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29.08.2011

11:17 Uhr

Autobiografie

Die allzu heile Welt des Philipp Lahm

VonThorsten Giersch

Einzelne Zitate aus Philipp Lahms Autobiografie haben schon vor Verkaufsstart für Wirbel gesorgt. Nun liegt das ganze Werk vor und es zeigt sich: Ein Enthüllungsbuch ist es nicht, aber das macht nichts. Eine Rezension.

DüsseldorfDie Handynummer von Bundestrainer Joachim Löw hat nun wahrlich nicht jeder. Die der Kanzlerin ist praktisch ein Staatsgeheimnis. Philipp Lahm hat sie beide. Mit 27 Jahren ist er der einflussreichste, der mächtigste Fußballer Deutschlands. Er ist Kapitän des FC Bayern München, der Nationalmannschaft, hat Michael Ballack abservieren lassen und ist auf dem besten Wege, zum Rekordnationalspieler zu werden. Wie konnte Philipp Lahm das alles schaffen? Bevor Gerüchte aufkommen, hat er die Frage lieber selbst beantwortet. Und zwar in einem Buch: „Der feine Unterschied“ steht seit heute in Deutschlands Büchereien.

Philipp Lahm ist an sich ein gut erzogener und bescheidener Mensch. Aber ein wenig auf die Sahne hauen muss schon sein. Diese Fähigkeit saugen Bayern-Profis schließlich tag täglich ein. Und so kommt der Untertitel „Wie man heute Spitzenfußballer wird“ arg dick aufgetragen daher.

Schon im Vorfeld wurde das Buch heftig diskutiert. In Auszügen geisterten Zitate aus dem Werk durch die Medien, hängen blieb vor allem heftige Kritik an ehemaligen Trainern (Völler, Klinsmann, Magath, van Gaal) und die Forderung nach flachen Hierarchien ohne „Leitwolf“. Nicht nur die Betroffenen waren wenig amüsiert, auch der DFB reagierte bestenfalls zähneknirschend. „Es gibt einige Passagen in dem Buch, die mir nicht gefallen,
weil hier ein Spieler einige Trainer, die lange und erfolgreich gearbeitet haben, öffentlich beurteilt. Darüber werden wir in der kommenden Woche sprechen“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. „Wir wollen mündige Spieler. Im konkreten Fall hat Philipp allerdings die Grenzen überschritten“, rügte Teammanager Oliver Bierhoff den 26 Jahre alten Abwehrspieler. „Es war aber nach Bewertung des gesamten Buches für uns zu keinem Zeitpunkt ein Thema, Philipp als Kapitän abzusetzen, wie das schon von einigen spekuliert wurde“, fügte Bierhoff hinzu. Auch aus der Liga hagelte es Schelte.

Lahm selbst kann die Aufregung nicht wirklich verstehen: „Ich wollte niemanden verurteilen, und wer das Buch liest, erfährt auch, wie die Feststellung einzuordnen ist.“ Sein Werk sei kein Enthüllungsbuch. „Ich attackiere keinen.“ Bereits am Donnerstag hat sich Lahm via Presseerklärung seines Managements zwar für entstandene „Missverständnisse“ entschuldigt, fügte aber im „Münchener Merkur“ hinzu: „Man muss schon alles lesen und nicht nur Auszügen vertrauen.“ Zeit für eine Gesamtbetrachtung - und eine Rezension.

Schon der erste Blick zeigt: Es ist in der Tat kein Enthüllungsbuch. Und auch wenn Lahm gleich im Vorwort schreibt, dass es sich um keine Autobiografie handelt – es ist eine.

So bricht Lahm sein im Vorwort erwähntes Versprechen: „Es ist keine Autobiografie, dafür ist meine Karriere noch zu sehr im Fluss, sondern ein Buch darüber, wie Spitzenfußball funktioniert.“ Philipp Lahm malt eine allzu heile Welt, in der allenfalls Verletzungen und aufdringliche Fans das Glück stören.

Kein Wort darüber, was mit all den Talenten wird, die es nicht schaffen. Die für einen Amateurvertrag ihre Jugend opfern und meisten auch eine ordentliche Schulausbildung. Zu kurz kommen die unglaublich harten Umgangsformen in dieser Branche, über Mobbing und Verrat.

Kommentare (1)

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29.08.2011, 12:06 Uhr

Das ist wohl nur für echte Fußballfans,die diesen Sport und seine Heroen für das Nonplusultra des Lebens halten.Nichtsdestoweniger ist und bleibt der Fußball für viele die schönste Nebensache der Welt.Möge das so bleiben.
Ob man mit 27 Lenzen eine Autobiografie verfassen sollte,kann wohl nur der Verfasser beurteilen und der von ihm erhoffte Zuspruch vieler Käufer.

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