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20.05.2012

14:21 Uhr

Arjen Robben

Der mutigste Depp der Saison

VonThorsten Giersch

Arjen Robben ist einer der besten Fußballer der Welt, aber nach zwei vergebenen entscheidenden Elfmetern ist er nun einer der größten Deppen im Weltfußball. Doch aufgegeben hat Robben noch nie – bis zu diesem Finale.

Chelseas Matchwinner Didier Drogba (l.) versuchte nach dem Spiel, den tieftraurigen Arjen Robben zu trösten. Reuters

Chelseas Matchwinner Didier Drogba (l.) versuchte nach dem Spiel, den tieftraurigen Arjen Robben zu trösten.

MünchenMangelnden Mut kann man Arjen Robben wahrlich nicht vorwerfen.  Und erstrecht darf man ihm die Fähigkeit zu Selbstkritik nicht absprechen. „Beschämend“ sei es, einen solchen Elfmeter zu verschießen. Das sagte der Holländer nach der 1:0-Niederlage in Dortmund, als der FC Bayern die Meisterschaft verspielte. Damals galt er als der große Loser des Spiels, auch weil Robben in der Schlussphase auch noch eine weitere 100-prozentige Chance liegen ließ.

Analyse des CL-Finales: Der Anti-Fußball siegt

Analyse des CL-Finales

Der Anti-Fußball siegt

Chelsea hat die Champions League gewonnen. Selten war ein Triumph im Finale so schmeichelhaft. Zerstörung war einziges Mittel der „Blues“. Und am Ende das pure Glück. Warum die Bayern zu Recht mit dem Fußballgott hadern.

Wenige Wochen später wird erneut ein Elfmeter für die Bayern gegen Borussia Dortmund gepfiffen. Und wieder ist es eine Extremsituation für einen Fußballer: Pokalfinale in Berlin, die Bayern liegen gegen den BvB 0:1 zurück. Und wieder steht Roman Weidenfeller ihm gegenüber, der „Elfer-Töter“, der seinen Penalty in Dortmund hielt. Robben nimmt sich den Ball als sei es das normalste von der Welt. Und versenkt ihn sicher.

Die internationalen Pressestimmen zur Bayern-Pleite

England

„Die Könige von Europa. Glorreicher Abend für die Blues in München ... und sie haben die Deutschen im Elfmeterschießen besiegt!“ (Sunday Times)

„Als Didier Drogba ganz alleine war, die riesige Tribüne mit pfeifenden Bayern-Fans vor Augen - das war sein Moment, Geschichte zu schreiben.“ (Daily Telegraph)

„Didi did it! Endlich hat ein englisches Team ein deutsches im Elfmeterschießen besiegt. Die Underdogs von Chelsea haben sensationell die Champions-League-Trophäe geholt.“ (The Sun)

„Deutsche verschießen keine Elfmeter - aber es war der Holländer Robben, der sich den Ball nahm...“ (Daily Mirror)

„Abramowitsch macht seinen großen Traum wahr - Jubel für den russischen Milliardär, dessen riesiges Investment sich unter aufregenden Umständen endlich auszahlt.“ (The Independent)

„Momente, die nie vergessen werden und immer in Ehren gehalten werden.“ (The Guardian)

Spanien

„Der Fluch des FC Bayern geht weiter. Der Meister kann daheim nicht gewinnen. Es mag sein, dass man sich nicht in das Spiel des Chelsea verlieben kann, aber der FC Bayern hat viel dazu beigetragen, dass er das Finale verloren hat. Nach den puristischen Fußball-Gesetzen ist dies eine grausame und ungerechte Niederlage.“ (Marca)

„Ein Team mit einem ranzigen Parfüm und einer 20 Jahre alten Spielart hat es so weit gebracht. Über die Liebenswürdigkeit dieses Stils kann man diskutieren. Dennoch soll man die Teams aufgrund ihrer Kapazität beurteilten, ihr Potenzial maximal auszunutzen. Dieser Stil ist nicht in Mode, ist jedoch genau so zweckmäßig wie der Minimalismus der 90er Jahre.“ (As)

