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11.12.2015

19:32 Uhr

Auslosung der Fußball-EM

Bis zu 27 Millionen für den Sieger

Die Gedanken werden bei der Loszeremonie in Paris noch bei den Opfern des Terrors sein. Doch die bunte Show soll auch ein Zeichen für die EM-Endrunde 2016 setzen. An die 24 Teilnehmer zahlt die Uefa ein Rekordgeld aus.

Bundestrainer Joachim Löw zeigt's an: Wir wollen den EM-Pokal. dpa

Objekt der Begierde

Bundestrainer Joachim Löw zeigt's an: Wir wollen den EM-Pokal.

ParisDie Wunden sind noch lange nicht verheilt. Und auch Bundestrainer Joachim Löw wird beim Kurztrip zur EM-Auslosung nochmals mit den schrecklichen Stunden des 13. November konfrontiert. „Natürlich wird die Rückkehr nach Paris auch für mich speziell“, erklärte Löw noch immer unter dem Eindruck des hautnah erlebten Terrors in der französischen Metropole vor einem Monat. Nur langsam rückt für den Chef der deutschen EM-Mission 2016 der Sport wieder in den Mittelpunkt, wenn am Samstag (18.00 Uhr/ZDF) im betongrauen Palais de Congrès die EM-Vorrundengegner für sein Team ausgelost werden.

„Frankreich wird ein hervorragender Gastgeber sein, in den nächsten Tagen genauso wie beim Turnier selbst. Wir haben also auch allen Grund, uns auf die Europameisterschaft zu freuen, den Blick nach vorn zu richten“, sagte der Bundestrainer vor der rund einstündigen Auslosungs-Zeremonie. Die Show soll mit den berühmten, frech-frivolen Cancan-Tänzerinnen und dem bekannten DJ David Guetta auch signalisieren, dass sich die EM-Gastgeber und ihre Millionen Gäste ein stimmungsvolles Kontinental-Championat von irren Extremisten nicht zerstören lassen wollen.

So funktioniert die Auslosung für die EM 2016

Warum wird die EM mit 24 Mannschaften gespielt?

Michel Platini versprach vor seiner Kür zum UEFA-Chef 2007 eine Aufstockung der Teilnehmerzahl von 16 auf 24 Mannschaften, das zog beim Wahlvolk. Als Irland und Schottland später den entsprechenden Antrag stellten, war auch Platini im Gegensatz zum Deutschen Fußball-Bund dafür. Ein weiterer Nutzen für die UEFA: Mehr Teams versprechen höhere Marketingerlöse und TV-Einnahmen.

Was sind die Konsequenzen für das Turnier?

Der Modus wird verkompliziert. Neben den sechs Gruppensiegern und -Zweiten qualifizieren sich die vier besten Dritten. Der Rechenschieber wird zum unerlässlichen Utensil. Mauscheleien werden erleichtert, da eventuell beide Teams das für sie nötige Ergebnis kennen. Das Turnier wird zudem enorm aufgebläht. 51 statt 31 Spiele, 30 statt 24 Tage und 10 statt 8 Stadien. Der Sport-Gigantismus hat auch die EM erreicht.

Wie funktioniert die Auslosung?

Die 24 Teams wurden von der UEFA auf Grundlage eines Quotienten in vier Gruppen aufgeteilt. Maßgeblich waren die Pflichtspielresultate seit der EM-Qualifikation 2012. Das Losen selbst ist simpel. Nacheinander werden die Teams aus den Töpfen 1, dann 4, 3 und 2 auf die Gruppen A bis F gezogen. Per Los entschieden wird auch die Gruppenposition (z.B. B2, B3, B4), die für die Spielreihenfolge maßgeblich ist. Frankreich ist vorab als Gastgeber als Kopf der Gruppe A festgelegt.

Wer zieht die Lose?

Die UEFA macht vier EM-Helden zu Losfeen. DFB-Teammanager Olvier Bierhoff, der Grieche Angelos Charisteas, Frankreichs David Trezeguet und der Tscheche Antonin Panenka assistieren UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino. Alle vier erzielten für ihre Länder einst den entscheidenden Treffer in einem EM-Endspiel.

Welche Gegner drohen der deutschen Mannschaft?

