselte Aaron Hunt, Identifikationsfigur und Leitwolf der vergangenen Jahre, wurde an allen Ecken und Enden vermisst.

Der 21. Bundesliga-Spieltag

Borussia Dortmund - 1. FSV Mainz 05 4:2 (0:1)

Nach nicht mal einer Minute lag der BVB gegen Mainz schon wieder zurück, doch erstmals in dieser Saison kann der BVB einen Rückstand noch in einen Sieg verwandeln. Bester Mann auf dem Platz war Marco Reus, mit einem eigenen Tor und einer Vorlage.

Bayern München - Hamburger SV 8:0 (3:0)

Der FC Bayern München schießt den Hamburger SV mit einem 8:0 (3:0)-Kantersieg aus der Allianz-Arena. Angeführt von den überragenden Doppeltorschützen Arjen Robben (36./47.), Thomas Müller (21. Handelfmeter/55.) und Mario Götze (23./88.) nehmen die Münchner ihren Gegner komplett auseinander und verpassen dem HSV die höchste Auswärtsniederlage in der 52-jährigen Bundesliga-Geschichte des Dinos. Die weiteren Treffer für die Bayern steuern Robert Lewandowski (56.) und der eingewechselte Franck Ribery (69.) bei. Für Pep Guardiola ist es der höchste Sieg in seiner Amtszeit bei den Bayern.

Bayer 04 Leverkusen - VfL Wolfsburg 4:5 (0:3)

In einem atemberaubenden Spiel gewinnt Wolfsburg in Leverkusen mit 5:4. Zur Pause sieht alles nach einer klaren Sache aus. Bas Dost (6., 29.) und Naldo (17.) schießen eine klare Gästeführung heraus. Bayer kommt aber wie ausgewechselt aus der Kabine. Heung-Min Sons Doppelpack (57., 62.) sorgt wieder für Spannung, die Dost mit seinem dritten Treffer kontert (63.). Son (67.) und Karim Bellarabi (72.) schaffen dennoch den Ausgleich für die Leverkusener, die aber noch zwei Rückschläge hinnehmen müssen. Emir Spahic sieht Gelb-Rot (82.), Dost krönt das Spektakel mit dem 5:4 in der dritten Minute der Nachspielzeit.

Bor. Mönchengladbach - 1. FC Köln 1:0 (0:0)

Gladbach tut sich lange schwer gegen gut verteidigende Kölner. Doch wirkliche Chancen kann man sich nicht erarbeiten. Köln bleibt nach vorne unglaublich blass. Erst das Tor von Xhaka (90.+1) erlöst die Borussia und sichert hier den verdienten Sieg.

TSG Hoffenheim - VfB Stuttgart 2:1 (1:1)

Was für ein Pech für den VfB! Die Stuttgarter spielen über 90 Minuten defensiv stark und erlauben sich in der letzten Minute doch noch einen Patzer, der zur 1:2-Niederlage für die Schwaben führt. Die Hoffenheimer sind jedoch durchgehend überlegen und gewinnen das Spiel hier zurecht mit 2:1 durch die Tore von Roberto Firmino in der 30. Minute und dem Last-Minute-Tor von Sebastian Rudy in der 93. Minute. Den zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer für die Stuttgarter erzielt Gotoku Sakai in der 39. Minute. Die VfB aus Stuttgart bleibt mit dieser Niederlage Tabellenschlusslicht. Die TSG bleibt auf Platz 7.

Werder Bremen - FC Augsburg 3:2 (3:1)

In Durchgang eins stellt Werder die Weichen bereits früh auf Sieg, Lukimya gelingt nach 16 Minuten die Führung, auf Klavans Ausgleich nach 21 Minuten findet man per Elfmeter durch di Santo zwei Minuten darauf sofort eine Antwort. Danach verwaltet man die Führung, hat aber weiter ein Auge auf die eigene Offensive und erhöht praktisch mit dem Pausenpfiff durch Gebre Selassie auf 3:1. Im zweiten Durchgang sind die Norddeutschen dann lange Zeit das klar bessere Team, verpassen es aber, mit zahlreichen guten Chancen den vierten Treffer nachzulegen. Ein Aufbäumen der Augsburger wird zwar durch Werners Anschlusstreffer nach 79 Minuten eingeleitet, kommt letztlich aber zu spät.