„Die verzweifelten Spieler des FC Bayern sind Opfer der Laune des Fußball-Gottes geworden, der sich in München blau gekleidet hat.“ (El País)

„Die Göttin Fortuna war großzügig gegenüber der alten Truppe des Zars Abramowitsch. Chelsea hat so viele Leben wie die Katze, und Drogba hat mit 34 Jahren mehr als sieben Leben.“ (El Mundo)

Italien

„Drogba d'Europa. Seine Majestät Chelsea. Di Matteo und Drogba triumphieren. Bayern weint. Robben war wieder Schuld.“ (La Gazzetta dello Sport)

„Es ist Chelsea! Ein unglaubliches Finale. Bayern geht zu Hause k.o.. Ein Triumph für Di Matteo.“ (Corriere dello Sport)

„Chelsea-Di Matteo über alles! Drogba erledigt die Bayern.“ (Tuttosport)

„Drogba zerreißt Bayern das Herz. Die Di Matteo-Boys holen den Champions League-Titel.“ (La Repubblica)

„Ein unglaublicher Triumph von Chelsea.“ (Il Tempo)

Frankreich

„Drogba, der Krimi-König. Wenn Roman Abramowitsch den Club einmal verkaufen sollte, kommt er nicht umhin, dem ivorischen Stürmer eine Statue zu errichten.“ (Journal du Dimanche)

„Ein heldenhafter Drogba sichert Chelsea den Sieg.“ (Le Monde)

„Drogba wie ein König. Mit dem Ausgleich und dem verwandelten fünften und entscheidenden Elfmeter katapultierte er Chelsea auf Europas Gipfel.“ (L'Equipe)

Schweiz

„Drogba macht Robi zum König! Wahnsinn! Irre! Unfassbar! Drama pur. Nach einem Hitchcock-Krimi holt Roberto Di Matteo Europas Fußball-Krone. Schweinsteiger steht nach seinem Fehlschuss unter Schock.“ (Sonntags-Blick)

„Chelsea am Ziel seiner Träume - Held Drogba. Für die Bayern wird es schwer werden, diese Pleite zu verkraften... National sind die Münchner längst nur noch die Nummer zwei hinter Dortmund, und eine derartige Chance wie gestern gegen Chelsea wird nie mehr kommen.“ (Basler Zeitung)

„Drogba avanciert zum Helden. Für die Herren Drogba, Lampard und Cech war es die letzte Chance auf einen großen Titel, und was würde sich als Rührstück besser eignen als der Triumph der alten Männer beim Abschied? Und so kam es.“ (NZZ am Sonntag)

Österreich

„München in Trauer! Das steckt in den Köpfen drin, bleibt hängen. Eventuell auch bei der EURO, wo Deutschland ja auf acht Spieler der Bayern setzt? Teamchef Jogi Löw wird in nächster Zeit viel Seelenmassage bei diesen Spielern betreiben müssen.“ (Kronen Zeitung)

„Drogba beendete Bayerns Träume. Und Chelsea? Man hatte den Eindruck, dass sie nicht wissen, dass sie in einem großen Finale stehen. Nur neun Mal schossen sie aufs Bayern-Tor, nur einen Eckball holten sie heraus. Was aber für den Ausgleich reichte.“ (Kurier)

Schweden

„In den Himmel, zur Hölle und wieder zurück. Didier Drogba war im vielleicht letzten großen Spiel seiner Karriere der absolute Mittelpunkt. Nach der ersten Gefühlsexplosion sah er Arjen Robben und gab ihm eine lange Umarmung. Der Held der Siegerelf und Bayerns großer Sündenbock in einem Augenblick, der alles sagte.“ (Aftonbladet Stockholm)

„Chelsea war erst Barcelona und dann Bayern unterlegen, konnte aber beide Giganten knacken. Schweinsteiger, Kroos und Lahm tut das Aufwachen jetzt sicher weh. Aber in anderthalb Monaten sind sie mit Deutschland Fußball-Europameister.“ (Expressen Stockholm)

Dänemark

„Bayern München war trotz alledem eins der großen Erlebnisse der Champions League. Die Elf hat der Welt gezeigt, wie schnell man von Verteidigung auf Angriff umschalten kann und zwei Weltklasse-Außen die meisten Gegner auseinandernehmen. Aber gegen Chelsea hat es nicht gereicht.“ (Ekstra Bladet Kopenhagen)

