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20.02.2015

11:42 Uhr

Anstoß

Rettet Bier, Bratwurst und den Rasengeruch!

VonVictor Fritzen

Die Bundesliga will sich der Premier League annähern und mehr TV-Gelder einnehmen. Das könnte vielen Fans den Spaß verderben. Die Bundesliga muss erschwinglich und die meisten Spiele am Samstag bleiben. Ein Kommentar.

„Pro 15:30“ und „Ohne uns kein Kick“: Fußballfans protestieren gegen die Ansetzung der Spiele am Sonntag. dpa

Fanprotest gegen Anstoßzeiten

„Pro 15:30“ und „Ohne uns kein Kick“: Fußballfans protestieren gegen die Ansetzung der Spiele am Sonntag.

DüsseldorfVergangene Woche Mittwoch in England, im viel zitierten Mutterland des Fußballs. Die Premier League gab bekannt, die Erlöse aus den Medienrechten für die Spielzeiten 2016 bis 2019 auf 5,14 Milliarden Pfund Sterling gesteigert zu haben.

Das sind etwa 2,3 Milliarden Euro pro Saison, so viel wie in keiner anderen Fußball-Spielklasse weltweit. Die Bundesliga bringt’s 2016/2017 auf vergleichsweise geringe 835 Millionen Euro. Das hässliche Wort der Neid-Debatte grantelt seither durch die deutschen Medien. Doch braucht es das überhaupt?

Ein beispielhafter Blick nach Spanien genügt, um zu sehen, warum es den hiesigen Fußball-Freunden vor derartigen Verhältnissen graut. Die Primera Division versucht seit Jahren, ähnlich wie die Deutschen, sich dem englischen Vorbild zumindest häppchenweise anzunähern.

Der 21. Bundesliga-Spieltag

Borussia Dortmund - 1. FSV Mainz 05 4:2 (0:1)

Nach nicht mal einer Minute lag der BVB gegen Mainz schon wieder zurück, doch erstmals in dieser Saison kann der BVB einen Rückstand noch in einen Sieg verwandeln. Bester Mann auf dem Platz war Marco Reus, mit einem eigenen Tor und einer Vorlage.

Bayern München - Hamburger SV 8:0 (3:0)

Der FC Bayern München schießt den Hamburger SV mit einem 8:0 (3:0)-Kantersieg aus der Allianz-Arena. Angeführt von den überragenden Doppeltorschützen Arjen Robben (36./47.), Thomas Müller (21. Handelfmeter/55.) und Mario Götze (23./88.) nehmen die Münchner ihren Gegner komplett auseinander und verpassen dem HSV die höchste Auswärtsniederlage in der 52-jährigen Bundesliga-Geschichte des Dinos. Die weiteren Treffer für die Bayern steuern Robert Lewandowski (56.) und der eingewechselte Franck Ribery (69.) bei. Für Pep Guardiola ist es der höchste Sieg in seiner Amtszeit bei den Bayern.

Bayer 04 Leverkusen - VfL Wolfsburg 4:5 (0:3)

In einem atemberaubenden Spiel gewinnt Wolfsburg in Leverkusen mit 5:4. Zur Pause sieht alles nach einer klaren Sache aus. Bas Dost (6., 29.) und Naldo (17.) schießen eine klare Gästeführung heraus. Bayer kommt aber wie ausgewechselt aus der Kabine. Heung-Min Sons Doppelpack (57., 62.) sorgt wieder für Spannung, die Dost mit seinem dritten Treffer kontert (63.). Son (67.) und Karim Bellarabi (72.) schaffen dennoch den Ausgleich für die Leverkusener, die aber noch zwei Rückschläge hinnehmen müssen. Emir Spahic sieht Gelb-Rot (82.), Dost krönt das Spektakel mit dem 5:4 in der dritten Minute der Nachspielzeit.

Bor. Mönchengladbach - 1. FC Köln 1:0 (0:0)

Gladbach tut sich lange schwer gegen gut verteidigende Kölner. Doch wirkliche Chancen kann man sich nicht erarbeiten. Köln bleibt nach vorne unglaublich blass. Erst das Tor von Xhaka (90.+1) erlöst die Borussia und sichert hier den verdienten Sieg.

TSG Hoffenheim - VfB Stuttgart 2:1 (1:1)

Was für ein Pech für den VfB! Die Stuttgarter spielen über 90 Minuten defensiv stark und erlauben sich in der letzten Minute doch noch einen Patzer, der zur 1:2-Niederlage für die Schwaben führt. Die Hoffenheimer sind jedoch durchgehend überlegen und gewinnen das Spiel hier zurecht mit 2:1 durch die Tore von Roberto Firmino in der 30. Minute und dem Last-Minute-Tor von Sebastian Rudy in der 93. Minute. Den zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer für die Stuttgarter erzielt Gotoku Sakai in der 39. Minute. Die VfB aus Stuttgart bleibt mit dieser Niederlage Tabellenschlusslicht. Die TSG bleibt auf Platz 7.

