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24.01.2006

15:37 Uhr

Ausnahmezustand in Hamburg

St. Pauli auf Pokalkurs

Der „Weltpokalsieger-Besieger“ FC St. Pauli will sich ein Denkmal als Pokalschreck setzen. Im DFB-Pokal haben es die Hamburger bis ins Viertelfinale geschafft. Am Mittwoch im Nordderby gegen Werder Bremen haben sie nichts zu verlieren.

HB HAMBURG. Der Hamburger Fußball- Regionalligist, der sich noch heute mit dem 2:1-Bundesligasieg vor vier Jahren gegen den damaligen Weltpokalsieger Bayern München schmückt und dies auf 35 000 T-Shirts verewigte, hat bereits die Zweitligisten Wacker Burghausen und VfL Bochum sowie Bundesligist Hertha BSC Berlin aus dem DFB-Pokal katapultiert. Nun soll das Millerntorstadion zur Endstation für der fünfmaligen Cupsieger Werder Bremen werden.

„Die Mannschaft fiebert dem Spiel entgegen. Wenn wir mit hohem Tempo und mit Mut spielen, haben wir unsere kleine Chance“, sagte Trainer Andreas Bergmann vor der Viertelfinal-Partie am (morgigen) Mittwoch im ausverkauften Stadion (20.30 Uhr/live ARD). „Um diese kleine Chance werden wir kämpfen.“

Bremens Trainer Thomas Schaaf sieht dem Spiel mit gemischten Gefühlen entgegen. „Der Rasen dort ist in keinem guten Zustand. Der Kombinationsfußball leidet darunter. Dem Zufall ist Tür und Tor geöffnet.“ Schaaf geht davon aus, dass sich St. Pauli „hinten reinstellen wird und dann drauflos stürmt“.

Ivan Klasnic, der acht Jahre für St. Pauli spielte und 2001 an die Weser wechselte, warnte seine Kollegen vor der besonderen Atmosphäre am Millerntor. „Einige werden geschockt sein, denn dort ist einfach alles anders“, sagte er. „Die Fans sind der Knaller, die Stimmung unglaublich und die Kabinen ganz alt und sehr, sehr eng. Das glaubt man nicht, wenn man es nicht selbst erlebt hat.“

Schaaf sieht das als zusätzlichen Ansporn. „Ob als Trainer, Spieler oder Zuschauer - es ist immer etwas Besonderes, ans Millerntor zu kommen. Die lassen sich immer etwas Lustiges einfallen“, meinte er.

Schon beim Kartenvorverkauf für das Nordderby, das es zuletzt in der Bundesliga-Saison 2001/02 gab, herrschte bei St. Pauli der Ausnahmezustand. Binnen 27 Minuten waren die Restkarten, die in den freien Verkauf gingen, vergriffen. „Wir hätten auch 100 000 Karten verkaufen können“, sagte Präsident Corny Littmann, der seine Mannen bei Halbfinal-Einzug mit einer Pro-Kopf-Prämie von 11 000 Euro belohnen will.

Auch Schaaf, der mit seiner besten Elf ans Millerntor reist, zollte den Hamburgern Respekt: „Mit Luz, Scharping und Mazingu haben sie wieder echte Typen, die viel für die Mannschaft bewirken können.“ Der Angriff um Felix Luz, dessen Treffer zum 2:2 gegen Hertha BSC bei der ARD-Wahl zum „Tor des Jahres“ jüngst Platz zwei belegte, ist derzeit das Prunkstück der Hamburger. Gegen Werder dürfte aber vor allem Schlussmann Achim Hollerieth im Blickpunkt stehen, der im allemal zweitligareifen Team ein großer Rückhalt ist.

Für den finanziell klammen FC St. Pauli ist bereits der Einzug ins Viertelfinale „wie ein Sechser im Lotto“, betonte Sportchef Holger Stanislawski. Gelingt nach dem 4:3 gegen Hertha BSC die nächste Sensation, wäre es die erste Halbfinal-Teilnahme der Club-Geschichte.

Bislang war drei Mal im Viertelfinale Endstation: 1966 gegen Nürnberg (0:1), 1995 in Kaiserslautern (2:4) und zuletzt im November 1996 in Cottbus (4:5 im Elfmeterschießen).

Die voraussichtlichen Aufstellungen: FC St. Pauli: Hollerieth - Lechner, Morena, Gunesch, Joy - Boll, Schultz, Brückner - Scharping, Mazingu-Dinzey - Luz Werder Bremen: Reinke - Owomoyela, Fahrenhorst, Naldo, Schulz - Baumann - Frings, Borowski - Micoud - Klose, Klasnic

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