USA

„Bayern beendet die Saison ohne Titel - das ist ohne jede Frage der bitterste Geschmack von allen.“ (New York Times)

„Masters in München. Chelsea treibt die Geister von Moskau endgültig aus. Die Saison hätte ein Desaster sein können - jetzt ist sie an der Grenze zu einem Wunder.“ (ESPN)

„Manchmal macht Fußball einfach keinen Sinn. Während Chelseas Champions-League-Triumph war es schwer, nicht an eine höhere Macht zu glauben.“ (SportsIllustrated)

Russland

„Ironie der Geschichte: Ausgerechnet der Ex-Chelsea-Spieler Arjen Robben erfüllt Roman Abramowitsch nach neun Jahren Warten den Traum vom Sieg in der Champions League.“ (Sowjetski Sport)

Eine Woche später ist es wieder soweit. Bayern spielt in der Verlängerung des Finales der Champions League gegen Chelsea. Es steht 1:1. Viele Chancen würden die Münchener nicht mehr bekommen, das ist in diesem Moment klar. Und wieder übernimmt Arjen Robben die Verantwortung. Gelinde gesagt drängt sich kein anderer Spieler auf. Und Robben verschießt. Es ist ein wirklich schwacher Elfmeter.

Es bleibt beim 1:1. Das Penalty-Schießen muss die Entscheidung bringen. Fünf Schützen braucht der FC Bayern- Arjen Robben ist nicht darunter. Stattdessen schießen Torhüter Neuer und Ivica Olic, der bisher wahrlich nicht als sicherer Schütze aufgefallen war. Der Kroate verschießt dann auch tatsächlich.

Für Robben gehört es zur Karriere, dass er sich selbst die großen Ziele kaputt macht. Als er 2010 im Finale der Weltmeisterschaft gegen Spanien spielt, hat er die beste Chance der gesamten Partie. Doch Robben vergeigt sie, trifft nicht zum wohl entscheidenden 1:0, stattdessen gehen die Spanier kurz darauf in Führung und holen den Pokal.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

20.05.2012, 15:14 Uhr

.. die Frage, die sich Robben und Heynckes schon gefallen lassen muessen:

Musste Robben die Nr.1 unter den Elfmeterschuetzen sein ?
Es gibt ja auch Gomez und Lahm.. und bis gestern gab es auch einen Schweinsteiger, den gibt es heute auch nicht mehr..


Debakel_dahoam

20.05.2012, 16:07 Uhr

"Und im Finale der Champions League hat Robben eine phantastische Leistung gebracht, die phasenweise das Prädikat Weltklasse verdient hat."
Ich krieg mich nicht mehr ein. Welches Finale haben Sie gesehen? Das war eine absolut egoistische Show von Robben. Jeden Abschluss hat er selbst gesucht. Nahezu nie auf den besser postierten Spieler gespielt. Und sein Offensivspiel war berechenbarer als die Mathe-Hausaufgaben meiner siebenjährigen Tochter. Welten von Weltklasse entfernt.

Robben_raus

20.05.2012, 17:04 Uhr

Robben phasenweise weltklasse??? Welches Spiel haben Sie gesehen? Er hat ca 20 Eckbälle vergeigt, mehrere Freistöße ins Nirwana geschossen, gut postierte Mitspieler, wie üblich, übersehen und versuchte ständig den uralt Trick, in dem der nach innen geht und mit links abzieht. Das funktioniert auf Dauer nur gegen schwache Bundesligamannschaften, aber nicht gegen Top-Teams. Darüber hinaus versuchte er ständig per Standfußball zusammen mit Lahm sich durch das Abwehrbollwerk durchzuwursteln, was bekanntlicherweise nicht per Standfußball sondern nur mit sehr schnellen Direktkombinationen geht. Ich hatte mich schon nach 45 min gefragt, warum Robben nicht ausgewechselt wurde. Für mich war er, unabhängig vom verschossenen Elfer, der schwächste Bayern Spieler.

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