Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.07.2015

13:46 Uhr

Auch Deutsche Bank betroffen

Fifa-Skandal wird Fall für US-Bankenaufsicht

In New York wird der FIFA-Skandal ein Fall für die Bankenaufsicht, auch die Deutsche Bank gerät ins Visier der Ermittler. Hauptsponsor Visa verlangt Reformen. Und die USA stellen das nächste Auslieferungsgesuch.

Der Fifa-Skandal wird zum Fall für die US-Bankenaufsicht. Fifa-Sponsor Visa fordert die Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission – ohne Einbindung von Präsident Blatter. ap

Fifa-Skandal weitet sich aus

Der Fifa-Skandal wird zum Fall für die US-Bankenaufsicht. Fifa-Sponsor Visa fordert die Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission – ohne Einbindung von Präsident Blatter.

New York/BerlinNach den US-Bundesbehörden prüft nun auch die Bankenaufsicht des Bundesstaates New York einem Insider zufolge eine mögliche Verwicklung von mehreren Geldhäusern in den Korruptionsskandal um den Weltfußball-Verband Fifa. Zu den mehr als sechs Instituten gehörten Deutsche Bank, Credit Suisse, Barclays und Standard Chartered, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters in der Nacht zum Freitag. Es sei noch zu früh um zu sagen, ob tatsächlich ein Fehlverhalten vorliege. Die Aufsichtsbehörde DFS äußerte sich dazu offiziell nicht, ebenso wenig wie die Geldhäuser. Das „Wall Street Journal“ hatte zuerst über die Ermittlungen berichtet.

Die Untersuchung läuft dem Insider zufolge parallel zu den Ermittlungen auf Bundesebene. Das US-Justizministerium hatte Ende Mai Anklage gegen neun Fifa-Vertreter und fünf Führungskräfte von Sportmedien und Vermarktungsunternehmen erhoben. Die amerikanischen Behörden gehen davon aus, dass mehr als 150 Millionen Dollar Bestechungsgelder geflossen sind.

Der zuständige Staatsanwalt Kelly Currie hat eine Prüfung angekündigt, ob diversen Großbanken bewusst gewesen sei, dass sie beim Waschen von Schmiergeld geholfen hätten. Gegen keine der Banken gebe es dabei irgendwelche Anschuldigen, erklärte Currie damals. In der Anklageschrift fanden sich zwar die Namen diverser internationaler Geldhäuser, über die verdächtige Geschäfte abgewickelt wurden. Deutsche Institute waren allerdings nicht darunter.

Insidern zufolge liegt das daran, dass die Fifa für viele deutsche Häuser schon länger ein rotes Tuch ist. Mehrere Banker hatten Reuters im Juni gesagt, die Fifa stehe auf der „schwarzen Liste“ jener Institutionen, mit denen man keine Geschäfte mache, weil die Reputationsrisiken zu groß seien. Die Gefahr für den eigenen Ruf sei größer als der mögliche Ertrag.

Umsätze der Fifa von 1999 bis 2014

1999

Umsatz: 133 Millionen US-Dollar

Nettoergebnis: -66 Millionen US-Dollar

2000

Umsatz: 428 Millionen US-Dollar

Nettoergebnis: 94 Millionen US-Dollar

2001

Umsatz: 490 Millionen US-Dollar

Nettoergebnis: 42 Millionen US-Dollar

2002

Umsatz: 694 Millionen US-Dollar

Nettoergebnis: -2 Millionen US-Dollar

2003

Umsatz: 575 Millionen US-Dollar

Nettoergebnis: 114 Millionen US-Dollar

2004

Umsatz: 647 Millionen US-Dollar

Nettoergebnis: 138 Millionen US-Dollar

2005

Umsatz: 663 Millionen US-Dollar

Nettoergebnis: 162 Millionen US-Dollar

2006

Umsatz: 749 Millionen US-Dollar

Nettoergebnis: 249 Millionen US-Dollar

2007

Umsatz: 882 Millionen US-Dollar

Nettoergebnis: 49 Millionen US-Dollar

2008

Umsatz: 957 Millionen US-Dollar

Nettoergebnis: 184 Millionen US-Dollar

2009

Umsatz: 1059 Millionen US-Dollar

Nettoergebnis: 196 Millionen US-Dollar

2010

Umsatz: 1291 Millionen US-Dollar

Nettoergebnis: 202 Millionen US-Dollar

2011

Umsatz: 1070 Millionen US-Dollar

Nettoergebnis: 36 Millionen US-Dollar

2012

Umsatz: 1166 Millionen US-Dollar

Nettoergebnis: 89 Millionen US-Dollar

2013

Umsatz: 1386 Millionen US-Dollar

Nettoergebnis: 72 Millionen US-Dollar

2014

Umsatz: 2096 Millionen US-Dollar

Nettoergebnis: 141 Millionen US-Dollar

Die USA haben unterdessen formal um die Auslieferung des ehemaligen südamerikanischen Fußballchefs Nicolás Leoz aus Paraguay ersucht. Der Antrag ging bei der Regierung ein und wurde an den Obersten Gerichtshof weitergeleitet, wie das Außenministerium am Donnerstag (Ortszeit) mitteilte. Leoz' Anwalt Ricardo Preda sagte der Nachrichtenagentur AP, es gebe keine Frist für eine Entscheidung. Der Antrag müsse nicht sofort umgesetzt werden.

Der 86 Jahre alte Leoz war von 1986 bis 2013 Vorsitzender des südamerikanischen Fußball-Verbandes Conmebol. Er gehört zu den Beschuldigten im Skandal um den Weltverband Fifa. Unter anderem sollen bei der Vergabe Übertragungsrechte der Copa América mehrere Millionen Dollar an Bestechungsgeldern für Conmebol-Funktionäre geflossen sein. Leoz befindet sich aufgrund eines internationalen Haftbefehls seit Anfang Juni unter Hausarrest. Er hatte sich geweigert, einer Auslieferung in die USA in einem Schnellverfahren zuzustimmen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×