Joachim Löw meint: Die Gegner sind egal. Doch das Weltmeister-Team kann durchaus Glück oder Pech haben. Deutschland ist in Topf 1 gesetzt und entgeht damit immerhin Vorrundenduellen mit Gastgeber Frankreich oder Titelverteidiger Spanien. Möglich ist aber eine Gruppe mit Italien, Schweden und Irland - also drei Teams, die der DFB-Auswahl zuletzt Ungemach bereiteten. Eine günstige Auslosung wäre die Konstellation mit Russland und den Turnierdebütanten Slowakei und Nordirland. Für die Weltmeister ist aber ohnehin klar: Die Gruppenphase muss souverän überstanden werden.

Wie sind die Sicherheitsvorkehrungen nach den Anschlägen vom 13. November?

In ganz Paris sind erhöhte Sicherheitsmaßnahmen spürbar. Auch unabhängig von der Auslosung. Der Palais des Congrès wird hermetisch überwacht. Schon Tage vor der Zeremonie patrouillierten Polizisten mit Maschinengewehren in dem riesigen Gebäude, dem ein luxuriöses Hotel und ein Einkaufszentrum angeschlossen sind. Wie immer bei Großereignissen laufen wesentliche Sicherheitsvorkehrungen zudem im Verborgenen.

Wie geht es nach der Auslosung für Bundestrainer Löw weiter?

Stehen die Gruppengegner und die Spieldaten fest, beginnt für Löw und Bierhoff die finale EM-Planung. Gesucht werden noch die Gegner für zwei Tests in der Turniervorbereitung. Festgelegt wird dann auch, wann Bastian Schweinsteiger und Co. in das EM-Quartier in Evian-les-Bains am französischen Ufer des Genfer Sees ziehen. Die EM-Vorbereitung beginnt kurz nach dem DFB-Pokalfinale am 21. Mai mit dem Trainingslager im schweizerischen Ascona.

Wie komme ich an Tickets für die EM?

Die nächste Verkaufsphase beginnt am Montag. Dann werden 800 000 Karten veräußert, allerdings nur über die nationalen Verbände. Jedes Team kann für jedes seiner Spiele 20 Prozent der verfügbaren Tickets exklusiv an seine Fans verkaufen. Der Haken: Der DFB macht eine Mitgliedschaft im Fanclub Nationalmannschaft zur Bedingung. Informationen gibt es über die Homepage des DFB. Im März beginnt dann über die UEFA eine Tauschbörse. Dann werden auch wieder Karten auf den Markt kommen, die bereits in der ersten Verkaufsphase veräußert wurden. Für eine Million Tickets gingen damals mehr als elf Millionen Anträge ein, obwohl die Spielpaarungen noch gar nicht bekannt waren.

„Frankreich ist ein Fußball-Land, die Franzosen lieben den Fußball. Sie werden herzliche und gute Gastgeber sein und alles für das höchstmögliche Maß an Sicherheit tun“, betonte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff, der mit Löw und der gesamten Sportlichen Leitung in Paris dabei ist, zuversichtlich. Der neue Champion kann bis zu 27 Millionen Euro verdienen - Rekord. Allein für den Finalsieg zahlt die UEFA acht Millionen Euro. Insgesamt schüttet der europäische Verband 301 Millionen aus, 2012 mit 16 Teams waren es noch 196 Millionen gewesen.

Dem Europameister und Golden-Goal-Finalschützen Bierhoff wird sechs Monate vor dem Eröffnungsspiel am 10. Juni im Stade de France, wo das deutsche Team nach dem Freundschaftsspiel gegen die Franzosen die Terrornacht verbracht hatte, eine große Ehre zuteil. Mit den weiteren einstigen Titelhelden David Trezeguet (Frankreich), Antonin Panenka (Tschechien) und Angelos Charisteas (Griechenland) darf Bierhoff als „Losfee“ die erstmals 24 EM-Starter auf sechs Gruppen verteilen.

Weltmeister Deutschland wird wie Frankreich, Titelverteidiger Spanien England, Portugal und Belgien aus Topf eins gezogen. Dann werden unter Leitung von UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino die Teams aus den weiteren drei Töpfen dazu gelost, bis das Spielplanpuzzle für die zehn Stadien in neun Spielorten perfekt ist.

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