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23.05.2012

10:58 Uhr

Bayern gegen Niederlande

Die Leiden des Arjen Robben

Erst der verschossene Elfmeter im Champions-League-Finale, dann Pfiffe beim Freundschaftsspiel: Arjen Robben ist wieder einmal der Buhmann der Bayern. Sein Nationalcoach will ihm jetzt erstmal eine Pause gönnen.

Arjen Robben vor dem Freundschaftsspiel. Reuters

Arjen Robben vor dem Freundschaftsspiel.

Es sollte das „Arjen-Robben“-Spiel werden, eine Versöhnung zwischen den Bayern und den Niederlanden. Nach der Verletzung von Robben bei der Weltmeisterschaft 2010 war der Niederländer ein halbes Jahr lang ausgefallen. Der FC Bayern München hatte damals schwere Vorwürfe gegen den „Koninklijke Nederlandse Voetbalbond“ erhoben: Der Verband habe den Flügelspieler zu früh wieder eingesetzt. Mit dem Freundschaftsspiel wollten die beiden Parteien alle Differenzen ausräumen, Arjen Robben sollte Star des Spiels werden. Die Verantwortlichen hatten aber eines nicht auf der Rechnung: die Fans.

Nach dem verschossenen Elfmeter im Finale der Champions League am Samstag herrschte Unmut bei den Bayern-Anhängern. Besonders über Arjen Robben, der in der Verlängerung den möglicherweise entscheidenden Elfmeter zum Sieg vergab. Ihrem Ärger machten sie bei seiner Einwechslung in der 76. Minute Luft und begrüßten ihn mit Pfiffen. So wurde auch das Freundschaftsspiel zu einem Spießrutenlauf für den Niederländer.

Die internationalen Pressestimmen zur Champions-League-Pleite

England

„Die Könige von Europa. Glorreicher Abend für die Blues in München ... und sie haben die Deutschen im Elfmeterschießen besiegt!“ (Sunday Times)

„Als Didier Drogba ganz alleine war, die riesige Tribüne mit pfeifenden Bayern-Fans vor Augen - das war sein Moment, Geschichte zu schreiben.“ (Daily Telegraph)

„Didi did it! Endlich hat ein englisches Team ein deutsches im Elfmeterschießen besiegt. Die Underdogs von Chelsea haben sensationell die Champions-League-Trophäe geholt.“ (The Sun)

„Deutsche verschießen keine Elfmeter - aber es war der Holländer Robben, der sich den Ball nahm...“ (Daily Mirror)

„Abramowitsch macht seinen großen Traum wahr - Jubel für den russischen Milliardär, dessen riesiges Investment sich unter aufregenden Umständen endlich auszahlt.“ (The Independent)

„Momente, die nie vergessen werden und immer in Ehren gehalten werden.“ (The Guardian)

Spanien

„Der Fluch des FC Bayern geht weiter. Der Meister kann daheim nicht gewinnen. Es mag sein, dass man sich nicht in das Spiel des Chelsea verlieben kann, aber der FC Bayern hat viel dazu beigetragen, dass er das Finale verloren hat. Nach den puristischen Fußball-Gesetzen ist dies eine grausame und ungerechte Niederlage.“ (Marca)

„Ein Team mit einem ranzigen Parfüm und einer 20 Jahre alten Spielart hat es so weit gebracht. Über die Liebenswürdigkeit dieses Stils kann man diskutieren. Dennoch soll man die Teams aufgrund ihrer Kapazität beurteilten, ihr Potenzial maximal auszunutzen. Dieser Stil ist nicht in Mode, ist jedoch genau so zweckmäßig wie der Minimalismus der 90er Jahre.“ (As)

„Die verzweifelten Spieler des FC Bayern sind Opfer der Laune des Fußball-Gottes geworden, der sich in München blau gekleidet hat.“ (El País)

„Die Göttin Fortuna war großzügig gegenüber der alten Truppe des Zars Abramowitsch. Chelsea hat so viele Leben wie die Katze, und Drogba hat mit 34 Jahren mehr als sieben Leben.“ (El Mundo)

