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10.05.2015

13:10 Uhr

Bayern-Krise

Flieht Guardiola aus München nach England?

Das vierte sieglose Spiel in Folge – der FC Bayern München wankt. Die Stimmung ist vor dem Champions-League-Rückspiel gegen Barcelona auf dem Tiefpunkt. Und ausgerechnet jetzt gibt es Wechselgerüchte um den Trainerstar.

Es läuft nicht rund für Pep Guardiola und den FC Bayern München. AFP

Guardiola

Es läuft nicht rund für Pep Guardiola und den FC Bayern München.

Kürzlich spottete der exzentrische Portugiese José Mourinho über die Bundesliga. „Ich hätte intelligent sein und mich für eine einfachere Liga entscheiden können, wie einige Kollegen es getan haben. Länder, wo es einfacher ist, Meister zu werden und wo sogar der Zeugwart den Titel gewinnt.“ Klar, wem dieser Seitenhieb galt: Mourinhos großem Erzrivalen Pep Guardiola.

In Spanien waren die beiden – der eine Trainer von Real Madrid, der andere beim FC Barcelona – regelmäßig aneinander geraten. Mittlerweile arbeitet Mourinho wieder beim FC Chelsea in London und spottet über Bayern-Trainer Guardiola. Möglicherweise messen sich beide bald wieder in einer Liga: Denn Gerüchten zufolge soll es den Katalanen schon diesen Sommer auf die Insel ziehen. Am Samstag berichtete jedenfalls der internationale TV-Sender beIN Sports, Guardiola habe einen Vorvertrag mit Manchester City unterschrieben.

Bayern München: Welche Spiele Pep Guardiola verloren hat

1. Niederlage

27.07.2013: Borussia Dortmund - FC Bayern 4:2 Supercup-Finale.

2. Niederlage

10.12.2013 FC Bayern - Manchester City 2:3 Champions League.

3. Niederlage

05.04.2014 FC Augsburg - FC Bayern 1:0 Bundesliga.

4. Niederlage

12.04.2014 FC Bayern - Borussia Dortmund 0:3 Bundesliga.

5. Niederlage

23.04.2014 Real Madrid - FC Bayern 1:0 Champions League.

6. Niederlage

29.04.2014 FC Bayern - Real Madrid 0:4 Champions League.

7. Niederlage

13.08.2014 Borussia Dortmund - FC Bayern 2:0 Supercup-Finale.

8. Niederlage

25.11.2014 Manchester City - FC Bayern 3:2 Champions League.

9. Niederlage

30.01.2015 VFL Wolfsburg - FC Bayern 4:1 Bundesliga

10. Niederlage

22. März 2015: 0:2 zuhause gegen Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga.

11. Niederlage

15. April 2015: 1:3 im Viertelfinale der Champions-League beim FC Porto.

12. Niederlage

28. April 2015: DFB-Pokalhalbfinale gegen Borussia Dortmund: 1:1 nach Verlängerung, 0:2 nach Elfmeterschießen

13. Niederlage

2. Mai 2015: Bayer Leverkusen gewinnt 2:0 im Bundesligaspiel. Zu diesem Zeitpunkt sind die Bayern aber schon Meister.

14. Niederlage

6. Mai 2015: Barcelona gewinnt 3:0 im ersten Halbfinale der Champions League. Das war praktisch der K.O. für die Bayern.

15. Niederlage

9. Mai 2015: In der Bundesliga verliert der FC Bayern sein Heimspiel gegen den FC Augsburg mit 0:1.

16. Niederlage

16. Mai 2015: In der Bundesliga gewinnt Freiburg am 33. Spieltag überraschend sein Heimspiel 2:1

17. Niederlage

20. Oktober 2015: In der Champions League verliert der FC Bayern 0:2 beim FC Arsenal.

18. Niederlage

5. Dezember 2015: Borussia Mönchengladbach gewinnt 3:1 in der Bundesliga.

Finanziell dürfte Manchester alle Ansprüche des Trainerstars problemlos erfüllen können. Dazu passt, dass Guardiola seinen bis 2016 laufenden Vertrag in München immer noch nicht verlängert hat. Was viele als Selbstläufer ansahen, ist angesichts der jüngsten Ereignisse längst nicht mehr selbstverständlich. Bayern begann in der Liga zu taumeln, seit die Meisterschaft rechnerisch nicht mehr verpasst werden kann. Es gab Ärger mit der medizinischen Abteilung, die in der Kündigung von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt mündete.

Auch an den taktischen Entscheidungen Guardiolas wurde erstmals Kritik laut: Die Dreierkette bei der Auswärtsspielpleite in Barcelona und die Auswechslung der Identitätsfigur Thomas Müller sorgten für Unruhe im Klub. Der Glaube, im Champions-League-Rückspiel noch die Wende zu schaffen und die 0:3-Niederlage aus dem Hinspiel wettmachen zu können, ist gering.

Das ist Josep Guardiola i Sala

Anfänge beim FC Barcelona

Guardiola stammt aus Santpedor, wo seit 2007 der örtliche Sportplatz seinen Namen trägt. Im Alter von 13 Jahren trat er der Jugendakademie des FC Barcelona, La Masia, bei. Zuvor hatte er bei Gimnàstic de Manresa gespielt. In den Jugendmannschaften agierte er zunächst auf der rechten Mittelfeldseite. Erst Johan Cruyff, zu dieser Zeit Trainer der ersten Mannschaft, gab die Anweisung, Guardiola auf der zentralen Spielmacherposition aufzustellen.

