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12.01.2016

17:42 Uhr

Ballon d‘Or

Todlangweilig, aber lukrativ

VonAlexander Möthe

Lionel Messi ist zum fünften Mal Weltfußballer des Jahres. Schade! Robert Lewandowski oder Jerome Boateng wären mindestens ebenso würdig. Doch am Ende zählen eben Tore und die höchste Bekanntheit. Ein Kommentar.

Die Wahl zum Weltfußballer ist so berechenbar wie einträglich. dpa

Keine Überraschungen mehr

Die Wahl zum Weltfußballer ist so berechenbar wie einträglich.

DüsseldorfDarf es ein wenig mehr Werbewert sein? Werden Sie jetzt Weltfußballer! Es ist, als würde sich eine alte Fußballweisheit in ein etwas krummes Gegenbild wandeln. Denn auch wenn Geld keine Tore schießt, so schießen Tore (irgendwie) doch Geld – in Form von lukrativen Werbeverträgen.

Seit nunmehr acht Jahren dominieren Lionel Messi und Cristiano Ronaldo die Wahl zum Besten ihrer Zunft. In zusammen gut 1100 Spielen haben sie insgesamt rund 900 Tore erzielt. Wer so viel Tore schießt, verkauft sich gut, denn das ist schließlich, was jeder kleine Junge – und zum Glück inzwischen auch reichlich kleine Mädchen – auf dem Bolzplatz machen wollen: Tore schießen.

Wer ein Spiel gewinnen möchte, ein Finale, ein Turnier, der muss früher oder später treffen. Die Tore sind das Magische am Fußball, das, was jeder Fan am liebsten sieht, was das Spektakel ausmacht. Und es ist der einfachste Leistungsnachweis. Statistiken können gelaufene Kilometer, gewonnene Zweikämpfe, geführte Sprints, Ballverluste, Aktionsradius aufführen. Big Data hat im Fußball längst Einzug gehalten.

Zehn Dinge, die Sie noch nicht über Messi wussten

Medizinische Behandlung

Messi litt in seiner Jugend an einer Wachstumsstörung (Somatotropinmangel), sodass er mit 13 Jahren kaum 1,40 m groß war. Nachdem er wegen seiner geringen Körpergröße und den für lokale Verhältnisse hohen Behandlungskosten in bekannten argentinischen Mannschaften nicht aufgenommen worden war, wandten sich seine Eltern an den FC Barcelona. Der stellte ihn unter Vertrag und bezahlte die Ärzte.

Das Schweigen

Lionel Messi soll sehr schweigsam sein. Nicht nur auf dem Fußballplatz als auch in Interviews und TV-Auftritten bekommt er kaum die Zähne auseinander. Dass er in seiner Jugend sehr oft von seiner Familie getrennt war und die meiste Zeit auf dem Fußballplatz verbrachte, werten einige Beobachter als Grund für sein Schweigen.

Die Serviette

Den ersten Vertrag mit dem FC Barcelona unterschrieb Lionel Messis Vater in einem Restaurant in Barcelona auf einer Papierserviette.

Heimatstadt Rosario

Den schweigsamen Fußballer von Weltformat treibt es immer wieder zurück in seine argentinische Heimatstadt Rosario. Trotz seiner wegen des Fußballs ständig wechselnden Aufenthaltsorte ist er seiner Heimat treu geblieben. Seinen Jugendfreunden soll er täglich Textnachrichten schicken.

Ungesundes Essen

Lionel Messi soll so ungesund gelebt haben, dass sein früherer Coach Pep Guardiola beim FC Barcelona alle Softdrink-Automaten verbannte. Dennoch kann man dem Schleckermäulchen keine Gewichtsprobleme vorwerfen.

Versteckte Tattoos

Tattoos sind im Profifußball nichts Ungewöhnliches, bei Messi aber schon. Das brave Fußball-Ausnahmetalent scheint wie der Gegenentwurf zum voll tätowierten Kicker. Dabei hat er selbst zwei Tattoos, eins an der linken Wade und eins auf der linken Schulter.

Die „Hand Gottes“ Part II

Diego Armando Maradona und Lionel Messi ähneln sich nicht nur, weil sie beide Weltfußballer wurden und den Standard ihrer Zeit immer in Frage stellten. Messi eiferte seinem Idol sogar so stark nach, dass er prompt denn zweiten Teil der „Hand Gottes“ lieferte. Auch er kam nicht nur ungestraft davon, sondern sorgte damit für ein Tor.

Soziales Engagement

Im Jahr 2007 gründete Messi die Leo Messi Fundation, eine Organisation zur Förderung des Zugangs zu Bildung und Gesundheitsversorgung für schutzbedürftige Kinder.Im März 2010 wurde Messi als Botschafter für die UNICEF ernannt. Im März 2013 spendete er einem Kinderkrankenhaus in seiner Heimatstadt Rosario 600.000 Euro.

Katalanisch

Wenn er betrunken ist, soll er katalanisch sprechen: Lionel Messi wohnt seit 15 Jahren in Barcelona, die katalanische Sprache ist ihm anscheinend schon in Fleisch und Blut übergegangen.

Che Guevara

Lionel Messi muss sich neben Diego Armando Maradona in Argentinien nur einem Mann geschlagen geben: Che Guevara, mit dem er den Geburtstag teilt.

Spiel und Spieler werden zur optimalen Leistung hin optimiert. Trainer und Vereine, auch die meisten Fans, wissen, dass es auf die Mannschaftsleitung ankommt, von Individualisten veredelt. Dass der Mittelfeldspieler, der in einem Spiel einen Kilometer mehr läuft als alle anderen entscheidender sein kann, als der Stürmer ganz vorne. Doch wenn die Anzeigetafel um- und ein ganzes Stadion aufspringt, zählt im Jubel am Ende doch wieder nur das Tor. Die am besten sichtbare Leistung.

So wundert es auch nicht, dass die Riege der Weltfußballer fast ausschließlich aus Offensivkünstlern besteht. 1991 ging es mit Lothar Matthäus los, damals noch Spielmacher, nicht Libero. Van Basten, Ronaldo, Zidane, Kaka. Jetzt eben Messi und Cristiano Ronaldo, die mit dem Titel Hochhalten spielen.

Schon der taktisch und spielerisch überragende Franz Beckenbauer stand meist im Schatten von Pelé, der auf hohem Konkurrenzniveau durch seine Tore zum Weltstar wurde. Heute sind es Typen wie Philipp Lahm, die im Popularitätswettbewerb mit den Stürmern keine Chance haben.

Fünfmal ist Lionel Messi jetzt schon ausgezeichnet worden: Der kleine Mann, der am Ball fast alles kann und dafür praktisch von jeder Defensivarbeit befreit ist; dessen gesamtes Team, im Verein wie in der Nationalmannschaft, darauf hinarbeitet, dass die Tore fallen. Die Wahl treffen Jahr für Jahr die Trainer und Mannschaftskapitäne der Nationalmannschaften, hinzukommen ausgewählte Journalisten.

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