Italien

„Drogba d'Europa. Seine Majestät Chelsea. Di Matteo und Drogba triumphieren. Bayern weint. Robben war wieder Schuld.“ (La Gazzetta dello Sport)

„Es ist Chelsea! Ein unglaubliches Finale. Bayern geht zu Hause k.o.. Ein Triumph für Di Matteo.“ (Corriere dello Sport)

„Chelsea-Di Matteo über alles! Drogba erledigt die Bayern.“ (Tuttosport)

„Drogba zerreißt Bayern das Herz. Die Di Matteo-Boys holen den Champions League-Titel.“ (La Repubblica)

„Ein unglaublicher Triumph von Chelsea.“ (Il Tempo)

Frankreich

„Drogba, der Krimi-König. Wenn Roman Abramowitsch den Club einmal verkaufen sollte, kommt er nicht umhin, dem ivorischen Stürmer eine Statue zu errichten.“ (Journal du Dimanche)

„Ein heldenhafter Drogba sichert Chelsea den Sieg.“ (Le Monde)

„Drogba wie ein König. Mit dem Ausgleich und dem verwandelten fünften und entscheidenden Elfmeter katapultierte er Chelsea auf Europas Gipfel.“ (L'Equipe)

Schweiz

„Drogba macht Robi zum König! Wahnsinn! Irre! Unfassbar! Drama pur. Nach einem Hitchcock-Krimi holt Roberto Di Matteo Europas Fußball-Krone. Schweinsteiger steht nach seinem Fehlschuss unter Schock.“ (Sonntags-Blick)

„Chelsea am Ziel seiner Träume - Held Drogba. Für die Bayern wird es schwer werden, diese Pleite zu verkraften... National sind die Münchner längst nur noch die Nummer zwei hinter Dortmund, und eine derartige Chance wie gestern gegen Chelsea wird nie mehr kommen.“ (Basler Zeitung)

„Drogba avanciert zum Helden. Für die Herren Drogba, Lampard und Cech war es die letzte Chance auf einen großen Titel, und was würde sich als Rührstück besser eignen als der Triumph der alten Männer beim Abschied? Und so kam es.“ (NZZ am Sonntag)

Österreich

„München in Trauer! Das steckt in den Köpfen drin, bleibt hängen. Eventuell auch bei der EURO, wo Deutschland ja auf acht Spieler der Bayern setzt? Teamchef Jogi Löw wird in nächster Zeit viel Seelenmassage bei diesen Spielern betreiben müssen.“ (Kronen Zeitung)

„Drogba beendete Bayerns Träume. Und Chelsea? Man hatte den Eindruck, dass sie nicht wissen, dass sie in einem großen Finale stehen. Nur neun Mal schossen sie aufs Bayern-Tor, nur einen Eckball holten sie heraus. Was aber für den Ausgleich reichte.“ (Kurier)

Schweden

„In den Himmel, zur Hölle und wieder zurück. Didier Drogba war im vielleicht letzten großen Spiel seiner Karriere der absolute Mittelpunkt. Nach der ersten Gefühlsexplosion sah er Arjen Robben und gab ihm eine lange Umarmung. Der Held der Siegerelf und Bayerns großer Sündenbock in einem Augenblick, der alles sagte.“ (Aftonbladet Stockholm)

„Chelsea war erst Barcelona und dann Bayern unterlegen, konnte aber beide Giganten knacken. Schweinsteiger, Kroos und Lahm tut das Aufwachen jetzt sicher weh. Aber in anderthalb Monaten sind sie mit Deutschland Fußball-Europameister.“ (Expressen Stockholm)

Dänemark

„Bayern München war trotz alledem eins der großen Erlebnisse der Champions League. Die Elf hat der Welt gezeigt, wie schnell man von Verteidigung auf Angriff umschalten kann und zwei Weltklasse-Außen die meisten Gegner auseinandernehmen. Aber gegen Chelsea hat es nicht gereicht.“ (Ekstra Bladet Kopenhagen)

USA

„Bayern beendet die Saison ohne Titel - das ist ohne jede Frage der bitterste Geschmack von allen.“ (New York Times)

