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12.04.2014

12:00 Uhr

Bayern gegen Dortmund

Die nächste Runde im Streit der Kesselflicker

VonThomas Schmitt

Im Spiel der Bayern gegen Dortmund geht es heute nur ums Prestige. Dafür streiten sich die Funktionäre um so heftiger um einen alten Kredit. BVB-Boss Watzke legt nach – und die Reaktion der Bayern kommt bestimmt.

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im ehemaligen Westfalenstadion: Im Spiel gegen die Bayern geht es auch für ihn um mehr als nur drei Punkte. dpa

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im ehemaligen Westfalenstadion: Im Spiel gegen die Bayern geht es auch für ihn um mehr als nur drei Punkte.

DüsseldorfEin zehn Jahre alter Kredit des FC Bayern für Borussia Dortmund sorgt weiter für Aufregung. Die zwei Millionen Euro sind längt zurück gezahlt, doch die Episode belastet das Verhältnis der beiden Clubs enorm. Zuerst polterte der künftige Bayern-Präsident Karl Hopfner los. Nun keilt BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zurück.

Vor dem Spitzenspiel zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund traf ein Reporter des Bezahlsenders Sky Watzke zum exklusiven Interview. Dabei reagierte er auch auf Hopfner, der im Interview mit der „Sport-Bild“ Watzke mit dem Lügenbaron von Münchhausen verglichen hatte: „Damit wäre Herrn Watzke ja noch geschmeichelt.“

Die Millionen-Hilfe der Bayern für den BVB

Kredit

Im September 2004 war der BVB fast pleite. Der damalige Geschäftsführer Michael Meier bat die Bayern um einen Kredit von zwei Millionen Euro. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke war noch nicht im Amt.
Quellen: Interviews von Karl Hopfner und Hans-Joachim Watzke

Laufzeit

Der Kredit sollte schon nach einem Monat wieder zurückgezahlt werden. Das habe Meier versprochen. Die Laufzeit war also extrem kurzfristig. Hopfner: „Es sollte sich ja nur um einen einmonatigen Überziehungskredit handeln, den wir bis Ende Oktober zinsfrei gegeben hatten.“

Erste Rückzahlung

Am 2. November 2004, hat Michael Meier 1,3 Millionen Euro zurückbezahlt. Es fehlen also noch rund 700.000 Euro.

Verrechnung

Da die Bayern für ihr Spiel in Dortmund (September 2004) noch eine Summe über 206.000 Euro zahlen mussten, wurde dieser Betrag vom Darlehen noch abgezogen. Anfang November waren also rund 1,5 Millionen Euro zurückbezahlt von den ursprünglichen zwei Millionen Euro. Dies sei absolut zinsfrei passiert, betonen die Bayern.

Verlängerung

Nach Angaben von Hopfner sei BVB-Manager Meier dann erneut auf die Bayern zugekommen. Er bat, ob 494.000 Euro bis zum Saisonende gewährt werden könnten. Der FC Bayern sei dieser Bitte nachgekommen.

Zinsen

Michael Meier bot nach Angaben der Bayern an, auf diese Summe Zinsen zu zahlen. Sein Vorschlag waren fünf Prozent Zinsen. Das akzeptierten die Bayern nach eigener Aussage. Zunächst sprach BVB-Boss Watzke auch von fünf Prozent Zinsen, später aber von acht Prozent. Das korrigierte er im Rahmen des jüngsten Streits.

Zinssumme

Die gesamte Zinssumme belief sich laut Hopfner von November 2004 bis zum 6. Juni 2005 auf insgesamt 14.000 Euro. Dies sei eine vergleichsweise niedrige Summe, urteilt Hopfner.

Verrechnung

Letztlich wurde der offene Betrag bei dem Transfer von Torsten Frings verrechnet. Der Mittelfeldspieler wechselte 2004 von Dortmund nach München.

Die Bayern-Sicht

Hopfner: „Um es sehr vorsichtig auszudrücken: Was Herr Watzke da behauptet hat, ist die absolute Unwahrheit. Angefangen von seiner Behauptung, dass es seine erste Aufgabe gewesen sein soll, das Darlehen zurückgezahlt zu haben, bis hin zu der angeblichen Verzinsung von acht Prozent.“

Die BVB-Sicht

Watzke: „Wir sollten hier mal mit einer Legende aufräumen. Es hat zwei Millionen Euro von Bayern München gegeben, als Kredit, aber nicht an mich. Darauf lege ich großen Wert. Ich wäre lieber persönlich betteln gegangen, als mir von den Bayern Geld zu leihen.“ Bayern habe zur Vermeidung einer Insolvenz von Borussia Dortmund keinen Beitrag geleistet. Wer behaupte, dass München in irgendeiner Weise Borussia Dortmund in der Version 2.0, solide wirtschaftend, geholfen hätte, „der sagt wissentlich die Unwahrheit“.

Hopfner sagte: „Um es sehr vorsichtig auszudrücken: Was Herr Watzke da behauptet hat, ist die absolute Unwahrheit. Angefangen von seiner Behauptung, dass es seine erste Aufgabe gewesen sein soll, das Darlehen zurückgezahlt zu haben, bis hin zu der angeblichen Verzinsung von acht Prozent.“

Abgesehen davon, dass Watzke beim Zins schon seinen Fehler eingeräumt hat, die Art und Weise der Auseinandersetzung schmeckt Watzke ganz und gar nicht: „Wir können sachlich streiten - das ist ja völlig klar und auch normal. Aber es auf die persönliche Ebene zu ziehen, fand ich nicht in Ordnung“, sagte er in dem Sky-Interview.

„Mich persönlich zu diskreditieren ist nicht korrekt. Bei allem, was im letzten Jahr um die Bayern-Verantwortlichen herum passiert ist, hätte es für mich zig Gelegenheiten und Hunderte von Anfragen gegeben, einen von denen persönlich zu diskreditieren. Das habe ich nie gemacht.“

Es berühre ihn zwar nicht wirklich, aber es sei eine Ebene, die ihm nicht gefalle. Er habe auch keine Angst davor. „Wenn wir meinen, wir sollten diese Ebene jetzt betreten, dann
können wir das auch machen.“ Den ganzen Beitrag mit Hans-Joachim Watzke strahlt Sky ab 17.30 Uhr vor dem Spiel aus.

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