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04.05.2015

20:33 Uhr

ARD-Reportage

Vorwürfe gegen Fifa erhärten sich

Die Korruptionsvorwürfe gegen Fifa-Funktionäre verdichten sich: In einer Reportage berichtet die ARD über Schmiergeldangebote an Mitglieder des WM-Exekutivkomitees. Muss Präsident Sepp Blatter um seine Wiederwahl bangen?

Schon länger wird hochrangingen FIFA-Funktionären bei der WM-Vergabe an Katar unlauteres Verhalten vorgeworfen. dpa

WM in Katar

Schon länger wird hochrangingen FIFA-Funktionären bei der WM-Vergabe an Katar unlauteres Verhalten vorgeworfen.

BerlinKnapp vier Wochen vor der Fifa-Präsidentschaftswahl hat die ARD in ihrer Reportage „Der verkaufte Fußball. Sepp Blatter und die Macht der Fifa“ über angebliche Schmiergeldangebote an mehrere Mitglieder des Exekutivkomitees im Zuge der WM-Vergaben 2018 und 2022 berichtet. Zudem soll der zyprische Geschäftsmann und Fifa-Vorstand Marios Lefkaritis in dubiose Geschäfte mit den künftigen Turniergastgebern Russland und Katar verwickelt gewesen sein, berichtet die ARD.

Die frühere Mitarbeiterin der erfolgreichen WM-Bewerbung Katars, Phaedra Almajid, nannte in der am Montag gesendeten TV-Dokumentation namentlich die aktuellen oder früheren Mitglieder des Fifa-Vorstands Issa Hayatou, Jacques Anouma und Amos Amadu. Die Afrikaner sollen vom Emirat vor der Vergabe des Turniers 2022 je 1,5 Millionen Dollar für ihre WM-Stimme angeboten bekommen haben, behauptet Almajid. Hayatou und Anouma wollten sich nicht äußern. Amadu, der wegen anderer ethischer Verfehlungen bereits von der Fifa gesperrt wurde, sagte: „Es ist alles vorbei, lassen wir doch die Vergangenheit Vergangenheit sein.“

Fußballweltmeisterschaft in Katar

Katar

Das Emirat an der Ostküste der arabischen Halbinsel am Persischen Golf wird als absolute Monarchie regiert. Der Staat liegt auf einer Halbinsel und grenzt im Süden an Saudi-Arabien. Das Staatsgebiet schließt einige Inseln ein.

Hauptstadt

Katars Hauptstadt ist mit 521 283 Einwohnern Doha. Die Stadt beherbergt den Internationalen Flughafen Doha, sowie wichtige Teile der Öl- und Fischereiindustrie. Mit der „Education City“ ist die Stadt ebenso ein attraktives Gebiet in Katar für Forschung und Bildung.

Geographie und Klima

Das überwiegend flache Land ist von Salzsümpfen, Geröll- und Kieswüste geprägt. Das Grundwasser hat einen sehr hohen Salzgehalt, weshalb Trinkwasser in Meerwasserentsalzungs-Anlagen gewonnen wird.

Mit dem geringen Jahresniederschlag von unter 100 mm gehört Katar zu den trockensten Landschaften der Erde. Das Klima ist ganzjährig schwül, subtropisch und heiß. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei 85 %. Im Sommer sind Temperaturen von 45 °C keine Seltenheit, im Winter sinken sie auf durchschnittlich 17 °C.

Bevölkerung

Die arabische Bevölkerung mit katarischer Staatsangehörigkeit beträgt nur rund 250.000 Menschen. Etwa 80 % der 1, 7 Millionen Einwohner Katars sind Migranten. Der sunnitische Islam ist Staatsreligion. Unter den Menschen mit Migrationshintergrund herrschen Schiiten vor. Zudem gibt es einen beträchtlichen Anteil an Hindus und 70.000 Christen in Katar. Die Amtssprache ist arabisch, Handelssprachen sind Persisch und Englisch.

Infrastruktur

In Doha sind sechs Stadien geplant, sechs weitere verteilen sich auf Städte in der näheren Umgebung. Damit die einzelnen Sportanlagen gut erreichbar sind, werden alle an das im Bau befindliche Stadtbahnsystem angeschlossen. Das Investitionsvolumen für die zwölf Spielstätten wird auf etwa 2,87 Milliarden bis 4 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Nationalteam

Die Katarer Nationalmannschaft bestritt 1970 ihr erstes internationales Länderspiel während des Golfpokal-Turniers gegen Bahrain. Derzeit rangiert die Mannschaft auf der Fifa-Weltrangliste auf dem 96. Platz. An der letzten WM hat Katar nicht teilgenommen, ist nun aber als Gastgeber automatisch qualifiziert.

Kritik an der Vergabe

Die Kritik, das Land weise keine fußballerische Tradition vor, rechtfertigte die Fifa mit der Erklärung, man wolle neue Wege gehen.

Ein weiterer, eher praktischer Einwand gegen die Vergabe waren die hohen Temperaturen in dem Land. Aufgrund von fast 50 Grad Celsius im Sommer müssten die Stadien klimatisiert werden. Daraufhin regte Franz Beckenbauer eine Verlegung der Fußball-WM in den Winter an.

Eine weitere, viel grundsätzlichere Kritik ist, dass bei der Abstimmung des Fifa-Exekutivausschusses im Vorfeld schon Katar-Stimmen gekauft wurden.

Winter-WM

Wegen der Hitze im Sommer überlegt die Fifa nun, die WM im Winter, also kurz vor Weihnachten auszurichten. Das würde den Spielplan der großen Ligen über den Haufen werfen.

Lefkaritis räumte Geschäfte seiner Firma mit einem Tochterunternehmen der russischen Energiefirma Gazprom ein. „Wir reden hier von glasklaren Geschäften. Das ist Teil des Familiengeschäftes“, sagte er. Korruptionsvorwürfe wies er von sich.

Fifa-Präsident Blatter wollte sich nach ARD-Angaben nicht zu einem Interview zu den Vorwürfen bereiterklären. Der Weltverband hat diverse Vorwürfe gegen Katar, Russland und seine Exekutive durch seine Ethikkommission prüfen lassen und das Verfahren für beendet erklärt. Almajid wurde im Zuge dieser Untersuchungen als nicht glaubwürdig erachtet. Dies wurde international heftig kritisiert.

Der 79-jährige Blatter tritt am 29. Mai für eine fünfte Amtszeit als Fifa-Chef an. Erstmals hat er in Luis Figo, Michael van Praag und Prinz Ali bin Al-Hussein drei Gegenkandidaten, denen aber praktisch keine Chancen eingeräumt werden.

Von

dpa

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