Werder Bremen - FC Augsburg 3:2 (3:1)

In Durchgang eins stellt Werder die Weichen bereits früh auf Sieg, Lukimya gelingt nach 16 Minuten die Führung, auf Klavans Ausgleich nach 21 Minuten findet man per Elfmeter durch di Santo zwei Minuten darauf sofort eine Antwort. Danach verwaltet man die Führung, hat aber weiter ein Auge auf die eigene Offensive und erhöht praktisch mit dem Pausenpfiff durch Gebre Selassie auf 3:1. Im zweiten Durchgang sind die Norddeutschen dann lange Zeit das klar bessere Team, verpassen es aber, mit zahlreichen guten Chancen den vierten Treffer nachzulegen. Ein Aufbäumen der Augsburger wird zwar durch Werners Anschlusstreffer nach 79 Minuten eingeleitet, kommt letztlich aber zu spät.

Eintracht Frankfurt - FC Schalke 04 1:0 (0:0)

Kevin Trapp und Lucas Piazon sind die Matchwinner beim 1:0 der Frankfurter Eintracht gegen Schalke 04. Der Keeper ist von den Gästen nicht zu bezwingen, pariert allein im ersten Durchgang drei Mal gegen Marco Höger (15., 21., 44.) und verhindert so eine verdiente Pausenführung der Königsblauen. Nach dem Seitenwechsel übernehmen die Hessen den Taktstock und entscheiden durch das Tor des eingewechselten Brasilianers (64.) die Partie.

Hertha BSC - SC Freiburg - 0:2

Dank eines 2:0-Auswärtssieges verlassen die Gäste die Abstiegsränge, Berlin fällt auf Platz 16 zurück. Die Hausherren geraten in der 14. Minute durch Klaus in Rückstand und finden in der Folge nie zu ihrem Spiel. Der leichte Schwung nach Wiederanpfiff geht nach dem 2:0 durch Philipp (52.) schnell verloren. Bis auf eine Doppelchance von Stocker und Kalou bleiben die Berliner harmlos.

Hannover 96 - SC Paderborn 07 - 1:2

Hannover agiert die komplette Spielzeit über einfallslos, geht aber nach einem Freistoß dennoch schmeichelhaft durch Marcelo (66.) in Führung. Die in der zweiten Hälfte gefährlichen Paderborner geben aber in Form von Lakic' Joker-Treffer (72.) die schnelle Antwort. Sieben Minuten später versenkt Freistoßspezialist Meha einen ruhenden Ball im 96-Gehäuse. Zieler sieht dabei nicht gut aus und trägt so eine große Mitschuld an der Heimniederlage.

Und zerstückelt den Spieltag derart konsequent, dass jedes Liga-Spiel an jedem Wochenende tatsächlich live gesehen werden kann – wer es denn will. Die totale Besudelung beginnt freitags um 20.45 Uhr, gefolgt von Samstag 16 Uhr, 18 Uhr, 20 Uhr, 22 Uhr und Sonntag 12 Uhr, 17 Uhr, 19 Uhr, 21 Uhr. Und zum „krönenden“ Abschluss der Montag um 20.45 Uhr. Zehn (!) verschiedene Anstoßzeiten. ¡Madre mía!

Die sonntäglichen Mittagsspiele haben die Spanier gar eigens für den asiatischen Markt kreiert. Geht es nach Bundesliga-Vereinsbossen wie Rudi Völler, wäre eine derartige Salamisierung der Spieltage auch für die deutsche Eliteliga denkbar.

Auch oder vor allem, um die Erlöse in Fernost zu steigern. Um noch mehr Gelder zu akquirieren. Um noch mehr Stars nach Deutschland locken zu können. Um die Erlöse und Gehälter in noch astronomischere Summen treiben zu können. Doch ist das eigentlich erstrebenswert?

Viele deutsche Fans meinen: Nein. In Deutschland gilt der Samstag um 15.30 Uhr (noch) als heiliges Kulturgut. Bratwurst, Bier und berauschende Stadion-Atmosphäre gibt es (noch) zu erschwinglichen Preisen. Genau deswegen reisen Anhänger zu Tausenden von Hamburg nach München, von Köln nach Berlin, von Bremen nach Stuttgart und sorgen für Zuschauerzahlen, von denen ausländische Ligen träumen. Genau deswegen pilgern sogar Anhänger aus dem Ausland in die hiesigen Arenen. Der emotionale Fußball-Tourismus als Teil der Marke Bundesliga ist in keiner anderen Liga Europas derart ausgeprägt wie in Deutschland.

Kommentare (1)

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Herr Thomas Ebert

20.02.2015, 15:31 Uhr

Fussball kann noch viel besser vermarktet werden! Anstosszeiten wie in England, das ist ok. Aber nur eine Halbzeitpause, das ist schlecht. Vier Viertel a 20 Minuten und schon können 3 längere Werbeblöcke untergebracht werden. Und zusätzlich nach jedem Pfiff des Schiri mind. 20 Sekunden Pause für einen Spot. Das erhöht auch die Verdienstmöglichkeiten des Schiri enorm.

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