Eintracht Frankfurt - FC Schalke 04 1:0 (0:0)

Kevin Trapp und Lucas Piazon sind die Matchwinner beim 1:0 der Frankfurter Eintracht gegen Schalke 04. Der Keeper ist von den Gästen nicht zu bezwingen, pariert allein im ersten Durchgang drei Mal gegen Marco Höger (15., 21., 44.) und verhindert so eine verdiente Pausenführung der Königsblauen. Nach dem Seitenwechsel übernehmen die Hessen den Taktstock und entscheiden durch das Tor des eingewechselten Brasilianers (64.) die Partie.

Hertha BSC - SC Freiburg - 0:2

Dank eines 2:0-Auswärtssieges verlassen die Gäste die Abstiegsränge, Berlin fällt auf Platz 16 zurück. Die Hausherren geraten in der 14. Minute durch Klaus in Rückstand und finden in der Folge nie zu ihrem Spiel. Der leichte Schwung nach Wiederanpfiff geht nach dem 2:0 durch Philipp (52.) schnell verloren. Bis auf eine Doppelchance von Stocker und Kalou bleiben die Berliner harmlos.

Hannover 96 - SC Paderborn 07 - 1:2

Hannover agiert die komplette Spielzeit über einfallslos, geht aber nach einem Freistoß dennoch schmeichelhaft durch Marcelo (66.) in Führung. Die in der zweiten Hälfte gefährlichen Paderborner geben aber in Form von Lakic' Joker-Treffer (72.) die schnelle Antwort. Sieben Minuten später versenkt Freistoßspezialist Meha einen ruhenden Ball im 96-Gehäuse. Zieler sieht dabei nicht gut aus und trägt so eine große Mitschuld an der Heimniederlage.

Das Schlimmste aber war, dass der Dutt-Elf jegliche Automatismen und jegliches Selbstvertrauen abhanden gekommen waren. Zwar hatte der einstige Hurra-Stil Fans und Trainer nicht nur Freude bereitet, doch die Planlosigkeit und Verunsicherung der Akteure anno 2014 waren ein Stich ins Herz jedes Werder-Fans.

Am 25. Oktober 2014 zog der ins Trudeln geratene Verein die Reißleine: Robin Dutt und sein Trainerstab wurden von ihren Aufgaben freigestellt. Mit den Werderaner-Urgesteinen Victor Skripnik und Co-Trainer Torsten Frings wurden zwei ehemalige, verdiente Spieler mit der Betreuung der A-Mannschaft beauftragt – ein (umstrittenes) Wagnis, das die neu aufgestellte Vereinsführung wenig glaubhaft als Wunschlösung präsentierte.

Nicht einmal vier Monate später hat Werder Bremen einen beispiellosen Aufwärtstrend hinter sich. Die Skripnik-Elf hat im Pokal überwintert, ist die Mannschaft der Rückrunde, hat die letzten fünf Spiele siegreich gestalten können.

Mit 29 Punkten liegen die Grün-Weißen aktuell nur noch drei Zähler hinter Champions-League-Aspirant Bayer Leverkusen, hinter dem zur Europa League berechtigenden sechsten Tabellenrang. Zweifellos werden die nüchternen Werderaner die beeindruckenden Zahlen einzuordnen wissen und etwaige Träume von Europa hintanstellen.

Was jedoch Hoffnung auf nachhaltig bessere Zeiten an der Weser macht, ist die runderneuerte Spielweise der Mannschaft.

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