Spielerkarriere beim FC Barcelona

Von der Saison 1990/91 an gehörte er zum Profikader und gab als 19-Jähriger sein Debüt in der Primera División. Guardiola spielte insgesamt 17 Jahre für den FC Barcelona. In den elf Profijahren gewann er mit der Mannschaft 16 Titel, darunter den Europapokal der Landesmeister. In der Saison 2000/01 entschloss sich Guardiola, den FC Barcelona zum Saisonende zu verlassen und seine Karriere im Ausland zu beenden.

Wechsel nach Italien

Seine Zeit in Italien war nicht annähernd so erfolgreich wie in Barcelona. Im September 2001 verpflichtete ihn Brescia Calcio. In Italien wurde Guardiola des Dopings beschuldigt, da ihm nach zwei Ligaspielen im Oktober und November Spuren von Nandrolon nachgewiesen wurden. Daraufhin sperrten ihn der FIGC und die FIFA am 22. November 2001 für vier Monate.. 2009 wurde er von sämtlichen Dopingvorwürfen freigesprochen. Ab der Saison 2002/03 spielte er für den AS Rom. Nach einem halben Jahr kehrte er jedoch bis zum Saisonende zu Brescia Calcio zurück

Abstecher nach Katar und Mexiko

2003 wechselte er nach Katar zu Al-Ahli. Er beendete im Sommer 2005 zunächst seine Spielerkarriere, schloss sich dann aber 2006 dem damaligen mexikanischen Erstligisten Dorados de Sinaloa an. Als zum Ende der Saison der Abstieg des Teams in die Primera División 'A' feststand, beendete er seine aktive Karriere endgültig.

Erfolge in der Nationalmannschaft

Guardiola holte mit Spanien 1992 Olympia-Gold. Am 14. Oktober 1992 gab er beim 0:0 im WM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland seinen Einstand in der A-Nationalmannschaft. Er nahm an der Weltmeisterschaft 1994 und der Europameisterschaft 2000 teil. Die Weltmeisterschaften 1998 und 2002 verpasste er wegen einer Knieverletzung. Sein letztes Länderspiel bestritt Guardiola am 14. November 2001 gegen Mexiko (1:0). In 47 Einsätzen erzielte er fünf Tore.

Trainer beim FC Barcelona

2008 war Guardiola bei Amtsantritt mit 37 Jahren der drittjüngste Trainer in der Geschichte des Vereins. Zuvor hatte er bei den Katalanen bereits als Trainer der B-Mannschaft gearbeitet und in seiner Premierensaison 2007/08 prompt zum Aufstieg in die Segunda División B geführt.

Das Sextuple

Die Krönung war das Jahr 2009. Guardiola führte den FC Barcelona zum noch nie dagewesenen „sextuple“, also alle bedeutenden nationalen und internationalen Titel in einem Jahr: nationale Meisterschaft, spanischer Pokal, Champions League, spanischer Supercup, UEFA-Supercup und Klub-Weltmeisterschaft. Mit 14 Titeln ist er der erfolgreichste Trainer in der Vereinsgeschichte. 2012 verabschiedete er sich und legte ein Sabbatjahr in New York ein.

Trainer bei den Bayern

2013 unterschrieb er bei den Münchenern für drei Jahre. Am 30. August 2013 gab er beim UEFA Super Cup-Finale sein internationales Debüt für die Bayern und gewann den ersten Titel mit seiner neuen Mannschaft im Elfmeterschießen gegen den FC Chelsea. Außerdem sicherte er sich mit seiner Mannschaft am 21. Dezember 2013 die FIFA-Klub-Weltmeisterschaft mit einem 2:0 über Raja Casablanca. Am 27. Spieltag der Saison 2013/14 feierte Guardiola mit dem FCB die früheste Meisterschaft in der Geschichte der Bundesliga. Wenige Wochen später folgte der DFB-Pokalsieg gegen den BVB. Auch 2014 holte er mit den Bayern die Meisterschaft.

Zumal es die komplette Endphase der Saison bereits hakt. 0:1 hieß es am Samstag im Heimspiel gegen Augsburg. Viermal nacheinander verloren (wie zuletzt 1991), sechs Stunden ohne Torerfolg – da fielen die Parolen für ein Fußball-Wunder im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Lionel Messi und Co. halbherzig aus. „Im Fußball passieren manchmal unglaubliche Dinge“, sagte Bastian Schweinsteiger zur Aufholjagd des 0:3. Ein bayerisches „Mia san mia“-Gesicht gelang dem Weltmeister dabei aber nicht.

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Nach einer Saison mit womöglich nur einem Titel dürften die Diskussionen zunehmen, die Spekulationen um neue Spieler und um den Trainer auch. Guardiola nervt der Rechtfertigungsdruck, dem er sich wie nie zuvor in seiner Trainerlaufbahn ausgesetzt sieht. Die Fragen werden bohrender, nicht nur zu seiner Spielphilosophie. „Solange ich hier Trainer bin, will ich den Ball“, erklärte er dünnhäutig. Womöglich muss er sich in München nur noch wenige Wochen rechtfertigen.

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