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26.02.2015

16:47 Uhr

Bas Dost

Nächster Einsatz für die Wolfsburger Tormaschine

VonLucas Fuhr

Als Torschützenkönig nach Wolfsburg gekommen schien Bas Dost schon langer ein teurer Flop zu sein. Doch jetzt trifft der Niederländer wie er will. Und zeigt sich vor dem Spiel gegen Lissabon als selbstbewusster Spieler.

Trifft derzeit wie er will: Bas Dost. dpa

Wolfsburger Torgarant

Trifft derzeit wie er will: Bas Dost.

DüsseldorfDer Sport-Informationsdienst wählte blumige Worte, um die derzeitige Hierarchie im Wolfsburger Sturm zu beschreiben. „Lord Bendtner im Schatten des Dostman“, titelte der sid und meinte damit: Nicklas Bendtner kommt beim VfL derzeit nicht an der gesetzten Sturmspitze Bas Dost vorbei. Kein Wunder, vergleicht man die aktuelle Statistik des Dänen und des Niederländers – Dost traf seit Beginn der Rückrunde in fünf Spielen neunmal. Bei Bendtner steht bisher in der ganzen Spielzeit nur ein einziges Tor in zwölf Partien auf dem Zettel.

Dabei dürfte es den Dänen vielleicht trösten, dass auch Dost in Wolfsburg keinen leichten Start hatte – vorsichtig ausgedrückt. Sieben Millionen Euro zahlten die Wolfsburger 2012 für den damals 22-Jährigen, der beim SC Heerenveen in der niederländischen Eredivisie 32 Tore in 34 Spielen geschossen und den Klub auf Platz fünf geführt hatte.

Doch Dost blieb einen echten Leistungsnachweis zunächst schuldig und war dann erstmal lange verletzt. Noch in der Hinrunde der laufenden Saison machte der Stürmer gerade einmal sechs Spiele.

Dass der Knoten bei dem Niederländer doch noch platzte, hat er auch dem Hamburger SV zu verdanken. Der kaufte in der Winterpause den alternden Dauerläufer Ivica Olic zurück, bis dahin gesetzt im Sturm der Wölfe und mit fünf Treffern bester Torschütze. Nach dem Abgang Olics war der Weg frei für Dost, Trainer Dieter Hecking schenkte ihm das Vertrauen – und der Niederländer zahlte dieses beim triumphalen 4:1 über Bayern München mit zwei Toren prompt zurück.

Seitdem traf Dost nur im Spiel gegen Eintracht Frankfurt nicht. Die Partie endete Remis und ist die einzige, die die Wolfsburger in der Rückrunde nicht gewannen. Als „Wiedergutmachung“ traf Dost zwei Wochen später, bei einem wahnwitzigen 5:4 gegen Bayer Leverkusen, gleich viermal. Siegtreffer in der 93. Minute inklusive.

Die Financial-Fairplay-Ermittlungen gegen den VfL Wolfsburg

Worum geht es bei den Ermittlungen?

Die Frage bei Financial Fairplay, um die es der UEFA grundsätzlich geht, lautet: Wirtschaftet ein Verein vernünftig, stehen Ein- und Ausnahmen langfristig in einem kaufmännisch vertretbaren Relation? Bei der hundertprozentigen Volkswagen-Tochter VfL Wolfsburg wollen die Prüfer wissen, ob das Geld des Konzerns in einem akzeptablen Verhältnis zum Werbewert des Clubs steht.

Quelle: dpa

Was droht dem VfL Wolfsburg schlimmstenfalls?

Sollte die UEFA zu der Auffassung kommen, dass die VW-Zuwendungen im aktuell hohen zweistelligen Millionenbereich unangemessen sind, droht eine Strafe. Im schlimmsten Fall dürfte der aktuelle Bundesligazweite kommende Saison nicht in der Champions League spielen. Mit seinem Umfeld, dem aktuell viertschlechtesten Zuschauerschnitt der Liga von 27 778 und seit 2010 ohne Europapokaleinnahmen hätte der VfL ohne VW keine Chance, den aktuellen Kader zu finanzieren.

Welche Folgen könnte eine Strafe für VW haben?

Vor allem für den Mutterkonzern Volkswagen steht viel auf dem Spiel. Sollte der Club bestraft werden, hätte VW nicht nur ein Imageproblem. Je nach Begründung der Strafe könnte dies auch Klagen der Aktionäre nach sich ziehen. Dann etwa, wenn Volkswagen den VfL erwiesenermaßen über Gebühr mit Geld aus dem Konzern subventioniert, ohne einen entsprechend hohen Gegenwert – die sogenannte Werbewirkung – zu erzielen. Der VW-Vorstand um Chef Martin Winterkorn ist laut Aktienrecht generell zur „ordentlichen und gewissenhaften“ Geschäftsführung verpflichtet. Diese Sorgfaltspflicht ist einklagbar, wenn beispielsweise die Dividende leidet.

Wie sieht der Verein die Ermittlungen?

Demonstrativ gelassen. Zu laufenden Ermittlungen der Uefa gegen den Klub sagte VfL-Finanz-Geschäftsführer Wolfgang Hotze der Deutschen Presse-Agentur klipp und klar: „Ich kann nicht mehr sagen, als dass wir keine Sanktionen erwarten.“ Und VfL-Sportchef Klaus Allofs erklärt: Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“.

Was sagt die Uefa zu den Ermittlungen?

Nichts. Die Europäische Fußball-Union will sich nicht äußern – wegen der „laufenden Ermittlungen“. Die VfL-Geschäftsführung musste zur Uefa nach Nyon reisen, um das Wolfsburger Modell zu erläutern. „Wir sind dort auf viel Zustimmung gestoßen.“, meint zwar VfL-Sportchef Klaus Allofs. Finanz-Geschäftsführer Hotze allerdings gibt zu: „Aus diesem Vortrag hat die Uefa ihre Fragen entwickelt.“ Anfang Dezember teilte die Uefa nämlich mit, der VfL möge weitere Angaben liefern. So groß kann die Zustimmung also nicht gewesen sein. Dass die UEFA weitere Fragen hatte, legt den Verdacht nahe, dass die Finanzkontrollkammer (FKKK) einen anderen – niedrigeren – Werbewert ermittelt hat als VW.

Grund genug für den Niederländer, selbstbewusst die derzeitigen Ansprüche des VfL in der Liga zu formulieren. „Wir haben zehn Punkte Vorsprung auf Platz drei, das ist überragend. Das darf man auch nicht mehr weggeben. Der zweite Platz muss für uns sein“, sagte Dost im Interview mit ran.de.

Und international, in der Europa League? „Das machen wir auch“, stellte der Niederländer vor dem Spiel gegen Sporting Lissabon am Donnerstagabend klar. Das Hinspiel gewannen die Wolfsburger vor heimischer Kulisse bereits überlegen mit 2:0. Beide Treffer erzielte, na klar: Bas Dost.

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