„Masters in München. Chelsea treibt die Geister von Moskau endgültig aus. Die Saison hätte ein Desaster sein können - jetzt ist sie an der Grenze zu einem Wunder.“ (ESPN)

„Manchmal macht Fußball einfach keinen Sinn. Während Chelseas Champions-League-Triumph war es schwer, nicht an eine höhere Macht zu glauben.“ (SportsIllustrated)

Russland

„Ironie der Geschichte: Ausgerechnet der Ex-Chelsea-Spieler Arjen Robben erfüllt Roman Abramowitsch nach neun Jahren Warten den Traum vom Sieg in der Champions League.“ (Sowjetski Sport)

„Der FC Bayern sollte sich schämen, das hat Arjen nicht verdient“, schimpfte Elftal-Kollege Rafael van der Vaart. „Wir hatten so etwas nicht erwartet. Das ist peinlich.“

Dabei hatte das Publikum Robben noch mit Applaus aufgemuntert, als er sich warmlief. Beim Spiel selbst wurde aber fast jede Ballberührung des 28-Jährigen mit Pfiffen kommentiert. „Das sind vereinzelte Zuschauer. Andere haben Beifall gespendet. Das ist immer so, damit muss man leben“, sagte Bayern-Coach Jupp Heynckes, dessen Team das Spiel mit 3:2 gewann.

Sein Trainer bei der Nationalmannschaft Bernd van Marwijk will dem Holländer jetzt erst einmal eine Pause gönnen, um sich von der Niederlage zu erholen. Robben darf sich vor dem Einzug ins Trainingslager in Lausanne Kurzurlaub nehmen und bis Freitag weiter regenerieren. „Er kann zur Familie, und ich glaube, er braucht das auch“, sagte van Marwijk. Er ist aber zuversichtlich, den Fußballspieler bis zur Europameisterschaft wieder aufzubauen. „Wenn Fußballer untereinander sind, dann machen sie Spaß, dann geht das ganz schnell.“

Kommentare (4)

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bommel

23.05.2012, 12:56 Uhr

van der vaart's aussage kann und will ich nicht verstehen. was kann der fc bayern dafür, wenn ein paar deppen, die für 12,50 euro karten kaufen, robben auspfeifen? und van bommel kennt doch pfiffe gegen ihn auch noch aus bl-zeiten, auch wenns nicht die eigenen fans waren. einziges manko bei der bayern-führung ist, dass man hier nicht energischer die sogenannten pfiffe verurteilt, sondern wieder schönrden tut. das ist das, was ich nicht kapier. zuerst wird mit robben verlängert und dann steht man nur halbherzig hinter diesem topspieler. hätte robben keinen seuchenfuß diese saison gehabt, wäre sicher das triple möglich gewesen, aber es hängt halt nicht nur an einem spieler. dioe mannschaft war nicht bereit für einen großen titel. außer ribery, badstuber, neuer, alaba und müller gabs meistens nur mitläufertypen auf dem platz. schweini und lahm waren diese saison nur durchschnitt leider.

KiKi

23.05.2012, 20:09 Uhr

so ist es, wenn sich Fußballer untereinander beurteilen, nur Unverständnis über die andere ohne Ursachenbetrachtung. Da haben doch hochbezahlte Fußballer ein Ergebnis abgeliefert, für das Otto-Normalbürger seine Kündigung erhalten hätte. Der Oberbonze Rummennigge hat sogar Verständnis für die Situation. Alles in Allem hat diese Führungsebene bis auf den Uli völlig den Kontakt zu dem Fußballfan verloren. 8 Millionen Jahresgehalt und ist nicht in der Lage einen Ball sicher ins Tor zu schießen. Wo finden sich eigentlich hier noch Anspruch und Realität? Mit dieser Mannschaft ist kein Blumentopf (Pokal) zu gewinnen. Da die Nationalmannschaft mit diesen Versagern auflaufen wird, sollten wir nicht überrascht sein, wenn's wieder kein Titel für Deutschland wird.

Account gelöscht!

24.05.2012, 07:45 Uhr

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